Trumps neueste Zolldrohung wegen Zwangsarbeit: Die EU reagiert heftigDie EU und viele Staaten unternehmen laut den USA zu wenig gegen Importe, die auf Zwangsarbeit beruhen. Das Handelsministerium droht daher mit Zöllen von mindestens 10 Prozent. Die EU findet das «inakzeptabel».03.06.2026, 12.59 Uhr2 LeseminutenDer amerikanische Handelsbeauftragte Jamieson Greer findet, dass amerikanische Firmen auf dem Weltmarkt benachteiligt seien, wenn andere Länder zu wenig gegen Zwangsarbeit unternehmen.Evan Vucci / REUTERSBis gestern Nacht schien es, als sei der Zollkonflikt der EU mit den USA einigermassen ausgestanden. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte dem Staatenbund bis zum Unabhängigkeitstag vom 4. Juli Zeit gegeben, die Zoll-Übereinkunft, die er mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im vergangenen Sommer abgeschlossen hatte, umsetzen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gleichzeitig machten das EU-Parlament und die Mitgliedsländer («Council») mit der Umsetzung vorwärts. Vor zwei Wochen einigten sich deren Vertreter, den USA die Zollfreiheit auf Industriegüter zuzugestehen, wie das in der Übereinkunft vom Sommer 2025 festgehalten ist.Ein KonkurrenzvorteilAber nun das: Das US Trade Representative's Office unter Jamieson Greer droht mit neuen Zöllen.Betroffen sind rund 60 Handelspartner. Die EU, aber auch Grossbritannien, Kanada, Mexiko oder Taiwan sollen eine Importabgabe von 10 Prozent entrichten. Die Schweiz und die meisten anderen wichtigen Handelspartner – etwa Japan, China, Südkorea oder Brasilien – hätten gemäss Greers Vorstellungen gar 12,5 Prozent zu zahlen.Der Handelsbeauftragte Greer begründet sein Vorgehen damit, dass diese Staaten nicht genug gegen Zwangsarbeit unternähmen. Sie würden immer noch Güter importieren, an deren Produktion Menschen beteiligt seien, welche die Arbeit nicht freiwillig verrichteten. Laut Greers Ansicht ist das nicht nur verwerflich, sondern stellt für die USA auch ein Konkurrenznachteil dar. Denn Zwangsarbeiter verdienen weniger als Mitarbeiter, die gesetzeskonform angestellt sind.In der EU gibt es ein Verordnung gegen ZwangsarbeitDie EU-Kommission hat den Vorwurf der USA am Mittwoch-Vormittag zurückgewiesen. Ende 2024 hätten das EU-Parlament und der Council eine Verordnung zur Zwangsarbeit angenommen: Sie schliesst Produkte, die auf Zwangsarbeit beruhen, vom Binnenmarkt aus. In Kraft ist die Verordnung allerdings noch nicht, das dürfte gemäss dem in der EU üblichen Prozedere Ende 2027 der Fall sein.Die EU weist die USA darüber hinaus daraufhin, dass man in der Handelsübereinkunft vereinbart habe, gemeinsam gegen Zwangsarbeit vorzugehen. Die Kommission erachtet die neueste Zolldrohung der USA daher als nicht gerechtfertigt.Bernd Lange, der Vorsitzende des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, sagt, jeder Zoll, der über die vor einem Jahr vereinbarten 15 Prozent hinausgehe, sei inakzeptabel. Die amerikanische Regierung suche offenbar nach einer Rechtsgrundlage für ihre «willkürliche Zollpolitik», die ein Gericht teilweise gestoppt habe. Nun nutze Trump jeden Vorwand, um Zölle zu rechtfertigen.Die Handelspartner können nun Stellung beziehenDie Zölle treten noch nicht sofort in Kraft. Die Handelspartner und andere betroffene Parteien haben rund einen Monat Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.Die von Greer angedrohten Abgaben basieren auf Section 301 des Handelsgesetzes von 1974. Darin hat der amerikanische Kongress dem Präsidenten die Macht übertragen, Zölle einzuführen, wenn andere Länder gewisse unfaire Handelspraktiken anwenden.Mehr folgt.Passend zum Artikel
Handelsstreit eskaliert: Trumps Zölle provozieren die EU
Die USA droht wegen Zwangsarbeit mit neuen Zöllen, die EU findet das inakzeptabel
Greer droht 10–12,5% Zölle auf 60 Partner (incl. EU, Taiwan) mit 30-Tage-Frist — Grund: Zwangsarbeit-Kontrolle. Procurement-Kosten steigen; Tech-Teams müssen Lieferkettenrisiken für US-Komponenten und Cloud neu quantifizieren und Ausweichstrategien prüfen.








