PfadnavigationHomeRegionalesNordrhein-WestfalenGastronomieEin Mann mit WeitblickVeröffentlicht am 20.09.2025Lesedauer: 5 MinutenOsman Yalcin in seinem Restaurant mit Blick auf den Dom. Demnächst wird hier 30-jähriges Bestehen am Standort Mediapark gefeiertQuelle: Soenne, AachenOsman Yalcin hat eine besondere Gastronomen-Karriere hingelegt – er erzählt, wie er zu Kölns höchstgelegenem Restaurant gekommen ist.Geht über Köln bei schönem Wetter die Sonne unter, spielt Osman Yalcin gern auf der Dachterrasse seines Restaurants „Osman30“ das Lied „Time to say goodbye“, gesungen von Andrea Bocelli. „Damit ist die Sonne gemeint, unsere Gäste können natürlich noch länger bei uns bleiben“, sagt der Gastronom, der seit fast 30 Jahren im Kölner Mediapark präsent ist. Und beobachtet, wie die Gäste den spätsommerlichen Abend genießen.„Los ging es im Haus 7 im Erdgeschoss des Mediaparks“, weist Osman von der Terrasse im 30. Stock auf ein flacheres Gebäude des Immobilienensembles hinunter. Auf dem etwa 200.000 Quadratmeter großen Gelände befand sich früher ein Güterbahnhof, ab 1990 entstand hier ein neues Stadtviertel zur Ansiedlung von Medienunternehmen. Als erstes Gebäude eröffnete Ende 1991 der „Cinedom“, das größte Kino der Domstadt, später zogen der WDR-Radiosender Eins Live und Radio Köln ein. Nachdem im November 1996 das sogenannte Komed-Haus (Im Mediapark 7) fertig geworden war, eröffnete der gebürtige Türke dort sein erstes „Osman“-Restaurant. In den Anfangsjahren saßen auch noch der Musiksender Viva mit 130 Mitarbeitern und die Plattenfirma EMI als Mieter im jungen Mediapark. „Damals waren wir sozusagen die Kantine für Viva und die anderen Mieter – das war eine bewegte Zeit.“ Nachdem aber Viva von der britischen MTV-Gruppe übernommen und später in Köln die Produktion dicht gemacht wurde, änderten sich die Zeiten im Mediapark. Damals überlegt sich Osman, wohin er sich neu orientieren könnte, es habe einige Optionen gegeben. Doch der Gastronom blieb in Köln, wo er sich bis heute sehr wohlfühle. Denn im 30. Stock des „KölnTower“, der 2001 als neues Wahrzeichen des Mediaparks eingeweiht wurde, war noch eine Etage frei. Osman schlug dem Eigentümer des 148 Meter hohen Büroturms vor, dort dauerhaft ein Restaurant anzusiedeln. Sein Vorstoß samt Konzept stieß auf offene Ohren: Aus „Osman“ wurde „Osman30“. Yalcin setzte damit auf Kontinuität und den bereits seit knapp zehn Jahren gut eingeführten Namen seines Lokals. Er sei damals auch von verschiedenen Seiten ermutigt worden, vor Ort weiterzumachen. Sozusagen als Beispiel für einen erfolgreichen Unternehmer, der als junger Mann mit Migrationshintergrund nach Köln gekommen war. „Ich wollte einfach gern unter meinem Namen weitermachen und ein mediterran-französisch angehauchtes Gourmet-Restaurant im Herzen von Köln etablieren. Einen Stern habe ich nie angestrebt“, sagt Yalcin. Denn dann brauche man auch Silberbesteck, einen Sommelier und vieles mehr.Dabei war Osman Yalcins Weg zunächst gar nicht in Richtung Gastronomie vorgezeichnet. Nach dem Abitur in der Türkei zog er mit 17 Jahren nach Bayern, in München nahm Yalcin zunächst ein BWL-Studium auf. Ein Freund habe ihn dann ermutigt, nach Köln zu ziehen. Im Stadtteil Nippes eröffnete er mit seiner damaligen Lebensgefährtin die Weinstube „Morio“, gemeinsam betrieben sie das Lokal einige Jahre. Bereits zuvor und dann auch immer wieder sei er in Südfrankreich gewesen, im Dorf Roussillon bei Avignon absolvierte Yalcin ein dreimonatiges Praktikum in einem Gourmet-Restaurant. Zurück in Köln ging es zu Franz Keller, der damals an der Aachener Straße die bekannten Restaurants „Tomate“ und „Franz Keller“ betrieb. Keller wechselte dann aber zum Schlosshotel Bühlerhöhe in Baden-Baden und Yalcin ging für ein halbes Jahr mit. Er übernahm den harten „Teildienst“ – fast täglich musste mittags und abends gekocht werden. Aber auch von dort pendelte er regelmäßig nach Köln, berichtet der Gastronom. Und dorthin zog es ihn auch bald wieder zurück, ins „Café Central“, damals eine Institution, die täglich bis drei Uhr morgens geöffnet hatte. Sieben Jahre arbeitete er dort als Geschäftsführer, Küchenchef und Restaurant-Leiter, neben dem „Café Central“ auch für das Restaurant OT, „Ohne Titel“ im Hotel Chelsea. „Das waren intensive Jahre.“ Dann kam der Umzug an den heutigen Standort, zunächst ins Haus 7 im Mediapark, wo Yalcin den Grundstein für sein neues Unternehmen legte. Hier habe er Ideen einbringen, mitplanen, aufbauen können. „Ich bin immer ehrgeizig und fleißig gewesen“, sagt Yalcin. „Das hilft mir heute, mit meinem Team meine Geschäfte erfolgreich zu führen.“ Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Silvia führt Yalcin ein 30-köpfiges Team. Viele der Mitarbeiter haben ihre Ausbildung bei ihm absolviert und sind bis heute geblieben, darunter Restaurantfachfrau Lara: drei Jahre war sie Azubi, seit eineinhalb Jahren ist sie fest angestellt und nun schon Vize des Restaurant-Leiters. „Ich bin hier groß geworden“, sagt die 22-Jährige, die hier mit 16 angefangen hat. Die Mitarbeiter machen jedes Jahr zu Schulungszwecken eine Weinreise in bekannte deutsche Anbaugebiete, zu der Osman Yalcin einlädt: in die Pfalz, zum Kaiserstuhl, etwa zur bekannten Winzer- und Gastronomie-Familie Keller. An die 100 Weine hat das „Osman30“ im Angebot, zur Hälfte aus Deutschland, dann viele Lagen aus Frankreich, Österreich, Spanien, Übersee sowie einige von renommierten Weingütern aus der West-Türkei, wie Yalcin berichtet.Das Publikum sei in zwei große Gruppen aufgeteilt: Viele Gäste sind zwischen 20 und 35 Jahre alt, viele gehörten zur Altersgruppe „Ü50“. „Wir haben ein treues Publikum“, sagt Yalcin. „Die meisten kommen wegen der unschlagbaren Aussicht, der exzellenten Cuisine und dem herzlichen Service immer wieder gern.“ Das „Osman30“ sei aber nicht nur Restaurant, sondern auch eine Location für Events und Tagungen für bis zu 150 Gäste. Große Unternehmen, Versicherungen und Banken buchten regelmäßig ihre Veranstaltungen. Viele fragten schon jetzt für Weihnachfeiern an, so der Gastronom. Im Erdgeschoss gibt es zudem noch eine Kamin-Lounge, die sich für Workshops oder exklusive Events eigne. Yalcin führt dort auch einen Shop mit „To-go-Produkten“. Kürzlich wurde das Konzept ausgebaut und neben dem abendlichen Angebot ein „Business Lunch“ zwischen 12 und 15 Uhr eingeführt. Auch wer lediglich auf 110 Metern Höhe etwas trinken möchte, sei willkommen. Man sollte aber die Verfügbarkeit telefonisch anfragen. „Und zum Essen wird eine Reservierung unbedingt empfohlen.“
Gastronomie: Ein Mann mit Weitblick - WELT
Osman Yalcin hat eine besondere Gastronomen-Karriere hingelegt – er erzählt, wie er zu Kölns höchstgelegenem Restaurant gekommen ist.







