Vögel nutzen das Magnetfeld der Erde, um sich zu orientieren. Wie das genau funktioniert, war bislang unklar. Nun zeigt eine Studie: Tauben helfen dabei wohl weder ihre Schnäbel noch ihre Augen.

29.05.2026, 11.14 Uhr

Tauben bei der Großbaustelle Stuttgart 21

Seit Jahrzehnten erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie sich Tiere bei Dunkelheit orientieren – insbesondere auf den großen Wanderungen von Vögeln. Zwar ist längst sicher, dass Tiere sich nach dem Magnetfeld der Erde richten können. Bislang unklar war jedoch, wie sie das genau tun. Nun stellt eine deutsche Forschungsgruppe im Fachjournal »Science« für Tauben ein überraschendes Resultat vor.

Demnach sitzt der innere Kompass der Tiere weder im Gehirn noch im Auge oder im Schnabel, sondern wohl in der Leber. Dort gibt es spezielle Immunzellen – sogenannte Makrophagen –, die alte rote Blutkörperchen abbauen. Dabei reichern diese Zellen viel Eisen an, womit sie möglicherweise auf Magnetfelder reagieren können.»Wir hätten überhaupt nicht erwartet, dass Immunzellen wie Sensoren für Magnetfelder wirken«, sagt der Direktor des Instituts für Molekulare Medizin und Experimentelle Immunologie des Universitätsklinikums Bonn. »Unsere Ergebnisse enthüllen einen bisher unbekannten Mechanismus der magnetischen Wahrnehmung bei Tieren.« Doch es gibt auch konkurrierende Theorien: Ihnen zufolge könnten Vögel Magnetfelder durch lichtempfindliche Moleküle im Auge oder mithilfe winziger magnetischer Partikel im Schnabel wahrnehmen.