PfadnavigationHomeICONISTEssen & TrinkenIm Sterne-RestaurantWas respektvolle Gäste ausmachtVeröffentlicht am 02.02.2026Lesedauer: 3 MinutenWer besondere Wünsche hat, sollte sie früh äußern – nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus VerantwortungQuelle: Getty Images/10'000 HoursEin guter Vorsatz fürs neue Jahr? Sonderwünsche rechtzeitig äußern, meint unser Kolumnist, der Sternekoch Christian Bau. Warum Spitzenküche kein Wunschkonzert ist, Planung kein Selbstzweck und Respekt im Restaurant dort beginnt, wo Erwartungen nicht erst am Tisch formuliert werden.Das neue Jahr ist bekanntermaßen eine gute Gelegenheit für Vorsätze. Falls es Ihnen an Ideen mangelt, hätte ich einen Vorschlag: Seien Sie respektvolle Gäste.Bitte verstehen Sie mich nicht falsch – in acht von zehn Fällen sind Sie das ohnehin. Menschen, die Abend für Abend in Spitzenrestaurants quer durchs Land sitzen, sich freuen und verwöhnen lassen. Menschen, die den Service schätzen, den wir bieten, die genießen, was wir in der Küche mit Mühe und Sorgfalt für sie zubereiten. Und für die wir mit allem, was uns möglich ist, einen schönen Moment gestalten wollen.Dazu gehört selbstverständlich auch, dass wir uns – soweit es irgend geht – auf ihre Wünsche und Bedürfnisse einstellen. Wir nehmen Rücksicht auf Allergien und Nahrungsunverträglichkeiten. Wir versuchen, uns Vorlieben und Abneigungen anzupassen. Das können wir allerdings nur, wenn wir sie kennen. Und zwar bevor Sie unser Restaurant betreten. Meine Küche – wie die vieler Kolleginnen und Kollegen – ist nicht das Ergebnis spontaner Eingebungen. Sie ist das Resultat aufwendiger Planung, sorgfältiger Produktauswahl, intensiver Kompositionsarbeit. Jeder Teller, der unsere Küche verlässt, ist das Ergebnis hunderter Handgriffe, oft tagelanger Vorbereitung. Und wenn Sie all das nicht bemerken, dann macht uns das stolz – so wie den Artisten im Zirkus, dessen spielerischer Salto mortale seine ganze Kunst sichtbar macht, aber nicht die Mühe dahinter.Lesen Sie auchAuch unser Handwerk braucht Vorbereitung. Darum fragen wir Sie schon bei der Reservierung nach Besonderheiten: Schalen- oder Krustentierallergien, Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit, Nussallergie. Wir stellen unsere Speisekarte ins Internet, damit Sie sich vorab informieren können – und uns mitteilen, worauf wir Rücksicht nehmen dürfen. Womit wir Ihnen eine Freude machen können. Wir telefonieren mit unseren Gästen vor dem Besuch, erklären unser Konzept: Bei uns gibt es im regulären Menü kein Fleisch, sondern nur Fisch und Meeresfrüchte. Eigentlich sollte jeder wissen, was ihn erwartet. Sollte.Immer wieder sitzen jedoch Menschen in meinem Restaurant, die – ohne größeres Verständnis für das, was wir tun – davon ausgehen, dass sie sich mit dem Preis des Menüs das Unmögliche erkaufen. Und dann verstimmt, manchmal auch verärgert sind, wenn sie feststellen, dass wir leider nicht zaubern können. Dass wir nicht plötzlich statt Meeresfrüchten „irgendwas anderes“ servieren können. Dass unsere Saucen nicht spontan vegetarisch werden. Dass wir keine gleichwertige Alternative zaubern können, wenn jemand kurz vor dem ersten Gang entscheidet, „nichts aus dem Wasser“ essen zu wollen.Ich schreibe das nicht, weil wir Küchenchefs gekränkte Künstlerdiven wären, denen man nicht widersprechen darf. Wir sind Dienstleister. Aber wir können unsere Leistung für alle anderen Gäste im Raum nicht oder nur unter größten Schwierigkeiten erbringen, wenn zwei Menschen im Restaurant sitzen, die sich an nichts gebunden fühlen. Die nur sich sehen.Wie gesagt: Unter den Leserinnen und Lesern dieser Zeilen betrifft das nur einen verschwindend kleinen Bruchteil. Aber es werden spürbar mehr – bei mir, bei meinen Kolleginnen und Kollegen im ganzen Land. Falls Sie sich vielleicht ein kleines bisschen ertappt fühlen: Sie sind uns herzlich willkommen! Aber bitte denken Sie beim nächsten Besuch vorher einen Moment darüber nach, was Sie erwarten könnten. Vergleiche hinken, aber in der Oper können Sie im zweiten Akt auch nicht spontan die Sängerin austauschen oder das Bühnenbild ändern, wenn es Ihnen nicht gefällt.
Gastronomie: Warum gute Küche Vorbereitung braucht – und Sonderwünsche Aufmerksamkeit - WELT
Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr? Sonderwünsche rechtzeitig äußern, meint unser Kolumnist, der Sternekoch Christian Bau. Warum Spitzenküche kein Wunschkonzert ist, Planung kein Selbstzweck und Respekt im Restaurant dort beginnt, wo Erwartungen nicht erst am Tisch formuliert werden.






