Schon mit der Abholung von Wladimir Putin am Flughafen setzte Chinas Machtapparat einen Kontrapunkt zum Besuch Donald Trumps. Während man den amerikanischen Präsidenten vergangene Woche vom symbolisch ranghöheren Vizepräsidenten Han Zheng abholen ließ, war es am Dienstagabend dann der einflussreichere Außenminister, das Politbüromitglied Wang Yi, der den russischen Herrscher zuerst in Peking empfing.Und während China und Amerika eine „konstruktive strategische Stabilität“ vereinbarten und eine dem chinesischen Geheimdienst nahestehende Denkfabrik dazu stolz ein „Patt“ und damit Augenhöhe zwischen den Weltmächten konstatierte, pries Staats- und Parteichef Xi Jinping am Mittwoch die Stärke seiner Beziehungen mit Russland: Diese habe „die höchste Stufe einer umfassenden strategischen Partnerschaft“ erreicht, so Xi im Staatsfernsehen.Somit konkretisierte sich, dass Xi mit seinem vorübergehenden Stabilitätsansatz gegenüber Amerika vor allem Zeit gewinnen möchte, während der Kurs weiterhin klar gegen den Westen gesetzt wird. In diesem Sinne trafen sich Xi und Putin zur strategischen Abstimmung in Peking.Der Systemkonflikt mit dem Westen geht weiterMit Blick auf Amerika fügte Xi am Mittwoch hinzu, dass China und Russland angesichts der „um sich greifenden einseitigen Hegemonie“ auch „ein gerechteres und vernünftigeres System globaler Ordnung aufbauen“ sollten. Für diesen Weg sollten sich Peking und Moskau auf „langfristige Strategien“ konzentrieren. Am Systemkonflikt gegen den Westen mit Amerika im Zentrum ändert sich damit nichts. Im Gegenteil: Es gelte, so Xi, „die historischen Chancen voll auszuschöpfen und das Fundament des gegenseitigen Vertrauens weiter zu festigen, die Zusammenarbeit zu vertiefen“.Direkt ging Xi dabei auf den Irankrieg ein. Ein baldiges Kriegsende werde dazu beitragen, Störungen der Energieversorgung, der Lieferketten und des Handels zu verringern. Dass Trump am Vorabend mit neuerlichen Angriffen auf Iran gedroht hatte, falls Teheran kein Abkommen zur Kriegsbeendigung unterzeichnet, griff der Chinese direkt auf. „Ein umfassendes Kriegsende duldet keinen Aufschub, die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen ist noch unerwünschter, und eine Fortsetzung der Verhandlungen ist besonders wichtig“, sagte Xi, der zusieht, wie sich die beiden größten Nuklearmächte der Erde in ihren Kriegen verstricken.Putin und Xi: Sie unterzeichneten rund vierzig Absichtsabkommen während des Besuchs.EPAGleichzeitig offenbarte Xi, dass die Sperrung der Straße von Hormus der Volksrepublik ebenfalls zusetzt, durch ausbleibende Energielieferungen und auch indirekt durch das Ablaufen der globalen Konjunktur und mithin eine mögliche Schwächung der chinesischen Exportwirtschaft. „Ein baldiges Ende des Konflikts würde dazu beitragen, die Stabilität der Energieversorgung, den reibungslosen Ablauf von Industrie- und Lieferketten sowie die internationale Handelsordnung zu verbessern“, formulierte es Xi.Ungleichgewicht zugunsten ChinasDie beiden Staatschefs unterzeichneten rund vierzig Absichtsabkommen zur strategischen Zusammenarbeit und zu rund vierzig weiteren Bereichen wie Wirtschaft und Handel. Auf ein von Putin lange gewünschtes Abkommen zum Bau einer weiteren Gaspipeline nach China aber ging Peking zumindest öffentlich zunächst nicht ein.Auch dieses Mal aber waren ranghohe Vertreter russischer Energiefirmen Teil der Delegation. Moskau hofft, dass der Irankrieg und ausbleibende Gaslieferungen vom Golf zu einem Umdenken Pekings zum Bau einer weiteren Pipeline führen. Bis zuletzt aber bestätigte China den Bau nicht, auch weil es sich nicht zu abhängig von einem Lieferanten machen will, der zudem noch in einer geschwächten Position ist.Der auch an Russland zehrende Ukrainekrieg verstärkt das Ungleichgewicht beider Mächte immer weiter zugunsten Chinas. Russland kann seinen Krieg nach Ansicht westlicher Beobachter nur mit finanzieller und materieller Unterstützung Chinas führen. Dazu zählt auch die Lieferung von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck, etwa zum Einbau in Drohnen, die auch militärisch genutzt werden. Abkommen über zivil-militärische Zusammenarbeit geben beide Seiten üblicherweise aber ohnehin nicht bekannt. In einer gemeinsamen Erklärung zum Gipfeltreffen sprachen sich Russland und China am Mittwoch abermals für eine „dauerhafte Lösung“ aus, die durch Verhandlungen und Dialog zu erreichen sei. In der Erklärung lobt Russland auch die „objektive und unvoreingenommene Haltung“ Pekings.Der nationalistische Blogger und ehemalige Journalist Hu Xijin schrieb zum Sinn des Treffens, die chinesisch-russische Partnerschaft habe die „strategische Widerstandsfähigkeit erheblich erhöht“ – das sei „ein Plus für die Entwicklung der Beziehungen zu den USA und dem Westen“.Zum Westen wird neben Amerika und Europa auch Japan gezählt. Mit Blick auf Tokio sagte Xi, beide Länder müssten „jeglichem Wiederaufleben des Militarismus entschieden entgegentreten“. Damit meint Peking üblicherweise die Wiederaufrüstung Japans, das sich von China, aber auch Russland und Nordkorea, zunehmend bedroht sieht.So wie Trump empfing Xi auch Putin in der Großen Halle des Volkes und am nebenan liegenden Tiananmen-Platz. Auch der russische Herrscher wurde von einer Kinderschar und mit 21 Schüssen Salut begrüßt. Am Abend sollte es noch zu einem vertrauten Teetrinken der beiden „Freunde“ kommen. Davon hoffte Putins außenpolitischer Berater Jurij Uschakow, es werde „möglichst lange dauern“, denn dieses Gespräch sei „eines der wichtigsten Ereignisse des Besuchs“. Oder in den Worten Putins am Mittwoch zu Xi: „Ein Tag ohne dich kommt mir vor, als wären drei Herbstmonate vergangen.“ Er hätte das auch einfacher ausdrücken können: Ich brauche dich.