Wenn das «Döp-dö-dö-dö-dö-dö-dö-dö-döö» ausbleibt: Ein jähes Ende für das grosse Eishockey-FestWie bei einem Steigerungslauf hat sich die Euphorie rund ums Schweizer Nationalteam während der Heim-WM aufgebaut. Die Niederlage im Final ist ein bitterer Schlusspunkt.01.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEnttäuschtes Publikum, enttäuschte Spieler: Pius Suter nach der Finalniederlage.David W Cerny / REUTERSStille, das kann die Swiss Life Arena nicht so gut. Wäre die dröhnende Musik nicht gewesen, hätte es diesen Moment in der 11. Minute der Verlängerung aber gegeben, den seltenen Moment, in dem ein ganzes Stadion kollektiv still ist. Nicht diese gute Stille im Sport, die gespannte, atemlose wie vor einem 100-m-Final oder einem Matchball an einem Grand Slam. Sondern eine Stille, weil das Publikum sprachlos ist, stumm, geschockt, weil gerade ein Traum geplatzt ist.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein paar Minuten später, die Schweizer Spieler sitzen mit hängenden Köpfen auf der Bank oder dem Eis, raffen sich die 10 000 Menschen im Stadion nochmals auf und verabschieden ihr Team mit Standing Ovations und Gesängen.22 Schüsse aufs Tor haben dem Schweizer Nationalteam nicht gereicht, um im WM-Final ein Tor zu schiessen und zum ersten Mal Weltmeister zu werden; Finnland erzielte in der Verlängerung den Siegestreffer. Die Goldmedaille wäre nicht nur die Krönung der so erfolgreichen Schweizer Generation um Roman Josi gewesen – sondern auch der fulminante Schlusspunkt eines Turniers, das bei hochsommerlichen Temperaturen die Schweizerinnen und Schweizer ans Eis zu fesseln vermochte. Nach zwei Wochen des kollektiven Freudentaumels, des «Döp-dö-dö-dö-dö-dö-dö-dö-döö», der «W. Nuss vo Bümpliz», des gegenseitigen Hochschaukelns der Akteure auf dem Eis und auf den Rängen, landete man gemeinsam hart.Dabei war der Finaltag so gut gestartet wie die anderen in den vergangenen Wochen. Nach Roger Federer, Büne Huber und dem früheren Nationaltrainer Ralph Krueger verkündete der Skistar Marco Odermatt die Starting Six in der Garderobe. Die drei verletzten Nationalspieler Kevin Fiala, Jonas Siegenthaler und Andrea Glauser läuteten unter grossem Gejohle mit einer Kuhglocke das Spiel ein. Der Fussball-Nationaltrainer Murat Yakin übermittelte den «geile Sieche» per Videobotschaft, dass es nun so weit sei, «holt den Weltmeistertitel!».Auch der Bundespräsident Guy Parmelin war sicher, dass es die Schweiz an diesem Tag packen würde. Zumindest fast ganz sicher. «Ich bin sicher, dass sie gewinnen... wollen», sagte er vor dem Match gegenüber dem SRF mit einer kleinen Pause. Und schon am Samstagabend hatte die Schweizer Band Hecht bei ihrem Konzert im Hallenstadion vor 15 000 Menschen eines ihrer mitsing-tauglichen Lieder dem Eishockey-Nationalteam gewidmet: «Solang ech no Luft i minere Lunge ha, brönnt mi Chärn für dech liechterloh; du besch für immer Mon Amour.»Die Fanzonen konnten keine Fans mehr aufnehmenDer Eishockey-Weltverband kriegte sich bei seiner Schlussbilanz vor Begeisterung über die vollen Stadien und Kassen kaum ein. 466 000 Zuschauer wurden an den 15 Wettkampftagen gezählt, 299 000 in Zürich, 167 000 in Freiburg, rund 250 000 Besucher kamen in die Fanzonen. Jene in Zürich-Altstetten in der Nähe des Stadions war am Samstag und am Sonntag zwischenzeitlich gesperrt, weil sie keine Menschen mehr aufnehmen konnte. «Das hat es meines Wissens noch nie gegeben», sagte Luc Tardif, der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes IIHF. «Das sagt alles.» Eine Stunde vor dem Match strömten die Menschen deswegen wieder weg vom Stadion, um noch rechtzeitig einen Fernseher zu erreichen.Das alles wirkte wie ein langes Atemholen für den grossen Schlusspunkt, ein Steigerungslauf in Euphorie. Tapfer kämpfte das erfolgsverwöhnte Publikum in der Arena für Stimmung, nicht gewohnt, dass es sich nicht dank einem Torspektakel in einen Rausch klatschen und singen konnte. Doch der Puck überquerte die Torlinie der Finnen nicht, wieder nicht, nie.Bei der Siegerzeremonie stopfte der Trainer Jan Cadieux seine Silbermedaille sofort in seine Hosentasche, nachdem er sie bekommen hatte. Silber!«C'est fou, c'est fou», singen Hecht in «Mon Amour».Passend zum Artikel