PfadnavigationHomePolitikDeutschlandDesignierter FDP-Chef„Hier ist der Eierarsch“ – Kubicki schildert kuriosen Anruf von MerzStand: 10:11 UhrLesedauer: 5 MinutenWolfgang Kubicki will FDP-Chef werdenQuelle: Michael Kappeler/dpaFDP-Politiker Wolfgang Kubicki hat erneut Friedrich Merz scharf attackiert. Der Kanzler wisse, was Deutschland in der Krise benötige, ließe aber genau das Gegenteil zu. Zugleich berichtet der designierte FDP-Chef von einem ungewöhnlichen Telefonat mit dem Kanzler.Der designierte FDP-Chef Wolfgang Kubicki hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf kritisiert und ihm mangelnde Führungsstärke vorgeworfen. Merz erkenne die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands, ziehe daraus aber nicht die notwendigen Konsequenzen. „Er weiß, worauf es ankommt und macht trotzdem und lässt trotzdem zu, dass das Gegenteil passiert“, sagte Kubicki im Podcast „Machtspiel“ der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ). Dass das Verhältnis zwischen beiden dennoch intakt sei, zeige eine ungewöhnliche Anekdote über einen Anruf des Kanzlers. So berichtete Kubicki, Merz habe ihn vor wenigen Wochen angerufen, nachdem bekannt geworden war, dass sein möglicher Gegenkandidat Henning Höne auf eine Kandidatur für den FDP-Vorsitz verzichtet hatte. Der CDU-Chef habe ihm bereits zur bevorstehenden Wahl gratulieren wollen. „Er hat mich angerufen, um mir schon mal zu gratulieren. Aber er hat sich gemeldet mit den Worten: ,Hier ist der Eierarsch'“, erzählte der 74-Jährige.Lesen Sie auchHintergrund ist eine frühere Äußerung des FDP-Politikers. Nachdem Merz nach dem Bundestags-Aus der Liberalen erklärt hatte, die FDP sei politisch „tot“, habe er spontan gedacht: „Du Eierarsch“, hatte Kubicki berichtet. Merz habe die Bemerkung später mit Humor aufgenommen.Trotz seiner Kritik betonte Kubicki, dass beide persönlich gut miteinander auskämen. „Ich kenne Friedrich Merz und ich mag ihn auch“, sagte er. Man begegne sich regelmäßig, „wir mögen uns eigentlich auch“. Umso weniger könne er die Politik des Kanzlers nachvollziehen. Merz halte „wirklich gelegentlich brillante Reden“, sagte Kubicki. „Ich kann das, was er tut, professionell nicht nachvollziehen.“Besonders scharf griff der FDP-Politiker die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bundesregierung an. Deutschland gehe wirtschaftlich „langsam, aber sicher wirklich in die Grütze“, während die Regierung über Steuererhöhungen diskutiere, neue Bürokratie schaffe und notwendige Reformen verschleppe. Merz wisse, was für den Wirtschaftsstandort Deutschland notwendig sei, setze sich in der Koalition aber nicht ausreichend durch.Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugenDie oft genannte Begründung, viele Vorhaben seien wegen des Koalitionspartners SPD nicht umsetzbar, lässt Kubicki nicht gelten. Wer Führungsanspruch erhebe, müsse diesen auch durchsetzen. „Wenn man den Mut nicht hat, wenn es darauf ankommt, wirklich das Land zu retten, den Mut nicht hat, mal die Machtfrage zu stellen, dann bringt man dem Land auch nichts“, sagte er.Als mögliche Alternative brachte Kubicki sogar eine unionsgeführte Minderheitsregierung ins Spiel. Die SPD habe kaum eine realistische Machtoption außerhalb der Regierung und könne es sich deshalb schwer leisten, zentrale Reformvorhaben dauerhaft zu blockieren. Die Union müsse diese Position aus seiner Sicht deutlich selbstbewusster nutzen. „Die SPD ist dann komplett verloren“, sagte Kubicki. Wer das Land verändern wolle, müsse bereit sein, politische Risiken einzugehen.Generell sieht Kubicki Deutschland auf einem problematischen Kurs. „Deutschland ist mittlerweile auf dem Weg, ein Lost State zu werden und die Lebensfreude wird einem hier langsam genommen“, sagte er. Viele Menschen hätten Angst vor Wohlstandsverlust, Überforderung durch Migration und einer Einschränkung der Meinungsfreiheit. Kubicki beklagte zudem einen zunehmenden Verlust an persönlicher Freiheit in Deutschland. Es gäbe genug Leute, „denen der Staat auf den Sack geht, weil er sich in alle Lebensbereiche einmischt“. „Sie wollen sich auch nicht dafür schämen, dass sie gerne nach Mallorca in den Urlaub fliegen.“Lesen Sie auchMit Blick auf die FDP kündigte Kubicki an, die Partei nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag wieder zu einer relevanten politischen Kraft machen zu wollen. Große Chancen sieht er dabei vor allem in Ostdeutschland. Dort seien die Parteibindungen schwächer als im Westen, politische Stimmungen könnten sich schneller verändern. Zwischen Union, Linken und AfD brauche es einen „starken Block freiheitlich gesinnter Kräfte“. Kubicki: „Die Brandmauer-Diskussion macht die AfD momentan stark“Die aktuelle Strategie der Union gegenüber der AfD hält Kubicki für einen Fehler. Nicht die AfD selbst sei derzeit der Hauptgrund für ihren Erfolg, sondern ihre politischen Gegner. „Die Brandmauer-Diskussion, die Union macht, macht die AfD momentan stark. Nicht die AfD sich selbst“, sagte er. Es fielen schließlich nicht „urplötzlich lauter Neonazis vom Himmel“, sondern viele Menschen seien frustriert über die Politik der etablierten Parteien. Wenn sich daran nichts ändere, werde man erleben, „dass irgendwann die Brandmauer von der AfD zu den anderen besteht“.Auch für ein gemeinsames Abstimmungsverhalten mit der AfD zeigte sich Kubicki offen: „Wir werden unsere eigenen Entscheidungen, unsere Anträge in Parlamenten nicht davon abhängig machen, wer zustimmt, weil wir das, was wir wollen, für richtig und gut halten“, hatte er bereits RTL und ntv gesagt. „Und dann wird man sehen, wo Mehrheiten herkommen.“ Eine Regierungsbeteiligung der AfD lehnte er jedoch ab: „Keine Koalition mit der AfD und auch keine Unterstützung der AfD“, so Kubicki im Podcast.Vor allem die Sorgen vieler Ostdeutscher vor wirtschaftlichem Abstieg, Deindustrialisierung und gesellschaftlichen Veränderungen will Kubicki aufgreifen. Viele Menschen fürchteten einen erneuten tiefgreifenden Umbruch. „Die Sorge vor Wohlstandsverlust ist mit Händen zu greifen“, sagte Kubicki. Die Menschen im Osten hätten schließlich schon einmal miterlebt, dass ein System zusammenbrechen könne. Zudem hätten viele Menschen im Osten Angst vor Überforderung durch Migration und davor, dass die Versprechen von Freiheit und Selbstbestimmung nicht mehr eingelöst würden. Mit einer klaren liberalen Positionierung wolle er die FDP dort wieder stärker verankern und verlorene Wähler zurückgewinnen.kami
Wolfgang Kubicki: „Hier ist der Eierarsch“, soll sich Kanzler Merz am Telefonat gemeldet haben - WELT
FDP-Politiker Wolfgang Kubicki hat erneut Friedrich Merz scharf attackiert. Der Kanzler wisse, was Deutschland in der Krise benötige, ließe aber genau das Gegenteil zu. Zugleich berichtet der designierte FDP-Chef von einem ungewöhnlichen Telefonat mit dem Kanzler.















