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SPIEGEL: Herr Kessler, mit der Suchmaschine des SPIEGEL lässt sich seit einiger Zeit schnell und relativ sicher herausfinden, ob jemand der NSDAP angehörte. Was raten Sie Menschen, die auf eine unbequeme Information stoßen und diese in ihren Familien erstmals ansprechen möchten?

Kessler: Zunächst sollten sie sich bewusst machen, dass es einen Grund dafür geben könnte, wenn jemand darüber bisher nicht gesprochen hat. Wer mit sich und seiner Vergangenheit im Reinen ist, kann darüber reden, auch spontan. Opa hat wahrscheinlich immer gern davon erzählt, wie er früher an Autos herumgeschraubt hat, aber nie vom Zweiten Weltkrieg. Es kann sein, dass die Vergangenheit schmerzhaft und entsprechend tief vergraben ist. So etwas anzusprechen, erfordert enormes Feingefühl. Ich würde dazu raten, nicht zu sehr zu bohren und lockerzulassen, wenn man merkt, dass das Gespräch stockt.

Klinikum Fulda

Henrik Kessler, 50, ist Professor der Universität Marburg und Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Fulda. Er arbeitet therapeutisch mit Menschen, die unter belastenden Erfahrungen leiden. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich zudem mit der Frage, wie Erinnerungen entstehen, wie sie sich mit der Zeit verändern und warum wir Erlebnisse verdrängen.