Der bekannte Berliner Soziologe Andreas Reckwitz beschreibt moderne Gesellschaften als von Dauerkrisen geprägt. Digitalisierung, Migration, Krieg, wirtschaftliche Unsicherheit und Einsamkeit führen gegenwärtig zu großen Verlustängsten. Viele Menschen hätten das Gefühl, „den Halt zu verlieren“. Dadurch wachse die Sehnsucht nach Ordnung, Identität und Verlässlichkeit.

Die Bürger sehnen sich nach Orientierung. Nach Werten, die ihnen weder Politik noch Wirtschaft oder Kirche und häufig auch das private Umfeld nicht mehr geben. Häufig, so sagt es Reckwitz, seien es auch Wünsche vieler Menschen nach kultureller Orientierung und nach der Begrenzung gesellschaftlicher Überforderung.

Konservatives Denken ist nicht primär rückwärtsgewandt

Nun sind das Suchen und Finden des Lebenssinns immer individueller Natur. Aber es lohnt sich bei der momentanen bedrohlichen Lage in Deutschland, bei dieser politischen Unübersichtlichkeit, über ein klares politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Modell nachzudenken. Über eine Alternative, die nicht zur AfD führt und dennoch viele Menschen mitnehmen kann auf dem demokratischen Weg unserer Republik.

Ein „konservatives Manifest“ wäre ein solches Denkmodell. Das Konservative, so scheint es für Millionen von Bürgern zu sein, ist in der derzeitigen Union nicht mehr aufgehoben. Die desaströsen Umfrageergebnisse sind ein alarmierender Ausdruck dieses Verdrusses von Menschen, die ursprünglich konservativ auf Bewahrung und Erhalt ausgerichtet sind. Konservatives Denken muss keineswegs rückwärtsgewandt sein, sondern kann vielmehr einen auf jahrzehntelanger Erfahrung basierenden, dringend notwendigen Impuls für unser Land bedeuten.