Die FDP sucht nach ihrer schweren Wahlniederlage und dem Ausscheiden aus dem Bundestag nach einem Neustart. Auf dem Bundesparteitag wählten die Delegierten Wolfgang Kubicki zum neuen Parteivorsitzenden – zugleich rückte mit der 27-jährigen Nadin Zaya eine Vertreterin der jungen Generation erstmals ins Präsidium der Partei auf. Die Rechtsreferendarin setzte sich dabei gegen zwei Gegenkandidaten durch und gilt als eines der Gesichter des liberalen Erneuerungsversuchs.

Zaya, die als Kind mit ihrer Familie aus dem Irak nach Deutschland kam, verbindet ihre persönliche Aufstiegsgeschichte mit einer grundsätzlichen Kritik an der deutschen Leistungs- und Sozialpolitik. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt sie, warum sich Arbeit aus ihrer Sicht immer weniger lohnt, weshalb der Staat zu paternalistisch ist, warum sie die AfD für eine Partei des „Abstiegs“ hält und weshalb die FDP dennoch mehr Verständnis für die Sorgen vieler Bürger zeigen müsste.

Frau Zaya, Sie sprechen oft über Ihren eigenen Aufstieg. Gleichzeitig sagen Sie, dass immer mehr junge Menschen trotz Ausbildung und Studium kaum noch vorankommen. Ist das Leistungsversprechen der Bundesrepublik kaputt?

Zumindest hat es an Glaubwürdigkeit verloren. Aufstieg sieht heute anders aus als noch vor 20 oder 30 Jahren. Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie trotz harter Arbeit nicht mehr das erreichen können, was für frühere Generationen selbstverständlich war.