Man muss Bärbel Bas geradezu dankbar sein für ihre Offenheit. Sie hat der scheinbar endlosen Migrationsdebatte, in der schon alles längst gesagt schien, noch einmal neues Leben eingehaucht. Die SPD-Vorsitzende, Bundesarbeitsministerin und ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestages hat sicher nicht nur für ein versprengtes Häuflein sozialdemokratischer Funktionäre oder gar Wähler gesprochen, nein, ihre Rede auf dem „Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt“ dürfte vielen in jenem politischen Lager (und seinen staatlich finanzierten Vorfeldorganisationen) aus dem Herzen gesprochen haben, die Buntheit als Staatsziel begreifen.Bas wehrt sich gegen „dieses sogenannte Einheitsgrau“ – „ich will's sogar braun nennen“ – und plädierte dafür, Migration nicht nur als Fachkräftefrage zu begreifen, was zweifellos richtig ist. Migration sei auch nötig „für die Vielfalt in unserer Gesellschaft“.Deutschland war nie homogenDem liegt zunächst eine bemerkenswerte Vorstellung dieses unseres Landes zugrunde. Denn Deutschland war nie homogen. Als föderales Gebilde mit jahrhundertealten Traditionen verfügte es immer über starke landsmannschaftliche, konfessionelle, ganz generell kulturelle Unterschiede, ja Spannungen. Es gab auch immer schon Austausch und Migration.Was freilich alle Volksgruppen oder „Stämme“, wie es noch in der Präambel der Weimarer Reichsverfassung hieß („Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen ...“), verband, war die Zugehörigkeit zu Deutschland. Und mit dieser Zugehörigkeit ist eben auch klar: Alle teilen dieselben übergreifenden Werte und Grundsätze.Das ist gerade heute wichtiger denn je. Die Äußerung von Bärbel Bas bezieht sich ja nicht auf eine Art Nordkorea, das abgeschottet im eigenen Saft schmort, sondern auf einen recht beliebten, zentral gelegenen Wohlstandsstaat in einem europäischen Rechtsraum mit grundsätzlich offenen Grenzen.Deutschland ist, vor allem seit 2015, Zufluchtsort für zahlreiche Kriegsopfer und Verfolgte wie auch für Migration aus anderen Gründen wie der Suche nach einem besseren Leben gewesen, das man prinzipiell niemandem verwehren will, das aber nicht von jedem in Deutschland gelebt werden kann.Diese Migranten im weiteren Sinn kamen oft aus völlig anderen Kulturkreisen, auch mit übrigens bisweilen anderen Vorstellungen von Toleranz, Homosexualität und der Rolle der Frau, brachten Traumata von Krieg und Verfolgung sowie weitere Angehörige mit. Fehlende Vielfalt war schon vor 2015 kein Problem in Deutschland, man werfe nur einen Blick in die Städte, beileibe nicht nur in die großen.Das Problem Deutschlands ist nicht fehlende Vielfalt und Buntheit, sondern fehlende Verfassungstreue, ja mangelnder Patriotismus unter Migranten, die eben nicht – anders als in anderen Ländern – hierzulande besonders ausgewählt werden. Wenn nicht ein Mindestmaß der Menschen, die hier leben, die gemeinsamen Grundwerte teilen und dieses Land als das ihre betrachten, dann ist kein Staat zu machen. Dann ist irgendwann ein Kipppunkt erreicht.Hausgemachte MisereEin Teil dieser Misere ist hausgemacht: Denn wie sollen Einwanderer Deutschland (jenseits seiner Sozialleistungen) mögen, wenn es selbst die Deutschen nicht tun. Auch die Popularität der AfD ist unter diesem Gesichtspunkt mehr als bemerkenswert. In Programmatik und Personal zeigt sich, dass man zwar „Deutschland“ im Namen tragen, aber zugleich eine ziemlich antideutsche Politik machen kann.Die Kungelei mit dem Moskauer Regime, das jeden zivilisatorischen Grundsätzen Hohn spricht und auch Deutschland bedroht und auf mehrfache Weise schon hybrid angegriffen hat, ist das genaue Gegenteil von patriotisch. Und wie steht es um die Sorge um die deutsche Kultur, wenn zwar das Lernen deutscher Lyrik gefordert wird, dem Parteivorsitzenden aber keine einzige Zeile einfällt? Nicht nur die außen- und europapolitischen, sondern auch die Rentenpläne der Partei weisen den Weg in Isolation und Verarmung Deutschlands.Im Grunde ist das alles eine Chance für eine bürgerliche Politik im besten Sinn. In einem demokratischen, rechtsstaatlichen Deutschland kann jeder sein Glück finden und machen. Wer dazu gehören will, sollte sich mit seinen Grundsätzen und seinen Farben identifizieren. Es sind die Farben der Freiheit und des Rechts. Das muss auch vorgelebt werden und nicht als „Einheitsbraun“ diffamiert werden.Es ist außerdem zu befürchten, dass viele Migranten, die von deutschen Politikern vorrangig zum Zweck ins Land geholt werden, Deutschland bunter und vielfältiger zu machen, dieses Land eher belächeln – wenn nicht gar verachten werden.