Robert Habeck traut Wolfgang Kubicki nicht zu, die FDP wieder relevant zu machen. „Er wird die FDP nicht zu der Partei machen, die Deutschland braucht“, sagte der frühere Vizekanzler laut einer Vorabmeldung beim „Spiegel“-Spitzengespräch am Freitagabend in Berlin. An diesem Samstag wählt der FDP-Bundesparteitag eine neue Parteispitze. Einziger Kandidat für den Vorsitz ist der bisherige Vize Wolfgang Kubicki.Grundsätzlich sieht Habeck durchaus Bedarf für eine liberale Kraft in Deutschland. „Ich will einmal sagen, dass ich glaube, dass es eine liberale Kraft in Deutschland braucht, und die haben wir nicht“, zitiert der „Spiegel“ den Grünen-Politiker. Andere Parteien könnten diese Lücke nicht füllen – die FDP entwickle sich aber nicht in die richtige Richtung. „Ich sehe das mit großem Bedauern und großer Sorge“, sagte Habeck demnach. Die klaffende Lücke im deutschen Parteiensystem liege „nicht zwischen Union und AfD, sondern tatsächlich im Zentrum der Demokratie“.Kubickis trotziges Auftreten könnte kurzfristig Stimmen einbringen – „vielleicht ein paar Stimmen von der AfD zur FDP, vielleicht ein paar von der Union“, räumte Habeck laut „Spiegel“ ein. „Aber das ist nicht die liberale Kraft, die dieses Land braucht.“ Scheidender FDP-Chef teilt gegen Schwarz-Rot aus Der scheidende FDP-Parteichef Christian Dürr verabschiedete sich auf dem Parteitag am Samstag mit scharfer Kritik an der schwarz-roten Bundesregierung. Union und SPD betrieben eine „maßlose Schuldenpolitik“ und zeigten keinen Reformwillen, sagte Dürr in seiner Rede zur Eröffnung des Parteitags. „Nach nur einem Jahr schon unbeliebter zu sein als Olaf Scholz am Ende seiner Amtszeit, das muss man erst mal hinkriegen“, sagte er mit Blick auf Kanzler Friedrich Merz und dessen Vorgänger. Wolfgang Kubicki, designierter Parteivorsitzender der FDP, spricht mit dem zurückgetretenen Vorgänger Christian Dürr beim Bundesparteitag. © dpa/Michael Kappeler Er warf der Koalition „Mutlosigkeit“ vor und forderte: „Es ist unser Auftrag, eine Antwort auf den lähmenden Status quo der deutschen Politik zu sein. Von diesem lähmenden Status quo profitieren die Ränder – links und rechts.“Der frühere Fraktionschef Dürr war nach dem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl im Februar 2025 an die Parteispitze getreten. Ihm gelang es aber nicht, das Ruder herumzureißen. In diesem Jahr erlitt die FDP bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bittere Niederlagen. In beiden Ländern kam sie nicht mehr in den Landtag.Daraufhin traten Präsidium und Bundesvorstand zurück. Dürr wollte ursprünglich wieder für das Amt des Bundesvorsitzenden antreten. Er verzichtete aber darauf, als der bisherige Vize-Parteichef Kubicki seine Kandidatur ankündigte.Dürr sagte, er habe viel darüber nachgedacht, wo die Liberalen in den vergangenen Monaten noch mutiger, klarer und schneller hätten sein können. Er nannte dafür aber keine Beispiele und zeigte keinerlei Selbstkritik. Mit den Worten „Ich gehe heute aus einem Amt, meine Heimat bleibt die FDP“ verabschiedete sich Dürr, der für keinen Parteiposten mehr kandidiert. Die Delegierten zollten ihm stehend Beifall. (Tsp/dpa)
„Nicht die liberale Kraft, die dieses Land braucht“: Habeck rechnet mit der FDP ab
Der FDP-Parteitag wählt heute eine neue Führung. Der ehemalige Grünen-Chef Habeck warnt: Das reicht nicht, um die klaffende Lücke im deutschen Parteiensystem zu füllen.















