«Wir haben mit Leonardo Genoni noch bis morgens um vier gefeiert»: Das Eishockey-Nationalteam wird im Zürcher Volkshaus frenetisch empfangenDie verpasste WM-Goldmedaille tut dem Stolz der Fans keinen Abbruch. Die Spieler sind enttäuscht, doch auch sie zeigen sich kämpferisch.Niels Bossert01.06.2026, 20.47 Uhr3 LeseminutenAktualisiertIm Volkshaus bejubeln die Fans die Leistung ihres Nationalteams bei der unvergesslichen Heim-WM – trotz verpasstem Gold.Claudio Thoma / KeystoneLeere Blicke oder glasige Augen sucht man in der Schlange vergeblich. Über 750 Fans des Eishockey-Nationalteams strömen ins Zürcher Volkshaus, sie sind in Schweizer Flaggen gehüllt, tragen Edelweisshemden oder die Trikots ihrer Helden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Schon Stunden vor dem Einlass reihen sie sich ein. Sie seien nicht gekommen, um Gold nachzutrauern, sondern um die Silbermedaille ihres Nationalteams zu feiern. Dass der Finne Konsta Helenius und sein Tor vor einigen Stunden den kollektiven Traum eines Landes platzen liess, ist nicht zu spüren.Die Fans verspüren Stolz, die Spieler vor allem LeereStolz. Das ist das vorherrschende Gefühl im Gespräch mit den Anhängern. Vereinzelt prosten sie sich mit Dosenbier zu. Die Equipe um Josi, Genoni und Hischier hat ihnen in den vergangenen Wochen ein Schweizer Sommermärchen auf Eis beschert.Es ist das Gefühl eines grossen Miteinanders, das Herr und Frau Schweizer so begeisterte. «Weltmeister der Herzen», nennt sie eine ältere Dame. Viele Fans heben hervor, dass die Schweiz trotz der Silbermedaille nun die Nummer 1 der Welt sei. Auch nach dem verlorenen Final sei das Team in die Bar ihres Hotels gekommen und habe mit den Fans gefeiert. «Leonardo Genoni war bis morgens um vier mit uns da», sagt eine Frau, die in der Schlange ganz vorne steht.Als die Medaillenfeier startet, geht die Stimme der SRF-Moderatorin Annette Fetscherin im tosenden Applaus und den «Schwiizer Nati»-Rufen im Theatersaal des Volkshauses unter. Die Techniker müssen ihre Stimme lauter stellen.Sobald die Spieler jedoch das Wort ergreifen, halten die Fans inne und lauschen gebannt. Fast komplett in Schwarz gekleidet stehen sie auf der Bühne, viele haben die Arme verschränkt, der Blick wirkt abwesend. Sie scheinen noch nicht so weit im Verarbeitungsprozess wie ihre Fans. Die «Leere kreist noch im Kopf», sagt Nino Niederreiter.Unisono sprechen Andrighetto, Niederreiter und Genoni von «Gänsehaut-Momenten», einem «unglaublichen Zusammenhalt der Mannschaft», dass man so etwas Schönes noch nie erlebt habe. Jan Cadieux, der nüchterne Analytiker, sagt, dass es einfach sei, dieses Team zu coachen. «Sie haben einen solchen Willen.» Eine Frau im Publikum ruft: «Ihr seid die Besten!»Ein schwieriger Geburtstag für Josi – doch dann grinst er dochAls Letztes wird Roman Josi interviewt. Besonders ihm ist die Enttäuschung nach der erneut verpassten Goldmedaille anzusehen. Er wurde zum besten Spieler der Weltmeisterschaft gekürt, doch am Ende: Silber. Zum fünften Mal seit 2013, zum dritten Mal in Folge. Die Frage nach dem Rücktritt liess er bisher offen.Es gibt schönere Tage, einen 36. Geburtstag zu feiern. Erst als sein Name skandiert wird und das Publikum ihm danach noch ein Ständchen singt, muss er grinsen.Roman Josi feiert am Montag seinen 36. Geburtstag. Eine Goldmedaille wäre wohl sein schönstes Geschenk gewesen.Claudio Thoma / KeystoneDas ganze Team habe immer an Gold geglaubt, «es war ein so grosser Siegeswillen da», sagt Josi. Wieso es nicht geklappt habe, sei schwer zu erklären, aber am Willen und dem Vertrauen in die Mannschaft habe es nicht gelegen. Nun müsse er sich erst «emotional erholen», sagt Josi. «Das wird sicher eine Weile gehen.»An Josi zeigt sich, dass die Zeit immer knapper wird für die goldene Eishockey-Generation der Schweiz, jene Medaille zu erringen, die ihr den Namen gibt. Aber noch geben sie sich kämpferisch. Leonardo Genoni sagt: «Irgendwann kommt der Kübel. Ganz sicher.» Niederreiter appelliert an seine Generation, die auch die nächste mitziehen muss für den Titel. Eines steht fest: Diese Equipe will auf keinen Fall «nur» als silberne Generation in Erinnerung bleiben.Zum Ende der Medaillenfeier singt nochmals ein ganzer Saal «W. Nuss vo Bümpliz», das Lied, das so bezeichnend für diese Heim-WM ist. Die Spieler schauen sich zuerst nur gegenseitig an. Dann stimmen doch einzelne mit ein.Passend zum Artikel
Eishockey WM 2026: Schweiz feiert Silber im Zürcher Volkshaus
Die verpasste WM-Goldmedaille tut dem Stolz der Fans keinen Abbruch. Die Spieler sind enttäuscht, doch auch sie zeigen sich kämpferisch.















