Gegen Ende seiner Antwort schien Rudi Völler wieder einzufallen, dass die Frage für seinen Geschmack doch etwas frech gewesen war. Er, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes, war bei der Auftakt-Pressekonferenz seines Verbandes vor der Weltmeisterschaft gerade von einem Reporter darauf hingewiesen worden, dass nur zwei der siebenundzwanzig Nationalspieler bei der Ankunft in Herzogenaurach mit dem Auto stehen geblieben wären, um den dort wartenden Kindern eine Freude zu bereiten. Und er war dann gefragt worden, ob es in solchen Situationen eine Erwartungshaltung des DFB gebe. „Ja, das ist jetzt natürlich ´ne Fangfrage, ne“, sagte Völler.Egal, er redete erst einmal rudimäßig drauflos, aber nachdem er in Richtung seiner Spieler gesagt hatte, dass es schon „schön gewesen [wäre], wenn es ein paar mehr gewesen wären“, völlerte er den Reporter doch noch etwas an: „Dass es jetzt nur zwei waren – haben Sie gut gezählt, Kompliment, jaja, haben Sie schön gestanden da, gezählt, wa? Kompliment! Aber gut, ich verstehe die Frage, wir werden es weitergeben, klar.“ Werden sie wirklich? In dem Moment wirkte das eher so, als würde ein Mitarbeiter des Weißen Hauses versichern, er werde Donald Trump weitergeben, dass dieser ein Betrüger beim Golfen sei.Der Fußball hat die Politik ins Spiel gebrachtAch, diese Fußball-WM mit all ihren Fragen und Fangfragen. Und mittendrin an diesem Mittwoch der gute alte Rudi Völler, der es durchgehen lässt, dass man ihn den Gute-Laune-Onkel nennt. Deswegen lässt man ihm auch mehr als den meisten durchgehen. Etwa, wenn er in einem Satz sagt, dass es für Nationalspieler, die sich kritisch zu der anstehenden WM in Trumps Amerika äußern wollen, „keine Maulkörbe“ gebe, aber dann schon im übernächsten Satz sagt, dass das „bis jetzt nicht passiert“ sei und „jetzt normalerweise auch nicht mehr passieren [sollte]“. War das eine Fangantwort?Man darf dem deutschen und auch allen anderen Fußballverbänden allerdings nicht durchgehen lassen, wie sie vor dieser WM die Politik aus dem Spiel halten wollen, weil es der Fußball selbst war, der die Politik ins Spiel gebracht hat. Allerspätestens dadurch, dass der internationale Fußballverband FIFA einen Friedenspreis an Donald Trump verliehen hat. An den US-Präsidenten und WM-Gastgeber, dessen Politik die Lust an der Gewalt zugrunde liegt. Dem DFB-Sportdirektor muss man in dieser Diskussion aber auch eines zugutehalten: dass man ihm anders als dem DFB-Präsidenten freche Fragen stellen kann.Was Neuendorf sagt – und was nichtMitte dieses Monats ist Bernd Neuendorf, der wochenlang abgetaucht war, in der „Welt am Sonntag“ wieder aufgetaucht. Dort hat er ein Interview gegeben, das – so steht es im Vorspann – sein „einziges Interview vor der WM“ sein werde. Er sprach dort auch über den FIFA-Friedenspreis, wobei sich seine Kritik darauf beschränkte, dass die Kriterien für die Auswahl nicht transparent gemacht worden seien, an der Auswahl des Preisträgers hatte er immer noch nichts auszusetzen. Als er danach wieder abgetaucht ist, sind Fragen an der Oberfläche geblieben, etwa diese: Warum redete Neuendorf, der Mitglied im FIFA-Rat ist, über die FIFA, als wäre sie eine Organisation, mit der er und der DFB so viel zu tun hätten wie Greenpeace mit ExxonMobil?Es ist wirklich etwas kleinlich, zu zählen, wie viele Nationalspieler bei wartenden Kindern stehen bleiben. In einer anderen Sache sollte man in den nächsten Wochen aber Strichliste führen: wie oft Bernd Neuendorf sich den Fragen stellt, die zu beantworten zu seinen Aufgaben als Präsident gehören.