„Péter, mein Freund, wir sind alle bewegt“, sagt Polens Ministerpräsident Donald Tusk am Mittwoch in Warschau an seinen ungarischen Amtskollegen Péter Magyar gerichtet. „Ich mag keine emotionalen Worte, aber dein historischer Sieg bedeutet nicht nur die Rückkehr Ungarns nach Europa und zu Ehrlichkeit, sondern er ist auch ein Hoffnungszeichen, dass Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Anstand nicht verloren sind.“Für Magyar war es der erste Staatsbesuch im neuen Amt. Am Dienstagabend war er mit zahlreichen Ministern per Linienflug in Krakau angekommen, wo er den Wawel, den einstigen Sitz der polnischen Könige, besuchte sowie Grzegorz Ryś traf, den Krakauer Erzbischof und ein Amtsnachfolger des späteren Papstes Johannes Pauls II., der zuvor ebenfalls Erzbischof in Krakau gewesen war. Der einstige Papst sei ein großes Vorbild für ihn, sagte Magyar. „Seine Worte ‚Habt keine Angst‘ habe ich schon oft benutzt.“Auf der gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Treffen mit Tusk in Warschau sagte Magyar, dass Polen stärker denn je sei und er hoffe, dass auch Ungarn bald viel stärker sein werde. Beide Politiker seien sich einig, dass Europa nicht nur in diesen Zeiten stark, wettbewerbsfähig und selbstbewusst sein müsse. Das war zugleich eine deutliche Distanzierung von den Regierungen Viktor Orbáns und der polnischen PiS, die gegen das vereinte Europa agitiert hatten. „Wir wissen beide sehr gut, dass man jedes Übel besiegen kann, wenn man ein Herz hat und an das eigene Volk glaubt“, sagte Tusk, und Magyar nickte.Frischer Wind für VisegrádTusk kündigte an, dass Ungarn und Polen künftig bei der Energiesicherheit zusammenarbeiten werden. Ungarns Abhängigkeit von russischem Öl und Gas war einer der Gründe für Orbáns Liebedienerei gegenüber Putin. Tusk sagte, dass auch Polen einst zu 90 Prozent von russischen Lieferungen abhängig und damit nicht souverän gewesen sei.Heute sei Polen in dieser Hinsicht „völlig unabhängig“ und habe „vielfältige Handlungsmöglichkeiten“. Magyar betonte, die aus Polen, Ungarn, der Slowakei und der Tschechischen Republik bestehende Visegrád-Gruppe (V4) als Gegengewicht zu den großen EU-Ländern wiederzubeleben und schlug vor, sie auch auf andere Staaten wie Rumänien oder den Westbalkan auszuweiten.Darüber hinaus versicherte Magyar Polen, dass Ungarn „kein Zufluchtsort für gesuchte Straftäter“ sei. Dass der einstige polnische Justizminister Zbigniew Ziobro und sein damaliger Stellvertreter Marcin Romanowski, die in Polen wegen schwerer Straftaten gesucht werden, von Orbán in Ungarn „politisches Asyl“ erhielten, hatte die Beziehung zwischen beiden Ländern erheblich belastet. Magyar hatte im Wahlkampf die Auslieferung der beiden PiS-Politiker angekündigt. Doch konnten beide zuvor fliehen.Flucht über Mailand in die USAMagyar sagte, dass Ziobro nicht direkt aus Ungarn, sondern aus einem anderen Land in die USA geflogen sei. Medienberichten zufolge flog er von Mailand, was jedoch nur möglich war, weil gegen ihn kein internationaler Haftbefehl vorlag. Romanowski wird mit europäischem Haftbefehl gesucht. Geheimdienstinformationen zufolge soll er Ungarn in Richtung Serbien verlassen haben, so Magyar. Er sagte zu, eng mit Warschau zusammenzuarbeiten, um beide Politiker zurück nach Polen zu bringen.Am Nachmittag wurde Magyar zudem kurz von Polens Präsident Karol Nawrocki empfangen, der in Budapest für die Wahl Orbáns geworben hatte. Im Anschluss reiste Magyar weiter nach Danzig, wo er auf eigenen Wunsch mit dem einstigen polnischen Präsidenten und Solidarność-Anführer Lech Wałesa sprechen wollte.Tusk, der aus Danzig stammt, begleitete Magyar und lud die Einwohner zu einem „gemeinsamen Spaziergang mit Péter Magyar“ ein und fügte an, dass es Gelegenheit zu gratulieren geben werde. Am Donnerstagmorgen will Magyar dann von Warschau zu seinem zweiten Staatsbesuch nach Wien weiterreisen.
Péter Magyar in Warschau: Neustart für Ungarn und Polen
Ungarns neuer Regierungschef verspricht in Warschau einen Neustart der Beziehungen – und Hilfe bei der Suche nach dem geflohenen früheren Justizminister.












