Kein Land hat in den vergangenen Jahren so von den Fehlern anderer profitiert wie China. So musste Putin jetzt wieder als Juniorpartner nach Peking reisen. Je länger der Ukrainekrieg dauert, desto abhängiger wird er von Xi Jinping: wirtschaftlich, militärtechnisch, politisch sowieso.Die gemeinsame Front gegen den Westen, die Russland und China bilden, ist in Wirklichkeit eine zu chinesischen Bedingungen. Xi hat es nicht einmal nötig, Putins Drängen beim Bau einer neuen Gaspipeline schnell nachzugeben. Sie wäre wichtig für Russland, um den Rückgang des Europageschäfts aufzufangen.Trumps strategischer SchnitzerPutin kam unmittelbar nach Trump, der Amerikas Position sogar schon zweimal geschwächt hat. Das erste Mal war mit den Zöllen, denn auf die reagierte China äußerst effektiv mit der Ausfuhrbeschränkung von Seltenen Erden. Trumps devoter Auftritt am Hof des chinesischen Machthabers, sein Buhlen um Handel, zeigte, wie sehr Xi den neuen amerikanischen Protektionismus unterlaufen hat.Nun kommt der Irankrieg hinzu, der bisher größte strategische Schnitzer in Trumps zweiter Amtszeit. Er bindet die abdankende Weltmacht militärisch wieder stark im Nahen Osten, wahrscheinlich sogar über einen Friedensschluss hinaus. Von den wirtschaftlichen Auswirkungen ist auch China betroffen, dank seiner Autarkie-Strategie aber weniger als andere. Und in Asien, worauf sich die Amerikaner angeblich konzentrieren wollten, fährt der Zug geopolitisch nun wieder in Richtung China: Trump wackelt in der Taiwanfrage, Xi kann in Südostasien aushelfen.Europäer waren in jüngster Zeit ebenfalls in Peking, auch sie kommen vor allem als Bittsteller. Die EU-Staaten haben wichtige wirtschaftliche und militärische Entwicklungen verschlafen, was ihr Gewicht so geschmälert hat, dass ein deutscher Bundeskanzler heute seine Hoffnungen zur Beendigung eines Krieges in Europa auf ein Machtwort aus China setzt.