Die USA künden 10 Prozent Zölle für die EU und 12,5 Prozent für die Schweiz an – Trump baut die Drohkulisse wieder aufNach den Zöllen ist vor den Zöllen. Nachdem das Oberste Gericht der USA frühere Zölle für illegal erklärt hatte, erhebt Trump nun neue Zölle. Der offizielle Grund: Zwangsarbeit.03.06.2026, 06.09 Uhr2 LeseminutenDer US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer sieht es als erwiesen an, dass zahlreiche Handelspartner Importgüter nicht ausreichend daraufhin prüfen, ob sie mit Zwangsarbeit hergestellt wurden.Evan Vucci / ReutersBei Donald Trump gilt: Nach den Zöllen ist vor den Zöllen. Im Februar hat es ihm das Oberste Gericht der USA untersagt, auf Basis eines Notstandsgesetzes weitreichende Einfuhrzölle gegen die meisten wichtigen Handelspartner zu erlassen. Trump hat sofort angekündigt, die wegfallenden Zölle auf Basis einer neuen Gesetzesgrundlage zu ersetzen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In der Nacht auf Mittwoch hat Trumps Handelsbeauftragter, Jamieson Greer, diese neuen Zölle nun vorgestellt. 60 Handelspartner sollen davon betroffen sein. Die EU, Grossbritannien, Kanada, Mexiko oder auch Taiwan sollen eine Importabgabe von 10 Prozent entrichten. Die Schweiz und die meisten anderen wichtigen Handelspartner – etwa Japan, China, Südkorea oder Brasilien – sollen 12,5 Prozent zahlen.Die neue Einfuhrgebühr begründet Greer gemäss einer Mitteilung damit, dass die Handelspartner zu wenig gegen den Import von Gütern tun würden, die mit Zwangsarbeit hergestellt wurden. Das «Versagen» der wichtigsten Handelspartner, mit solchen Importen umzugehen, sei «inakzeptabel». Die kleinere Ländergruppe, die nur 10 Prozent zahlen müsste, hat gemäss dem Handelsbeauftragten entweder ein Importverbot für mit Zwangsarbeit hergestellte Güter oder hat sich dazu verpflichtet, ein solches Verbot einzuführen und durchzusetzen.Handelspartner können Stellung nehmenDie Zölle treten noch nicht sofort in Kraft. Die Handelspartner und andere betroffene Parteien haben nun rund einen Monat Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.Die neuen Abgaben basieren auf Section 301 des Handelsgesetzes von 1974. Darin hat der amerikanische Kongress dem Präsidenten die Macht übertragen, Zölle einzuführen, wenn andere Länder gewisse unfaire Handelspraktiken anwenden. Den Import von mit Zwangsarbeit hergestellten Gütern zu dulden, ist eine solche unfaire Handelspraxis, die untersucht wird. Parallel dazu läuft auch eine Untersuchung gegen Länder, die nach Ansicht der US-Regierung strukturelle Überkapazitäten im Industriesektor aufrechterhalten und damit amerikanischen Unternehmen schaden. Auch bei jener Untersuchung gehören die Schweiz und die EU zu den «Verdächtigen».Die Regierung muss aber zunächst eine Untersuchung durchführen, um die Vorwürfe zu überprüfen. So verlangt es das Gesetz. Genau diesen Prozess versuchen Trump und Greer nun im Eiltempo zu durchlaufen. Aus Sicht des Weissen Hauses drängt die Zeit. Gewisse Übergangszölle von 10 Prozent, die Trump nach der Niederlage vor Gericht im Frühjahr eingeführt hatte, Ende Juli ablaufen werden.Mehr folgt.Passend zum Artikel