PfadnavigationHomePolitikAuslandVorwahl der RepublikanerDonald Trump stellt seine Macht über die eigene Partei endgültig unter BeweisStand: 08:19 UhrLesedauer: 4 MinutenVerlor die Vorwahl deutlich gegen Trumps Favoriten: Thomas MassieQuelle: Getty Images via AFP/JON CHERRYZum dritten Mal binnen weniger Wochen verlieren Republikaner in parteiinternen Vorwahlen, weil sie sich gegen den US-Präsidenten gestellt hatten. Trumps jüngstes Opfer ist ein populärer Abgeordneter aus Kentucky.Donald Trump mag derzeit rekordverdächtig schlechte Umfragewerte haben. In seiner Partei aber besitzt der US-Präsident weiter unangefochtene Macht. Das stellte der Republikaner am Dienstagabend Ostküstenzeit ein weiteres Mal unter Beweis, als in Kentucky die Primaries seiner Partei für die Midterms im November ausgezählt waren. Keine zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale wurde Trumps Kandidat Ed Gallrein zum Sieger im 4. Kongresswahlbezirk erklärt, mit rund zehn Punkten Vorsprung. Diesem Sieg war nicht nur der teuerste Vorwahlkampf für das Repräsentantenhaus vorausgegangen. Umgerechnet rund 27 Millionen Euro waren vor allem in die Kampagne des bis dato unbekannten Republikaners Gallrein geflossen.Lesen Sie auchEs war zugleich eine der bittersten Attacken, die der Präsident je auf einen „Parteifreund“ gefahren hatte. Sein Kontrahent Thomas Massie hatte Kentucky seit fast 15 Jahren im US-Repräsentantenhaus vertreten. Im vergangenen Sommer aber war Massie in Trumps Fadenkreuz geraten. Zunächst, weil der konservativ-libertäre Abgeordnete aus Protest gegen das steigende Haushaltsdefizit und zunehmende Militärausgaben gegen Trumps sogenannte Big Beautiful Bill gestimmt hatte.Vollends zum Feind des US-Präsidenten machte sich Massie, als er sich im November 2025 als prominentester Republikaner neben Marjorie Taylor Greene lautstark für die Öffnung der Epstein-Akten einsetzte. Taylor Greene nahm freiwillig ihren Hut und verließ Washington, nun ist Massie ebenfalls draußen. Trump nennt Massie „schlechtesten Abgeordneten“ seiner Partei Seit Wochen hatte Trump Massie als „Vollidioten“ und „Widerling“ beschimpft, zumal Massie es auch noch gewagt hatte, dafür zu stimmen, die Kriegsvollmachten des Präsidenten hinsichtlich des Iran einzuschränken. „Tom Massie aus Kentucky, der schlechteste und unzuverlässigste republikanische Kongressabgeordnete in der Geschichte unseres Landes, ist eine noch größere Beleidigung für unsere Nation als Senator Bill Cassidy aus Louisiana, der heute Abend eine beispiellose Niederlage erlitt, indem ihm nicht einmal erlaubt wurde, in der republikanischen Vorwahl anzutreten“, schrieb Trump am gestrigen Wahltag auf seinem „Truth-Social“-Account.Lesen Sie auchDamit spielte Trump auf einen weiteren innerparteilichen Erzfeind an. Cassidy gehörte zu den sieben republikanischen Senatoren, die 2021 für eine Verurteilung Trumps wegen der „Anstiftung zum Aufruhr“ vor dem Sturm auf das Kapitol stimmten. Nun ist auch Cassidy der – in diesem Fall späten – Rache des „Make America Great Again“-Präsidenten zum Opfer gefallen. Lesen Sie auchSchon Anfang Mai hatte Trump „rotes Blut“ fließen lassen, damals Mal in Indiana. Dort verloren fünf Senatoren die Vorwahlen, gegen die Trump Wahlkampf gemacht hatte. Der Grund: Sie hatten zuvor gegen eine Neuziehung der Wahlbezirke gestimmt, die der Präsident mit Blick auf die Midterms im November hatte durchsetzen wollen. Die widerspenstigen Republikaner hatten das mit der Begründung getan, dieser Schritt sei im ohnehin roten Indiana exzessiv und unterminiere das Vertrauen in die Demokratie. Auch sie bezahlten ihren Widerstand mit ihrem Amt. Lesen Sie auchTrump feierte seine Wahlsiege am Dienstagabend beim „Congressional Picnic“, dem traditionellen Sommerfest des US-Kongresses im Park des Weißen Hauses. Reportern zufolge blieb der Präsident lang auf dem Fest und plauderte bei hochsommerlichen Temperaturen mit den Gästen. Thomas Massie ließ sich derweil ebenfalls feiern. „Es hat als Wahl begonnen und ist eine Bewegung geworden!“, erklärte der Abgeordnete nach Bekanntgabe des Ergebnisses vor seinen jubelnden Anhängern. „Warum bin ich im Moment hoffnungsvoll? Wir haben die jüngere Generation auf unserer Seite. Ihr seid Patrioten, und ihr werdet dieses Land erben. Ihr werdet es besser machen, und deshalb bin ich hoffnungsvoll. In diesem Land gibt es eine Sehnsucht nach jemandem, der nach den Prinzipien seiner Partei abstimmt.“Darüber werden die Wähler im November bei den wichtigen Midterms erneut entscheiden. Es ist keineswegs ausgeschlossen, dass Trumps Kalkül dann nicht mehr aufgeht. Politiker wie Massie stehen für einen republikanischen Flügel, der zunehmend Anhänger gewinnt – unter Wählern, die Kritik am Iran-Krieg, an der engen Allianz mit Israel, an kostspieligen Militäreinsätzen außerhalb der USA sowie an Trumps Umgang mit den Epstein-Akten teilen. Deren Anhänger könnten im November wenig motiviert sein, für Kandidaten des Präsidenten zu stimmen.Massie unterdrückte bei seiner Rede am Dienstagabend keine Seitenhiebe. Er wäre schon früher auf die Bühne gekommen, aber „ich musste erst meinen Konkurrenten anrufen, um meine Niederlage einzuräumen. Und es hat eine Weile gedauert, bis ich Ed Gallrein in Tel Aviv ans Telefon bekommen habe“, sagte Massie unter dem lauten Applaus seiner Unterstützer.Der Agentur Bloomberg zufolge standen Massies Herausforderer Gallrein umgerechnet rund 16,3 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Summe umfasst auch Mittel von zwei pro-israelischen „Super-PACs“, riesige Spendensammelmaschinen. Sie gaben zusammen mehr als neun Millionen Dollar aus, um Massie zu besiegen.