Die Schweiz greift an der Heim-WM nach Gold – diese fünf Schlüsselfiguren tragen das TeamVon spielerischem Glanz bis zu kämpferischer Härte beherrscht das Schweizer Eishockey-Nationalteam 2026 alles. Das hat viel mit langjährigen Stammspielern zu tun – und mit dem neuen Coach.31.05.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenDer ruhende Pol auf dem Eis und in der Kabine: Leonardo Genoni.Claudio Thoma / KeystoneNeun Spiele, neun Siege. Und am Sonntagabend in der ausverkauften Swiss-Life-Arena ein Rendez-vous mit der Geschichte. Die Chance, sich mit dem ersten WM-Gold unvergesslich zu machen. Wer sind die Menschen, die diese mitreissende Nationalmannschaft tragen?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Roman Josi. Josi ist der beste Spieler, den dieses Land je gesehen hat. Der einzige Schweizer, der in der NHL eine individuelle Auszeichnung gewinnen konnte: 2020 wurde er als bester Verteidiger mit der Norris-Trophy ausgezeichnet. «Ein Ausserirdischer» sei er, sagte Larry Huras einmal über Josi, als der noch ein Teenager war, aber schon damals im SC Bern Eishockey von einem anderen Stern spielte.In der NHL war das jüngst nicht mehr immer der Fall, Verletzungen und das Alter – Josi wird am Montag 36 – setzten ihm zu. Die WM aber ist das perfekte Parkett für ihn: Hier hat er Raum und Zeit, seine beneidenswerte Kreativität auszuleben; schon nur seine Präsenz hat für das Schweizer Ensemble etwas fast Transformatives. Mit elf Skorerpunkten in den ersten acht Partien ist er der produktivste Verteidiger des Turniers. Eigentlich sollten sie ihm einen Flügel im Paul-Klee-Zentrum in der Berner Schosshalde widmen, denn seine Pässe, sein Offensivgeist sind eine besonders gelungene Form des Expressionismus.Josis Lebensmittelpunkt liegt seit einigen Jahren in Nashville, er lebt dort mit seiner amerikanischen Frau Ellie und seinen zwei Kindern; im Bibelgürtel der USA hat er in den letzten Jahren offenbar die Religion für sich entdeckt. Aber er hat sich viele Schweizer Eigenschaften bewahrt, vor allem: seine Umgänglichkeit. Der Heimat ist er auch mit Investments verbunden geblieben. Er ist Mitbesitzer des SC Bern. Und der Adelbodner Mineralquelle.Es ist fast unmöglich, Josi aus der Ruhe zu bringen, auf wie neben dem Eis. Er wirkt nicht krampfhaft ehrgeizig wie andere Schweizer Sportler, er spielt so, wie er ist: leichtfüssig und galant. Es ist möglich, dass das hier seine Abschiedsvorstellung aus der Nationalmannschaft ist. Er bestreitet bereits seine zehnte WM. Und sagte während der Vorrunde, dass er nicht wisse, ob er weiterhin zur Verfügung stehen werde: «Ich habe mir die Gedanken noch nicht gemacht. Ich komme immer extrem gerne zur Nationalmannschaft. Aber man ist schon lange weg», sagte er.Der beste Spieler, den die Schweiz je gesehen hat: Roman Josi.Claudio Thoma / KeystoneJosi vermisste die Familie, die wegen Ärger mit Dokumenten erst verspätet einreisen konnte. Ein Happy End am Sonntag dürfte die Chancen auf einen Abschied erhöhen, zumal sich auch ein Kreis schliesst: 2009 hatte er an der WM debütiert, auch damals im eigenen Land.Leonardo Genoni. Egal, von wo sie herunterfallen, vom Matterhorn oder vom Niesen: Ameisen überleben jeden Fall. Was dieser unnütze Fakt mit Leonardo Genoni zu tun hat? Nichts. Aber über die nimmermüde Schweizer Nummer 1 ist alles gesagt, jüngst adelte sogar die Torhüter-Ikone Dominik Hasek den Spieler. Und Doug Shedden, der kanadische Ex-Coach des EV Zug, sagte: «Wenn ich eine einzige Partie gewinnen müsste, sei es das Spiel sieben im Stanley-Cup-Final oder ein Olympia-Endspiel: Ich würde Genoni jedem anderen Goalie auf dieser Welt vorziehen. Seine Aura ist so etwas Spezielles.»Es ist sinnlos, diese Elogen als mässig begabter Schreiberling übertreffen zu wollen. Genoni, 38, ist der ruhende Pol dieser Mannschaft, auch in der Kabine. Kürzlich sagte er, er würde seine sieben mit Bern, Davos und Zug errungenen Titel gegen WM-Gold eintauschen, er scheint zu jenen Menschen zu gehören, aus denen Pfandleiher ihren Reichtum speisen. Der Sonntag könnte die Erkenntnis bringen, dass es den mässig attraktiven Kuhhandel gar nicht braucht.Jan Cadieux. Der Sohn der temperamentvollen Legende Paul-André Cadieux stieg knapp einen Monat vor dem WM-Start im Zuge des unseligen «Falls Fischer» unverhofft zum Cheftrainer auf. Und hat seine Aufgabe bisher bravourös gemeistert. Der Coach ist ein scharfsinniger Analytiker, unter dem das Nationalteam taktisch abgeklärter und pragmatischer auftritt als unter seinem Vorgänger Patrick Fischer.Cadieux, 46, war sich nach einer langen Spielerkarriere nicht zu schade, das Trainerhandwerk für karges Geld von der Pike auf zu erlernen: Er wirkte im Nachwuchs von Gottéron und dann beim Swiss-League-Prügelknaben Ticino Rockets, ehe er Genf/Servette übernahm. Auch dort war er zunächst Assistent, ehe er nach einer Entlassung befördert wurde.Scharfsinnig, abgeklärt, pragmatisch: Trainer Jan Cadieux.Claudio Thoma / Keystone2023 führte Cadieux Servette zum ersten Meistertitel der Klubgeschichte – für die Schweiz kann das eigentlich nur ein gutes Omen sein. Swiss Ice Hockey band ihn im Herbst eilig bis 2028, weil die Macher fürchteten, er könnte vom interessierten SC Bern abgeworben werden. Cadieux gilt als seriöser, fordernder Trainer, dem das Pathos von Fischer eher fremd ist. Aus Genf waren mit Fortdauer seines Wirkens auch kritische Stimmen zu hören – es sei ihm in der Stunde des Misserfolgs manchmal schwergefallen, seine Emotionen zu zügeln. In der Nationalmannschaft ist das heute kein Problem. Nicht nach einer bisher perfekten WM mit neun Siegen in neun Partien.Nico Hischier. Betrüblicherweise wird die Brockhaus-Enzyklopädie seit 2014 nicht mehr gedruckt. Sonst hätten die Verleger neben dem Begriff «mit gutem Beispiel vorangehen» Hischiers Konterfei abbilden können. Der 27-jährige Oberwalliser ist ein Leisetreter, sein Name, davon darf man ausgehen, wird nie in einer Sammlung der berühmtesten Sportlerzitate auftauchen.Einer der komplettesten Stürmer der Welt: Nico Hischier.Andreas Becker / KeystoneAber der Captain der New Jersey Devils lässt statt Worten Leistung für sich sprechen; aus dem Nummer-1-Draft von 2017 ist einer der komplettesten Stürmer der Welt geworden. Ein beflissener, tempofester, mannschaftsdienlicher Center, der jeden besser macht, der das Privileg hat, an seiner Seite aufzulaufen.Nino Niederreiter. Hinter dem fast schon klischeehaften Bilderbuchschweizer – er besucht gerne im Edelweisshemd Schwingfeste und übernachtet auf dem Campingplatz – liegt eine schwierige Zeit. Er spielte mit schmerzstillenden Spritzen, versuchte es mit einer Eigenbluttherapie, ehe er sein lädiertes Knie operieren lassen musste.«Wenn es so weitergeht, bin ich wahrscheinlich nicht mehr lange Spieler», sagte Niederreiter vor ein paar Tagen. Seine sportliche Bedeutung für das Team ist abnehmend, aber mit seinem Wesen und seiner Physis ist er nach wie vor unentbehrlich. Der Bündner wird im September 34, sein Vertrag bei den Winnipeg Jets läuft noch bis 2027.Niederreiter macht sich nicht nur um die eigene Zukunft Gedanken, sondern auch um jene des Schweizer Eishockeys. Schon 2024 formulierte er in der NZZ eine ziemlich schonungslose Kritik am Istzustand der Branche und sagte unter anderem, dass die Erfolge des Nationalteams vielschichtige Probleme kaschierten. Heute sagt er: «Nichts ist besser geworden. Ja, die National League ist ein funktionierendes Produkt, und die Stadien sind voll. Aber wie nachhaltig ist das? Die negativen Folgen der Erhöhung auf sechs spielberechtigte Ausländer machen sich jetzt schon bemerkbar.»Mit seinem Wesen und seiner Physis unentbehrlich: Nino Niederreiter.Andreas Becker / KeystoneDie Schweizer Nachwuchsprobleme sind bekannt, die Frage ist nicht, ob, sondern nur, wann sie sich auch im Nationalteam akzentuieren. Niederreiter ist zugutezuhalten, dass er aktiv etwas dagegen unternimmt: Wie Genoni ist er Aktionär und Verwaltungsrat seines Herzensklubs EHC Chur.Der Swiss-League-Verein setzt auf konsequente Nachwuchsförderung und war jüngst eine der positiven Überraschungen des Meisterschaftsbetriebs: Chur verzichtet konsequent auf den Einsatz ausländischer Spieler. Und erreichte trotzdem Platz 5. Chur fehlt die Infrastruktur, um in naher Zukunft erstmals seit 2002 wieder in der National League aufzusteigen. Aber Niederreiter, während des Gesprächs emotional merklich in Fahrt gekommen, sagt: «Es müsste einen direkten Auf- beziehungsweise Abstieg geben. Ajoie war jetzt fünf Mal hintereinander Letzter, und dies hatte keine Konsequenzen. Was soll das? Da könnte es der EHC Chur auch einmal versuchen.»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Goldjagd bei der WM: Wer ausser dem Captain Roman Josi trägt dieses Team?
Von spielerischem Glanz bis zu kämpferischer Härte beherrscht das Schweizer Eishockey-Nationalteam 2026 alles. Das hat viel mit langjährigen Stammspielern zu tun – und mit dem neuen Coach.














