Publizist Welzer: »Das ist ja ein ziemlich exklusiver Hype«

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SPIEGEL: Herr Welzer, kommt die digitale Datenbank zur NSDAP-Mitgliedschaft nicht mindestens 80 Jahre zu spät?Welzer: Erstens ist sie nun nach 80 Jahren erst einmal da. Zweitens hat das, was wir die »deutsche Erinnerungskultur« nennen, wahrscheinlich deshalb so funktioniert, wie es funktioniert hat, weil vieles offengeblieben ist. Das Nebulöse ermöglichte uns eine Aneignung von Geschichte, in der wir uns das Offene selbst ausmalen konnten.

SPIEGEL: Also auch die Frage, ob es in der eigenen Familie schuldhafte Verstrickungen gab?Welzer: Kurioserweise stellte sich die oft gar nicht. Davon handelte auch unsere Studie.SPIEGEL: Im 2002 veröffentlichten Forschungsprojekt »Opa war kein Nazi« haben sie sich mit dem Nationalsozialismus im Familiengedächtnis beschäftigt.Welzer: Dabei haben wir herausgefunden, dass sich viele Menschen ihren Opa neu erfunden haben – als widerständig, als Dissident oder gar als Helfer und Retter. Obwohl Opa und Oma in ihren eigenen Selbsterzählungen gar kein Interesse daran hatten, sich als sonderlich heldenhaft oder edel zu präsentieren, manchmal präsentierten sie sich sogar als Antisemiten. Daraus haben wir gefolgert, dass der Geschichtsunterricht sehr gut funktioniert hat.