Hefeteig, Käse, Tomaten, ein bisschen Salz und Pfeffer – viel braucht man nicht für eines der beliebtesten Gerichte der Welt. Die Pizza verkörpert perfekt die Idee der cucina povera, der einfachen, ursprünglich preiswerten Armenküche Italiens. Doch längst ist die Pizza keine Armenspeise mehr, der Durchschnittspreis liegt in italienischen Pizzerien laut einer aktuellen Studie des Konsumforschungsinstituts CRC bei 12,14 Euro pro Person, 18 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Und die Zutatenlisten auf den Speisekarten werden immer länger und ausgefallener. Vieles davon bereitet traditionellen neapolitanischen Pizzabäckern Albträume, etwa Pizza mit Emufleisch, Schnecken, Cashewcreme, Pommes, Heidelbeeren. Und auf der Dubai-Style-Luxuspizza kommt alles zusammen, was nicht zusammengehört: goldgelbe Safrankruste, Wagyu-Rind und Datteln, statt Mozzarella eine Pistaziencreme.

Nicht nur die Slowfood-Bewegung hat zum Ziel, maximalen Genuss auf möglichst ressourcenschonende Weise zu ermöglichen. Auch immer mehr Restaurantgäste schätzen die bewusst inszenierte Schlichtheit eines bodenständigen Essens anstatt des großen Brimboriums der Sterneküche. So gesehen müsste jemand wie Elena Di Liddo, eine italienische Leistungsschwimmerin, höchst willkommen sein in jeder Pizzeria: In der süditalienischen Stadt Bisceglie bestellte sie eine Pizza Tricolore, laut Karte mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum, hübsch angeordnet in den Landesfarben. Allerdings ohne Tomaten und mit laktosefreiem Käse. Sie machte damit die Pizza noch schlichter – und entfachte gleichzeitig eine Debatte.