Thomas Massie bekommt Donald Trumps Rache zu spüren: einer der letzten republikanischen Nein-Sager verliert seinen Sitz im KongressDie Umfragewerte des US-Präsidenten sind im Keller. Doch die Macht über seine eigene Partei ist ungebrochen: Thomas Massie stellte sich im Kongress bei den Epstein-Files, dem Iran-Krieg und der Schuldenpolitik gegen Trump. Nun verlor er seine Vorwahl in Kentucky.20.05.2026, 08.04 Uhr4 LeseminutenNach 14 Jahren im Kongress verliert Thomas Massie sein Mandat in WashingtonCarolyn Kaster / APPräsident Donald Trump konnte sich im vergangenen Jahr fast immer auf die geschlossene Unterstützung seiner Partei im Kongress verlassen. Einer, der allerdings in verschiedenen Fragen wiederholt Nein zu Trump sagte, war Thomas Massie. Indem er und drei weitere republikanische Abgeordnete etwa mit den Demokraten zusammenarbeiteten, zwangen sie das Weisse Haus dazu, die Untersuchungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu veröffentlichen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Trump seinerseits wollte den Fall Epstein endlich vergessen machen. Es gab nie belastbare Hinweise, dass er in Epsteins Machenschaften involviert war. Aber Trump war ein enger Freund des Financiers und sein Name taucht oft in den Untersuchungsakten auf. Massies erfolgreiches Beharren auf einer Herausgabe der Epstein-Files gefiel dem Präsidenten deshalb nicht.Eine der teuersten Vorwahlen der GeschichteDer konservative Abgeordnete aus Kentucky legte sich aber auch in anderen Fragen mit Trump an. Als nur einer von zwei Republikanern stimmte er etwa gegen das grosse Ausgabengesetz des Präsidenten: «The Big Beautiful Bill», wie es Trump nannte. Massie war überzeugt, dass die darin enthaltenen Steuersenkungen, die Schuldenlast der USA weiter massiv ansteigen lassen würden. Der konservative Abgeordnete übte zudem auch scharfe Kritik am Krieg gegen Iran. Seit Jahren stimmte er im Kongress auch gegen Militärhilfen für Israel oder auch für die Ukraine.Nun allerdings bekam der 55-Jährige bei den Vorwahlen in Kentucky die Rache des Präsidenten zu spüren. In den vergangenen Jahren gewann Massie in dem konservativen Wahlkreis die republikanischen Vorwahlen mit über 75 Prozent der Stimmen. Doch am Dienstag verlor Massie die Primärwahl gegen den von Trump unterstützten Kandidaten Ed Gallrein klar: mit 45 zu 55 Prozent der Stimmen. Der aufmüpfige Politiker verliert damit nach 14 Jahren seinen Sitz im Kongress.Donald Trump, seine Geldgeber und Wahlkampforganisationen investierten viele Millionen Dollar in die Kampagne gegen Massie. Auch zwei proisraelische Gruppierungen unterstützen Gallrein – ein ehemaliger Elitesoldat – mit 9 Millionen Dollar. Mit Werbeausgaben von über 32 Millionen Dollar wurde das Rennen in Kentucky zu einer der teuersten Vorwahlen in der amerikanischen Geschichte.Obwohl der Iran-Krieg unter den Amerikanern unpopulär ist und eine klare Mehrheit auch unzufrieden über den Umgang der Regierung mit den Epstein-Files war, scheint Trumps Macht in der Basis der eigenen Partei ungebrochen zu sein. Dies zeigt nicht nur das Beispiel von Thomas Massie. Am Wochenende verlor der republikanische Senator Bill Cassidy seine Vorwahl in Louisiana. Cassidy war einer der wenigen Republikaner, die 2021 für Trumps Amtsenthebung stimmten. In den vergangenen Jahren versuchte der Senator seine Beziehung zum Präsidenten zu glätten. Doch Trump vergass nicht und unterstützte nun eine andere Kandidatin gegen Cassidy.In Indiana rächte sich Trump kürzlich sogar an republikanischen Regionalpolitikern. Insgesamt 21 Republikaner stimmten im Senat von Indiana im Dezember gegen die Verschiebung von Wahlkreisen, um den Republikanern bei den Zwischenwahlen zwei Sitze mehr im Kongress in Washington zu verschaffen. Sieben dieser lokalen Senatoren stehen in diesem Jahr zur Wiederwahl. Aus Ärger über ihre Illoyalität unterstützte Trump bei ihrer Vorwahl zu Beginn dieses Monats sieben Gegenkandidaten. Von den sieben Senatoren, die im Dezember gegen die von Trump gewünschte Wahlkreisverschiebung stimmten, verloren fünf ihre Wahl.Viel Risiko in TexasWomöglich angespornt durch seine Erfolge bei den kürzlichen Vorwahlen, entschied sich Trump auch bei der Senatswahl in Texas gegen den republikanischen Amtsinhaber John Cornyn. Stattdessen will der Präsident den skandalträchtigen, aber ihm treu ergebenen Ken Paxton bei der Vorwahl nächste Woche unterstützen. Paxton amtiert in Texas derzeit als Justizminister. Im Jahr 2023 überlebte er ein Amtsenthebungsverfahren wegen Korruptionsvorwürfen. Nach einer Anklage wegen Wertschriftenbetrugs bezahlte er 2024 eine Entschädigung von 300 000 Dollar. Im vergangenen Sommer reichte seine Frau die Scheidung ein und warf Paxton dabei Ehebruch vor.«Paxton war immer extrem loyal zu mir», begründete Trump nun seine Unterstützung für ihn. Cornyn, der seit über 20 Jahren im Senat in Washington sitzt, sei zwar «ein guter Mann», schrieb der Präsident am Dienstag auf Truth Social. «Aber er unterstützte mich nicht, als die Zeiten schwierig waren.» Cornyn habe sich 2024 erst «sehr spät» hinter seine Präsidentschaftskandidatur gestellt.Trumps Macht über die eigene Partei und die Erfolge seiner Kandidaten bei den Vorwahlen könnten bei den Zwischenwahlen im November allerdings zum Problem werden. Einige republikanische Senatoren waren am Dienstag wenig begeistert über Trumps Unterstützung für Paxton. Sie fürchten, dass er im Gegensatz zum bewährten Cornyn die Senatswahl verlieren könnte. Sie sei darüber «äusserst enttäuscht», meinte die republikanische Senatorin Lisa Murkowski. «Ich denke, das bringt den Sitz (in Texas) in Gefahr.»Der republikanische Senatsführer John Thune warb bei Trump schon länger um eine Unterstützung für Cornyn. Niemand könne kontrollieren, was der Präsident tue, meinte Thune nun gegenüber der «New York Times». «Er hat seine Entscheidung getroffen. Das ändert nichts daran, wie ich mich fühle.» Auch Paxton könne die Wahl im konservativen Texas gewinnen, gab sich Senator Lindsey Graham optimistisch. «Aber es wird schwieriger.»Passend zum Artikel