Zu den vielen Unterhaltungsaktionen bei dieser Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz gehört auch ein Fanduell. Während einer Unterbrechung werden auf dem Videowürfel Anhänger beider Teams eingeblendet, die etwas Besonderes anstellen sollen, der Rest der Halle kann dann abstimmen, wer Fan des Tages wird.Drei Spiele, drei Niederlagen, 2:11 ToreDas passte wunderbar zu dem, was da gerade auf dem Eis passierte. Die Deutschen mühten sich krampfhaft ab, die Schweizer lächelten einfach und fuhren einen haushohen Sieg ein. Fast wäre der sogar historisch geworden, das 6:0 bei der WM 1937 drohte als höchster Derbysieg abgelöst zu werden.Aber am Ende ließ der Titelkandidat beste Chancen ungenutzt, während Frederik Tiffels der Ehrentreffer zum 1:6 gelang. Jubeln wollte darüber natürlich niemand. Denn die deutsche Bilanz bei dieser 89. WM ist bislang verheerend: drei Spiele, drei Niederlagen, 2:11 Tore.Das Team des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ist auf dem letzten Platz der Gruppe A angekommen. Und setzt es an diesem Mittwoch (20.20 Uhr, live bei Pro Sieben und Magentasport) gegen die Amerikaner die nächste Niederlage, könnte das Minimalziel Viertelfinale bereits außer Reichweite sein – die letzten Gruppenspiele gegen Ungarn, Österreich und Großbritannien würden zum Schaulaufen werden.Aufbruchstimmung in Frust umgeschlagenDas wäre ein Jahr vor der Heim-WM der nächste schwere Dämpfer für den DEB, dessen Aushängeschild bereits bei der WM im Vorjahr und bei Olympia diesen Februar nicht ansatzweise den gestiegenen Ansprüchen genügte. Die Aufbruchstimmung, die vor nicht allzu langer Zeit um das Team herrschte, das bei Olympia 2018 und der WM 2023 jeweils ins Finale kam, ist nun endgültig in Frust umgeschlagen. Beim Publikum wie bei den Beteiligten selbst.Was alle fassungslos zurückließ: wie fragil das Gebilde ist. Denn bis zur 25. Minute hatte das DEB-Team seine bislang beste Turnierleistung gezeigt. Da sah es endlich so aus, als habe es seine bei Olympia vermisste Identität wieder gefunden, wirkte wacher und geradliniger als zuvor gegen Finnland (1:3) und Lettland (0:2).Fast wären die Deutschen zu Beginn des zweiten Drittels in Führung gegangen, doch Dominik Kahun traf in Überzahl nur den Pfosten, im selben Wechsel spielte Lukas Reichel einen riskanten Rückhandpass, die Schweizer fingen den Puck ab und konterten zum 1:0. Kurz später traf der fahrige Kai Wissmann vor dem eigenen Tor den Puck nicht richtig: 2:0. Und dann ging das „Kopfkino“ los, wie Kapitän Moritz Seider hinterher sagte, „wir sind völlig auseinandergefallen“. Nur 35 Sekunden später fiel das 3:0, bis Ende des zweiten Drittels stand es gar 5:0.„Wir sind unter die Räder gekommen“„Wir sind unter die Räder gekommen“, sagte auch Bundestrainer Harold Kreis, von dem selbst kein Impuls auszugehen schien. Keine Auszeit, kein Torwartwechsel, keine wütende Ansprache. Wie der Rest des Teams ließ er es über sich ergehen. Hätte Jonas Stettmer im deutschen Tor nicht mehrere starke Paraden gezeigt, die wie aufgedreht wirkenden Schweizer hätten gar zweistellig gewinnen können. Weil es bei den Deutschen nicht nur spielerisch an Qualität mangelt, sondern auch mental einiges im Argen zu liegen scheint. Dass nach den besten 25 Minuten des Turniers zwei Gegentore zum Systemabsturz reichen, lässt tief blicken.Die Mängelliste ist aber schon das ganze Turnier über lang: technische Schwächen, fehlendes Tempo, falsche Entscheidungen, harmlose Abschlüsse und katastrophale Special Teams. In neun Überzahlspielen gab es noch kein einziges Tor, in ihren sieben Unterzahlspielen aber bereits fünf Gegentreffer.Wie es dennoch gegen die Amerikaner gelingen kann? „Wir müssen einfach alles besser machen“, sagte Tiffels, „Powerplay, Unterzahlspiel, Aufbau, Passqualität.“ Dass das so schnell klappt, erwartet aber so gut wie niemand. Vielmehr droht diese WM zum Fiasko zu werden. Zumindest muss niemand mit dem Schlimmsten rechnen: Als Gastgeber der nächsten WM kann man nicht absteigen.
Eishockey-WM: Der Deutsche krampft, der Schweizer lächelt
Nach starkem Auftakt zerfällt die deutsche Auswahl beim 1:6 gegen die Schweiz in ihre Einzelteile. Eine weitere Niederlage würde das WM-Aus bedeuten. Als nächster Gegner warten ausgerechnet die USA.











