„Hände waschen, Maske tragen, Händeschütteln vermeiden“: Seit Montag laufen in den Radiosendern in Ostkongo Aufklärungskampagnen über den jüngsten Ausbruch des Ebola-Virus. Wie lokale Medien berichten, wurden vielerorts in Schulen, auf Märkten und in Geschäften Handwaschstationen aufgestellt. Passanten, aber auch Motorradkuriere seien mit Gesichtsmasken zu sehen. Das Virus verbreitet sich nicht über die Luft, sondern über engen Körperkontakt.Preise für Desinfektionsmittel schießen in die HöheAllerdings müssten viele Bewohner improvisieren, hieß es in einem Bericht des Senders Radio Okapi. Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel seien knapp, die Preise seien in die Höhe geschossen, sodass sich viele Familien selbst einfache Schutzausrüstungen nicht leisten könnten. Humanitäre Organisationen sind besonders besorgt über die Ausbreitung des Virus in den Vertriebenenlagern um die Stadt Bunia, dem Zentrum des Ausbruchs, in denen Zehntausende Menschen untergebracht sind. Auf eine prekäre Lage lassen auch die Berichte über die Zustände in dem dortigen, völlig überbelegten Gefängnis schließen.Die kongolesische Regierung in Kinshasa hatte am Freitag den Ausbruch von Ebola offiziell bestätigt. Seitdem steigen die täglich gemeldeten Infektionszahlen rasant. Zuletzt meldete die WHO 51 bestätigte Infektionen, fast 600 Verdachtsfälle und 139 vermutete Todesfälle. In Uganda wurden zwei Verdachtsfälle bestätigt, es handelt sich um Reisende aus Kongo. Die Lage ist besonders schwierig, weil es sich um eine seltene Variante mit dem Namen Bundibugyo handelt, gegen die es derzeit keine Impfstoffe und Medikamente gibt.Impfstoffe gesuchtDie internationalen Bemühungen, den Ebola-Ausbruch einzudämmen, laufen derweil auf Hochtouren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Mittwoch mit, es gebe zwei Kandidaten für einen Impfstoff gegen die Variante, die aber noch nicht klinisch getestet wurden. Zudem liefen Untersuchungen, wann und wo der Ausbruch begonnen hat. Das Virus könne schon seit mehreren Monaten im Umlauf sein.WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus wies in dem Zusammenhang Kritik zurück, die Organisation habe nicht schnell genug reagiert. Die WHO ersetze nicht die Arbeit der nationalen Gesundheitsbehörden, sondern unterstütze diese. Die Lage in den betroffenen Gebieten sei „komplex“ angesichts intensiver Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen und dem Militär und Hunderttausender vertriebener Menschen in der Region. Darüber hinaus ähnelten die frühen Symptome anderen Krankheiten wie Malaria oder Typhus. „Es ist nicht so einfach“, sagte der WHO-Chef. In nahezu allen betroffenen Regionen seien WHO-Teams, weitere würden entsandt.Der amerikanische Außenminister Marco Rubio hatte der WHO am Dienstag in einer Pressekonferenz vorgeworfen, den Ebola-Ausbruch „leider ein bisschen spät“ identifiziert zu haben. Ein hochrangiger Mitarbeiter im Ministerium ergänzte, die Organisation habe den Ausbruch erst nach zehn Tagen bestätigt. „Wir reagieren jetzt seit vier Tagen darauf, es hätten auch schon 14 Tage sein können.“ US-Präsident Donald Trump hatte als eine seiner ersten Entscheidungen in seiner zweiten Amtszeit den Ausstieg aus der WHO bekannt gegeben, nachdem er ihr schwere Fehler während der Corona-Pandemie vorgeworfen hatte.Wie die WHO mitteilte, wurde sie am 5. Mai über den „Ausbruch einer unbekannten Krankheit mit hoher Sterblichkeit“ in der Provinz Ituri in Kongo informiert, am 14. Mai analysierte das Nationale Biomedizinische Institut in Kinshasa mehrere Blutproben, am 15. Mai bestätigten Laboranalysen die Bundibugyo-Variante. Einen Tag später deklarierte die WHO den Ausbruch als „internationalen Gesundheitsnotstand“.Hilfen nach der „America-First“-StrategieDie US-Regierung kündigte die Finanzierung von 50 Ebola-Behandlungszentren und anderen Interventionen an. In einer ersten Tranche würden 23 Millionen Dollar freigegeben. Die Hilfe erfolge im Rahmen des neuen bilateralen Gesundheitsabkommens mit der kongolesischen Regierung und sei im Sinne der „America First“-Gesundheitsstrategie. Darüber hinaus teilten die USA mit, keine ausländischen Staatsbürger mehr einreisen zu lassen, die sich in den vergangenen 21 Tagen in Kongo, Uganda oder in Südsudan aufgehalten haben. Zu den Verdachtsfällen gehört auch ein amerikanischer Arzt, der am Dienstag mit Ebola-Symptomen aus Kongo nach Deutschland geflogen wurde. Er wird in der Berliner Charité behandelt.Der bisher schlimmste Ebola-Ausbruch seit der Entdeckung des Virus in den Siebzigerjahren dauerte von 2014 bis 2016. In Westafrika, vor allem in Guinea, Sierra Leone und Liberia, wurden damals mehr als 28.000 Menschen infiziert, mehr als 11.000 Menschen starben.
Ebola-Ausbruch in Kongo: WHO und USA reagieren
In Kongo werden Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel knapp. Schon 139 Menschen sollen an der seltenen Ebola-Variante Bundibugyo gestorben sein, gegen die es bis jetzt weder Impfstoffe noch Medikamente gibt.












