Der Kreml stellt seine Ankündigung „systematischer Schläge“ gegen Kiew als Reaktion auf angebliche „terroristische“ Attacken der Ukraine gegen zivile Objekte in Russland dar. Zur Begründung der Drohungen führt das Außenministerium in Moskau sogar die Konventionen zum Schutz der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten im humanitären Völkerrecht ins Feld.So weit der übliche Zynismus des russischen Regimes, das seit Beginn seines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren systematisch zivile Ziele angreift: Wohnhäuser, Einkaufszentren, Krankenhäuser, Museen.Moskau zeigt SchwächenIn Wirklichkeit sind die Angriffe auf Kiew indes keine Vergeltung für angebliche oder tatsächliche zivile Opfer in Russland (die dürften dem Kreml so gleichgültig sein wie ukrainische Tote). Es handelt sich vielmehr um eine Reaktion darauf, dass es den ukrainischen Streitkräften derzeit gelingt, der Kriegsmaschinerie der Invasoren bis tief im russischen Hinterland empfindliche Schläge zu versetzen. Seit einigen Wochen zeigt Moskau Schwächen.Es hat eine gewisse militärische Logik, wenn Russland darauf mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen antwortet: In der Luftabwehr hat die Ukraine Lücken, die angesichts des Eigenbedarfs der USA bei Luftabwehrsystemen im Konflikt mit Iran noch wachsen können.Doch die Ankündigung der Angriffe und die Aufforderung an ausländische Diplomaten, Kiew zu verlassen, offenbaren, dass der Kreml vor allem einer politischen Logik folgt: Es ist die Logik von Terroristen, die ihre Ziele durch die Verbreitung von Schrecken erreichen wollen.