PfadnavigationHomePolitikDeutschlandFDP-ParteitagPlan für Strack-Zimmermanns Kandidatur bis zuletzt geheim gehaltenStand: 16:15 UhrLesedauer: 4 MinutenBeim Bundesparteitag der FDP kommt es überraschend zu einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz. Die Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann erklärte sich bereit, gegen Wolfgang Kubicki anzutreten.Statt einer erwartbaren Kür kam es zur Kampfabstimmung um den FDP-Parteivorsitz. Marie-Agnes Strack-Zimmermann forderte Wolfgang Kubicki heraus – möglich gemacht durch die Unterstützung von 33 Delegierten.Beim Bundesparteitag der FDP kam es überraschend zu einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz. Die Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann erklärte sich am Samstag bereit, gegen Wolfgang Kubicki anzutreten, der bislang der einzige Kandidat war. 33 Delegierte reichten schriftlich ihre Unterstützung für Strack-Zimmermanns Kandidatur ein – damit war laut FDP-Parteisatzung das Quorum für eine spontane Kandidatur auf dem Parteitag erfüllt.Der 74-jährige Kubicki begrüßte in einer ersten Reaktion die Gegenkandidatur. „Meine Danksagung geht an Marie-Agnes Strack-Zimmermann, weil ich froh darüber bin, dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt ins Geschirr gehen“, sagte er in seiner Bewerbungsrede für den Parteivorsitz.Kubicki gilt in der FDP als Rechtsliberaler, die 68-jährige Strack-Zimmermann steht eher für eine sozialliberale Ausrichtung und ist im Europaparlament Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Die beiden gelten parteiintern seit Langem als Kontrahenten. Die Abstimmung der Delegierten wird für Samstagnachmittag erwartet.Als Strack-Zimmermann nach Kubicki die Bühne betrat, waren Buh-Rufe zu hören. Sie wolle mit ihrer kurzfristigen Kandidatur ein Zeichen setzen für die linksliberaleren Stimmen in der FDP, betonte Strack-Zimmermann. In ihrer Rede wandte sie sich gegen Kulturkämpfe und Angriffe auf die „Brandmauer“ zur AfD. Außerdem kritisierte sie den designierten Generalsekretär Martin Hagen für Beiträge in den sozialen Medien, in denen dieser die Jungen Liberalen attackiert hatte. „Man macht sich nicht in dieser stillosen Weise über Parteikollegen lustig“, sagte sie. „Der Liberalismus bedeutet Respekt vor dem Anderen, Respekt vor dem Individuum, nicht nur in Sonntagsreden.“„Für all jene, die zwar nicht auf dem Absprung sind, mit dem neuen Ton aber doch noch sehr fremdeln, möchte ich heute ein Zeichen setzen“, sagte Strack-Zimmermann zur Begründung für ihre Kandidatur. „Ihr alle seid weiterhin willkommen. Wir brauchen euch alle, um die FDP wieder groß zu machen.“Strack-Zimmermann gab zu, dass ihre Kampfkandidatur der Geschlossenheit der FDP zunächst abträglich sein könnte. Es könne aber „keine Einigkeit auf einem faulen Burgfrieden“ entstehen, sagte sie.Sie wolle die FDP „zu einem Bollwerk in der Mitte“ machen – „gegen den Verdruss, gegen rechte und linke Populisten“, sagte sie und fügte hinzu: „Mir ist keine Konstellation im Bund oder in den Ländern bekannt, in der die FDP derzeit ernsthaft über die Frage debattieren müsste, wie sie es mit der AfD hält.“ Die FDP könne dadurch zwar „Applaus und das Schulterklopfen von reaktionären Stammtischen“ bekommen, gewählt werde sie aber deswegen nicht. Strack-Zimmermanns Rede wurde von starkem Beifall, aber zeitweise auch von Buh-Rufen und höhnischem Gelächter begleitet. Plan bis zuletzt geheimgehalten Kurz vor der Kandidatur beriet sich Strack-Zimmermann laut „Bild“ noch mit ihrem Büroleiter in einer dunklen Nische hinter der Bühne. Offenbar wurden hier die letzten Details besprochen. Das Kubicki-Lager bestätigte auf „Bild“-Nachfrage, dass man im Vorfeld nichts von Strack-Zimmermanns Kampfkandidatur wusste. Lesen Sie auchAuch für den Großteil der Delegierten kam die Kandidatur völlig unerwartet, das Lager von Strack-Zimmermann hat den Plan offenbar gut geheimgehalten. Auf dem Parteitag zeigten sich Delegierte verärgert. „Halten Sie es wirklich für zuträglich für die Geschlossenheit, hier so spontan wie das Kaninchen aus dem Hütchen zu kandidieren?“, fragte ein FDP-Mitglied. Außerdem fand er es beschämend, dass Strack-Zimmermann FDP-Politiker Hagen kritisiert hatte, der sich nun nicht verteidigen könne.Streit um die „Brandmauer“Kurz vor dem Parteitag war in der FDP ein Streit über den Umgang mit der AfD ausgebrochen. Martin Hagen, der designierte Generalsekretär unter Kubicki, hatte ein Ende der Ausgrenzung der AfD gefordert. „Der Versuch, die AfD durch Brandmauer und Ausgrenzung kleinzuhalten, ist offensichtlich gescheitert. Ich plädiere für einen anderen Umgang“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Der designierte Parteivize Henning Höne widersprach bei „Politico“. Der schleswig-holsteinische FDP-Vize Helmer Krane soll nach Informationen der WELT-Partnerpublikation „Politico“ unter einer möglichen Parteichefin Strack-Zimmermann das Amt des Generalsekretärs übernehmen. Krane gehört dem Landesvorstand der FDP Schleswig-Holstein an und gilt als enger Vertrauter des dortigen Landesvorsitzenden Christopher Vogt, der Wolfgang Kubicki für den Vorsitz vorschlug.Mit der personellen Neuaufstellung will die FDP aus der Krise kommen. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr verpasste sie den Wiedereinzug ins Parlament. Sie ist nur noch in sechs von 16 Landesparlamenten vertreten und ist lediglich noch an einer Landesregierung beteiligt, in Sachsen-Anhalt. Kubicki sah es als seine vordringlichste Aufgabe, die FDP bei der nächsten Wahl zurück in den Bundestag zu führen. Inhaltlich will der Parteitag mit Vorschlägen für die Belebung der Wirtschaft Zeichen setzen. Der Leitantrag des Bundesvorstands sieht unter anderem einen Vier-Stufen-Steuertarif, eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit sowie die Einführung von zwei Karenztagen für erkrankte Arbeitnehmer vor. coh mit dpa/AFP