Nur eine Woche nach dem dreitägigen Besuch von US-Präsident Donald Trump hat der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping auch seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin mit rotem Teppich, militärischen Ehren und winkenden Kindern empfangen. Das Zeremoniell vor der Großen Halle des Volkes wirkte vom Ablauf her nahezu deckungsgleich – die politische Botschaft war es nicht.

Gerade in China sind protokollarische Details keine Nebensache, sondern Chiffren für Rang, Nähe und strategische Bedeutung. Für Trump wurde 2017 eigens die Verbotene Stadt abgesperrt. Xi führte den US-Präsidenten persönlich durch die kaiserliche Anlage. Als der britische Premier Keir Starmer im Januar nach Peking kam, fiel der Kontrast deutlich aus: Starmer wurde zwar von Xi empfangen, besuchte die Verbotene Stadt anschließend aber mit einem regulären Führer, während die Anlage für die Öffentlichkeit geöffnet blieb.

Putins Visite wurde auf einen einzigen Tag verkürzt und erst nach dem amerikanischen Besuch angesetzt. Zwar reiste der Kremlchef mit einer ähnlich hochrangigen Delegation an wie zuvor Trump, doch konkrete Ergebnisse blieben aus – vor allem bei jenen Punkten, die für Moskau zentral sind. Greifbare Fortschritte gab es hingegen dort, wo Peking eigene Interessen verfolgt. Während die Begegnung mit Trump ein Gipfel zweier Großmächte war, der Streitfragen wie Taiwan und Zölle ungelöst ließ, erschien Putin vor allem als Juniorpartner.