Einen denkwürdigen Wahlsieg hat auf dem FDP-Parteitag am Samstag nicht nur Wolfgang Kubicki errungen, sondern auch Nadin Zaya – auch wenn sie sich wahrscheinlich mehr darüber freuen kann. Die 27-Jährige kandidierte für einen Beisitzerposten im FDP-Präsidium und wurde trotz zweier Gegenkandidaten direkt gewählt.Als Kind floh Zaya mit ihren Eltern aus dem Irak nach Deutschland, nachdem ihr Vater dort wegen seines christlichen Glaubens verhaftet worden war. Ihre Eltern hätten nach einem Land gesucht, in dem sie sicher seien und in dem ihre Tochter allein durch Bildung und Leistung alles werden kann. „Und sie waren sich sicher: Das wird Deutschland sein“, sagte Zaya in ihrer Rede, die die Delegierten im Saal spürbar mitriss.Die ersten Jahre in Deutschland lebte Zaya in einem Asylbewerberheim. Später studierte sie Jura, und absolviert derzeit ihr Rechtsreferendariat bei der Staatsanwaltschaft. Sie ist stolz auf ihren Aufstieg. „Wir sind ganz sicher nicht nach Deutschland gekommen, damit du faul bleibst.“ Das hätten ihr ihre Eltern immer wieder eingeschärft.Solange ich im Präsidium der FDP sitze, wird es keinen Rechtsruck geben.Nadin ZayaDas Aufstiegsversprechen war das zentrale Thema ihrer Rede. Die Menschen in Deutschland wollten den Aufstieg nicht geschenkt haben, sondern stolz darauf sein, sich ihn selbst erarbeitet zu haben, sagte sie. Eine Freundin sei kürzlich BAföG verweigert und stattdessen Wohngeld angeboten worden. So schnell würden Menschen, die einen Kredit wollen, zu „Sozialhilfeempfängern wider Willen“.Im Präsidium wird Zaya, die von der Jugendorganisation Junge Liberale für den Posten vorgeschlagen worden war, künftig den Kurs der FDP mitprägen können. Zu entscheiden gibt es angesichts des zunehmend offen ausgetragenen Richtungsstreits in der Partei genug. Dem „RND“ sagte sie nach ihrer Wahl, die FDP müsse jetzt die Themen Bildung, Digitalisierung, Menschen- und Bürgerrechte wieder stärker betonen.Mit diesen Themen könnte sie im FDP-Präsidium mit dem neuen Vorsitzenden anecken. Die 40 Prozent für Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht sie als „Erinnerung an Herrn Kubicki, auch diejenigen in der FDP zu hören, die nicht seine Meinung vertreten“. Dass die FDP in Zukunft nach rechts rücken werde, glaubt sie nicht. „Herr Kubicki und Herr Hagen arbeiten ja nicht allein in diesem Präsidium. Ich kann versprechen: Solange ich im Präsidium der FDP sitze, wird es keinen Rechtsruck geben.“