Die neuesten EntwicklungenZollverhandlungen Schweiz-USA: Schweiz verhandelt trotz neuen Zusatzzöllen weiterNach schwierigen Verhandlungen mit den USA liegen die US-Zölle auf Schweizer Importgüter seit Mitte November bei 15 Prozent. Obwohl der Supreme Court Trumps Zölle im Februar für unrechtmässig erklärte, strebt der Bundesrat ein Zollabkommen mit den USA an.NZZ-Redaktion05.06.2026, 12.18 Uhr5 LeseminutenAktualisiertPräsident Donald Trump sprach am 5. November im Oval Office mit hochrangigen Vertretern der Schweizer Wirtschaft.via Partners GroupDie neusten EntwicklungenDie Schweiz will trotz Trumps neuen Zusatzzöllen weiter verhandeln. Das teilt der Bundesrat am Freitag (5. 6.) mit. Trump hatte Mitte Woche gegen die Schweiz, die EU und zahlreiche andere Staaten neue Zölle erhoben – die Schweiz erhielt 12,5 Prozent. Dies basierenden auf Section 301 des «US Trade Act», der unfaire oder diskriminierenden Handelspraktiken adressiert. Trump wirft den von den neuen Zöllen betroffenen Ländern unter anderem vor, zu wenig gegen Zwangsarbeit zu unternehmen. Die betroffenen Länder haben Zeit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen, ehe die Zölle in Kraft treten. Die Schweiz weise die Vorwürfe vehement zurück, schreibt der Bundesrat am Freitag. Gleichzeitig werde der Bundesrat die Verhandlungen mit den USA über ein Handelsabkommen weiterführen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.InhaltsverzeichnisWorauf haben sich die Schweiz und die USA geeinigt?Wann hat die Schweiz ein definitives Zollabkommen?Der Supreme Court erklärt Trumps Zölle für unrechtmässig – was bedeutet das für die Schweiz?Warum hatte Trump die Schweiz im August derart abgestraft?Wie kam es überhaupt zu dem Deal im November?Worauf haben sich die Schweiz und die USA geeinigt?Monatelang haben sie sondiert und gefeilscht: Mitte November einigten sich die Mitglieder der Verhandlungsteams der Schweiz und der USA darauf, den amerikanischen Zusatzzoll auf Schweizer Importe von 39 auf 15 Prozent zu reduzieren. Die Einigung hielten sie in einer rechtlich unverbindlichen Absichtserklärung fest.Dafür musste die Schweiz den USA einiges anbieten. Das Kernelement des Deals ist das Versprechen, dass Schweizer Unternehmen bis Ende 2028 in den USA Direktinvestitionen im Umfang von 200 Milliarden Dollar tätigen. Hierzu hat die Schweiz den USA eine Liste von Investitionsversprechen überreicht.Der grösste Anteil entfällt laut Angaben des Bundes auf den Pharmasektor. Eine genaue Liste der geplanten Investitionen wurde nicht veröffentlicht, nur einige Vorhaben sind bekannt. Das Weisse Haus konkretisierte in einer Stellungnahme, dass von den «mindestens» 200 Milliarden Dollar 67 Milliarden Dollar schon 2026 investiert würden. Ausserdem habe sich die Schweiz verpflichtet, ihren Handel mit den USA auszugleichen – ein Versprechen, das die Schweiz so explizit nicht kommuniziert hat.Neben den Investitionen sichert die Schweiz den USA auch niedrigere Zölle für verschiedene amerikanische Produkte zu, etwa für Fisch, Meeresfrüchte und weitere Agrarprodukte. Was angesichts des hohen Zollschutzes für die Schweizer Landwirtschaft brisant ist.Wann hat die Schweiz ein definitives Zollabkommen?Die Einigung zwischen der Schweiz und den USA auf 15 Prozent Zölle für Importe in die USA trat im Dezember rückwirkend zum 15. November 2025 in Kraft. Abgeschlossen ist die Sache damit jedoch nicht. Die Verhandlungen zwischen der Schweiz und den USA laufen weiter.Bislang haben beide Seiten die Einigung erst in einer rechtlich unverbindlichen Absichtserklärung festgelegt. Die USA wollen so schnell wie möglich ein finales Abkommen vorliegen haben. Mitte Dezember setzten sie der Schweiz deshalb eine Deadline: Sollte bis Ende März 2026 kein neuer Vertrag ausgehandelt sein, würden die USA neue Zölle erwägen.Ende Februar erklärte allerdings der Supreme Court, das höchste Gericht der USA, Trumps Zölle für unrechtmässig. Als Reaktion leitete Trump sogenannte Section-301-Untersuchungen ein. Der Vorwurf: «unfaire oder diskriminierende Handelspraktiken». Der Bundesrat wies Anfang April die Kritikpunkte zurück und erklärte, die bilateralen Verhandlungen über ein Handelsabkommen fortzuführen. Die Zeit drängt: Die Section-301-Untersuchungen sollen bis zum 24. JuliDoch wenn es dem Seco gelingen sollte, bis dahin ein Abkommen mit den USA auszuhandeln, bleibt ein Problem: In der Schweiz hat das Volk das letzte Wort. Der Prozess dürfte sich also ohnehin verzögern.Der Supreme Court erklärt Trumps Zölle für unrechtmässig – was bedeutet das für die Schweiz?Mit seinen Zollankündigungen hat Donald Trump seine Befugnisse überschritten. Das hat der Supreme Court, das Oberste Gericht der USA, im Februar 2026 entschieden. Trump hatte sich bei seinen Zöllen auf ein Notstandsgesetz berufen. Es besagt, dass ein Präsident im Krisenfall Dekrete erlassen kann, ohne den Kongress anrufen zu müssen. Mit dem Entscheid fällt die gesetzliche Grundlage für die Zölle – bis wann Trump diese aufheben muss, legt das Urteil allerdings nicht fest.Donald Trump hat prompt auf das Urteil reagiert. Er werde Alternativen nutzen, mit denen er mehr Geld einnehmen werde, sagte Trump kurz nach dem Entscheid. Mittlerweile hat er gegen die 16 grössten Handelspartner sogenannte Section-301-Untersuchungen eingeleitet, die in neuen Zöllen münden könnten. Darunter befinde sich auch die Schweiz und die EU.Vom Bundesrat hiess es in den Tagen nach dem Supreme-Court-Entscheid, «vieles sei unklar». Sicher ist, dass der Bundesrat die Zollverhandlungen mit der Trump-Administration weiterführen will in den kommenden Wochen. Mit weiteren Ausführungen hielt sich Bundespräsident Guy Parmelin zurück.Einen Tag später erhöhte er die weltweiten Zölle auf fünfzehn Prozent. Trump will sich dafür auf ein Handelsgesetz aus dem Jahr 1974 stützen. Dieses erlaubt es, bis zu 150 Tage lang Zölle auf Importe zu erheben. Für einen längeren Zeitraum brauchte Trump die Zustimmung des US-Parlaments.Warum hatte Trump die Schweiz im August derart abgestraft?Die USA hatten am 1. August einen Basiszoll von 39 Prozent auf die meisten Schweizer Exporte verhängt. Das war deutlich höher als die Zölle für EU-Staaten, die 15 Prozent betragen, oder für Kanada, das mit 35 Prozent belegt wurde. Nur Laos, Myanmar, Syrien, Indien und Brasilien erhielten höhere Zölle.Der amerikanische Präsident Donald Trump begründete den Schritt mit dem Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber der Schweiz. Der Handelsbilanzüberschuss der Schweiz lag 2024 bei rund 39 Milliarden Franken (oder 48 Milliarden Dollar).Wie kam es überhaupt zu dem Deal im November?Im Juli hatte sich die Schweiz noch gut auf Kurs gesehen, ein Abkommen mit den USA innert der gesetzten Frist zu erzielen. Der Bundesrat führte mehrere Gespräche mit Vertretern der USA, reiste nach Washington. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter telefonierte zweimal persönlich mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump, zuletzt Ende Juli, kurz vor Ablauf der Frist – und zeigte sich bis zum Schluss zuversichtlich.Anfang August, am Schweizer Nationalfeiertag, wurde schlagartig klar: Die Schweiz, insbesondere Karin-Keller Sutter, hatte es nicht geschafft, mit ihren Ansichten zu Trump vorzudringen. Anders als die EU stand sie ohne Deal da.Die Schweiz signalisierte den USA sofort, weiterverhandeln zu wollen, und verzichtete auf Gegenzölle. Drei Monate später gelang dann der Durchbruch: Eine Schweizer Delegation unter Leitung von Bundesrat Guy Parmelin konnte Mitte November in Washington Gespräche mit Regierungsvertretern der USA führen. Am Tag danach wurde der neue Deal vorgestellt.Eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Einigung dürfte eine Schweizer Wirtschaftsdelegation gespielt haben, die sich eine Woche vor Parmelins Reise noch mit dem amerikanischen Präsidenten im Oval Office traf. Für den Deal mit den USA spannten Schweizer Wirtschaft und Politik zusammen. Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter spielte zuletzt nur noch eine Nebenrolle.Welche Rolle spielt die Schweiz als Arbeitgeberin und Investorin in den USA?Die Schweiz ist die sechstgrösste Auslandsinvestorin in den USA. Im Jahr 2023 beliefen sich die Schweizer Investitionen in den USA auf rund 352 Milliarden Dollar (285 Milliarden Franken). Das Geld stammt vor allem von grossen Schweizer Unternehmen wie Nestlé, Novartis, Roche, UBS, ABB und der Zurich Versicherung.Schweizer Firmen sorgen in den USA für über 675 000 Arbeitsplätze. Damit ist die Schweiz der siebtgrösste ausländische Arbeitgeber in den USA. Ausserdem zahlen Schweizer Firmen mit durchschnittlich 131 100 Dollar (106 000 Franken) pro Jahr die höchsten Löhne unter allen ausländischen Investoren.Die Arbeitsplätze entstehen vor allem in den Bereichen Technologie und Forschung, Lebensmittel und Konsumgüter, Energie und Umwelttechnik sowie Finanzen und Versicherungen. So betreibt etwa Roche mehrere grosse Forschungszentren in Kalifornien. Und Nestlé USA mit Sitz in Virginia ist einer der grössten Lebensmittelhersteller des Landes.37 KommentareRolf Jeker 08.08.2025Absurd wie man die Pharmabranche für etwas verantwortlich macht, weil sie erfolgreich ist. Um die Pharmapreiseeduktionen in den USA hat sich Trump zu kümmern -was er mit seinem Brief an die Pharmafirmen tat. Der BR hat hier schlicht keine Rolle. Oder er macht es wie bei der UBS- sie zu Hilfe rufen und dann auf sie einhauen wenn diese als Ausgleich die Preise in Europa/ Schweiz erhöhen. Trumpverständnis in allen Ehren aber bitte mit Mass und Anstand. Was immer beschlossen wird , Trump wird sich ja nicht daran halten-oder errinnern was er je gesagt hat. Georges Kern soll sich um die Uhrenbranche kümmern und seine Europafeindlichkeit ad Acta legen. Wäre ein bedeutend besserer Beitrag an den schweizerischen Wohlstand.Hartmut OLFFERS 08.08.2025Es ist die Schweizer Pharma-Industrie, die für ihre Produkte in den USA aus reiner Profitgier extrem hohe Preise aufrufen, die teils mehr als doppelt so hoch sind, ggü. den Preisen, die in anderen Ländern erzielt werden.
Trumps Zölle für die Schweiz: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Nach schwierigen Verhandlungen mit den USA liegen die US-Zölle auf Schweizer Importgüter seit Mitte November bei 15 Prozent. Obwohl der Supreme Court Trumps Zölle im Februar für unrechtmässig erklärte, strebt der Bundesrat ein Zollabkommen mit den USA an.













