Der FC St. Gallen steht nach dem Cup-Sieg so erfolgreich und stabil da wie lange nicht mehr – und zerfleischt sich trotzdem selbstVier Verwaltungsräte des FC St. Gallen sollen schon in wenigen Wochen zurücktreten, und auch der Präsident Matthias Hüppi könnte ausgebootet werden. Verantwortlich dafür sind Teile des Aktionariats.26.05.2026, 10.37 Uhr4 LeseminutenMatthias Hüppi erlebt den grössten Erfolg als Präsident des FC St. Gallen – doch nun könnte es zur Palastrevolution kommen.Gian Ehrenzeller / KeystoneDie St. Galler Innenstadt riecht am Montagmittag noch nach abgestandenem Bier. Reinigungskräfte wischen die letzten Spuren der vergangenen Nacht weg, 50 000 haben auf und um den Marktplatz den Cup-Sieg des FC St. Gallen gefeiert. Für den Fussballklub, der längst weit über die Kantonshauptstadt hinausstrahlt, war es der erste Titelgewinn seit der Meisterschaft 2000.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Trotz der sportlichen Euphorie herrscht in der Ostschweiz Katerstimmung. Verantwortlich dafür ist weniger die Cup-Sause als vielmehr die Vorgänge in der Klubführung, die rund um den Cup-Final in Bern eskaliert sind. Das «St. Galler Tagblatt» berichtete am späten Montagabend von einem grossen Umbruch im Verwaltungsrat.Der Finanzchef Christoph Hammer, der Mitte-Ständerat Benedikt Würth sowie zwei weitere Mitglieder würden per Ende Juni ausserordentlich aus dem Gremium ausscheiden. Dem Präsidenten Matthias Hüppi liege zwar ein Angebot zur Verlängerung des Vertrags vor, er habe darauf aber noch nicht reagiert und werde den Klub ebenfalls bald verlassen.Übernehmen soll das Präsidium der ehemalige St. Galler Bildungsdirektor, der frühere SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker. Anders als die anderen Mitglieder des Verwaltungsrates würde er allerdings an der ordentlichen Generalversammlung im kommenden Herbst gewählt; für die Ersatzwahl des zurücktretenden Quartetts wird es wohl eine ausserordentliche GV geben. Unter anderem soll der soeben zurückgetretene Goalie des FC Basel, Marwin Hitz, Einsitz in den Verwaltungsrat nehmen. Kölliker bestätigte am Dienstagmorgen gegenüber der NZZ, sich für das Amt zur Verfügung zu stellen.Grossaktionäre planen die grosse RochadeDie FC St. Gallen Event AG organisiert die Heimspiele des Klubs, kümmert sich um die Vermarktung des Vereins – und finanziert damit unter anderem den Betrieb der Profimannschaft. Die Event AG gehört acht Aktionären. Es sind Unternehmer aus der Region, aus der Immobilienbranche und der Industrie. Teile dieser Aktionäre planen nun die Palastrevolution gegen den bisherigen Verwaltungsrat.Begonnen hat diese bereits im vergangenen Herbst, als auf Druck dieser Aktionäre der Immobilienunternehmer Patrick Thoma in den Verwaltungsrat gewählt wurde. Die Wahl dürfte dem Präsidenten Hüppi missfallen sein, weil er sich um die Unabhängigkeit des Verwaltungsrates sorgte. Die Grossaktionäre monierten, das Fanionteam sei zu teuer und die Heimspiele im Stadion würden zu wenig effektiv vermarktet; je nach Lesart kann Thoma als «Aufpasser» in Diensten des Aktionariats im bisherigen Verwaltungsrat gesehen werden. Thoma und Kölliker, der bald Klubpräsident werden könnte, haben am Sonntag zusammen den Cup-Final in Bern besucht.Hüppi, der ehemalige SRF-Sportmoderator, brachte die Sache ebendort nach dem 3:0-Sieg im Cup-Final gegen Stade Lausanne-Ouchy an die Öffentlichkeit. Im Interview mit seinem ehemaligen Arbeitgeber sagte Hüppi, es seien verschiedene Kräfte am Werk und es sei unvorstellbar, dass in der erfolgreichsten Phase des Klubs nicht alle geschlossen hinter dem Verein stünden. Für ihn persönlich seien es «ultraharte Wochen und Monate gewesen».Vor allem Kölliker und Thoma sollen gross träumenDer 68-jährige Hüppi hat das Präsidium im FCSG vor achteinhalb Jahren übernommen. Damals war der Klub geprägt von vielen Wechseln in der Vereinsführung und einer sportlichen Misere. Und immer wieder gab es finanzielle Probleme. Hüppi und seine Mitstreiter haben es geschafft, den Verein zu stabilisieren; heute gilt der FC St. Gallen als einer der finanziell gesündesten Fussballklubs der Super League.Gewissen Kreisen im Aktionariat dürfte das nicht genügen. Ihr Ziel soll dem Vernehmen nach eine «Vorwärtsstrategie» sein, mit der der Klub mittelfristig unter den Top drei der Super League etabliert werden soll. Davon sollen vor allem der Verwaltungsrat Thoma sowie Kölliker träumen. Die beiden wollen obendrein einen privat finanzierten polysportiven Sportpark, ein «Magglingen der Ostschweiz», im Umfeld des Stadions des FC St. Gallen bauen. Stadt und Kanton haben die Planung für das «Sportfeld Ostschweiz» im vergangenen Jahr zwar gestoppt, die Pläne sollen als private Initiative allerdings weiterverfolgt werden.Das Zerwürfnis hat in der Ostschweiz auch eine politische Komponente. Hüppi, ein Neffe des 2008 verstorbenen Altbundesrates Kurt Furgler, und der Mitte-Ständerat Würth gelten als Vertreter der in St. Gallen einst so mächtigen ehemaligen CVP. Kölliker, aber auch der Grossaktionär Roland Gutjahr, der Vater der Thurgauer Nationalrätin Diana Gutjahr, gehören SVP-Kreisen an. So wie auch Martina Wüthrich, eine Anwältin aus Weinfelden, die neu in den Verwaltungsrat gewählt werden soll. Sie ist Partnerin der Kanzlei Muri Partner, so wie der Thurgauer SVP-Nationalrat Pascal Schmid. Der SVP-Ständerat Jakob Stark ist als Konsulent angestellt.Offenbar soll aber selbst das Aktionariat gespalten sein, was die Palastrevolution und die «Vorwärtsstrategie» anbelangt. Als treibende Kräfte gelten Gutjahr und Thoma. Am Nachmittag kommt es zu einer entscheidenden Sitzung der Aktionäre.Hüppi hat es in seiner Zeit als Präsident geschafft, den FC St. Gallen als eigentlichen FC Ostschweiz zu etablieren. Die Euphorie rund um den Cup-Sieg war riesig. Diese Stimmung droht nun zu kippen – gegen die Umsturzpläne dürfte es grossen Widerstand aus Publikumskreisen, aber auch von den Kleinaktionären des Klubs geben.1969, 2026: Der FC St. Gallen gewann am Pfingstsonntag erstmals nach 57 Jahren wieder den Schweizer Cup.Peter Klaunzer / KeystonePassend zum Artikel
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