Magdeburg (dpa) - Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat die Produktion von Rüstungsgütern in einen Zusammenhang mit der von seiner Partei angestrebten Abschiebeoffensive gebracht - und damit scharfe Kritik ausgelöst. „Die Äußerungen von Ulrich Siegmund markieren eine neue Qualität“, sagte die Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Katja Pähle. „Wer bei der angekündigten Massenausweisung von Menschen aus Sachsen-Anhalt ausgerechnet Rüstungsgüter ins Spiel bringt, spricht über Gewalt als Mittel der Politik.“Auch das BSW, das sich nach bisherigem Bekunden eine Zusammenarbeit mit der AfD projekt- und themenbezogen vorstellen konnte, äußerte sich scharf. Die AfD unterstütze Hochrüstung und „rechtfertigt die Ansiedlung des israelischen Rüstungskonzerns Elbit mit dem Einsatz von Rüstungstechnik für "Remigration"“, schrieb der Co-Bundesvorsitzende Fabio De Masi. „Das zeigt: Die wollen gar nicht regieren und suchen verzweifelt einen Ausweg durch Provokation.“Was Siegmund gesagt hatNach der konstituierenden Fraktionssitzung der AfD im Magdeburger Landtag am Donnerstag hatte Siegmund am Donnerstag auf die Frage eines Journalisten nach der geplanten Ansiedlung eines israelischen Rüstungskonzerns geantwortet: „Wir verteufeln nicht pauschal Produktion von Rüstungsgütern, weil wir bei (der) späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen. Natürlich auch im Sinne der inneren Sicherheit, der eigenen Stabilität und auch der Landesverteidigung.“Es sei im Einzelfall abzuwägen, sagte Siegmund weiter. „Wir wollen uns genau anschauen, was wird da produziert, unter welchen Bedingungen und laufen wir dadurch Gefahr, uns an fremden Konflikten zu beteiligen? Dann sehen wir das mehr als kritisch.“Möglicher Partner BSW geht auf DistanzAuf Nachfrage sagte Siegmund am Freitag: „Rüstungsproduktion ist ein weites Feld. Dazu gehören nicht nur Waffen, sondern auch Ausrüstung, Fahrzeuge, Schutztechnik und weitere Hilfsmittel, auf die Bundeswehr, Polizei und Sicherheitsbehörden angewiesen sind.“ Genau das müsse gestärkt werden, sagte Siegmund der Deutschen Presse-Agentur, „auch, um Recht durchzusetzen, Abschiebungen konsequent zu vollziehen und eine echte Remigrationsoffensive zu ermöglichen.“ Das sei dann kein Skandal, sondern staatspolitische Pflicht. Die Aussage stößt aber auch beim möglichen AfD-Kooperationspartner, dem BSW in Sachsen-Anhalt, auf Kritik. „Abschiebungen sind keine militärische Aufgabe“, sagte Claudia Wittig, stellvertretende Fraktionschefin des BSW im Landtag, der Deutschen Presse-Agentur. Militärische Rüstungsgüter könnten dabei nicht eingesetzt werden. „Da hat Ulrich Siegmund offenbar nicht zu Ende gedacht.“ Die Aussage wirke eher wie Provokation und zeuge womöglich von unzureichender Kenntnis der Rechtslage. Geht auf Distanz: Die stellvertretende BSW-Fraktionschefin in Sachsen-Anhalt, Claudia Wittig, lehnt die Rüstungsansiedlung ab. (Archivbild)Hendrik Schmidt/dpaDas BSW machte erneut deutlich, dass sie die mögliche Ansiedlung eines israelischen Rüstungsunternehmens im Süden von Sachsen-Anhalt ablehnt. Gerade bei einem Konzern, „dessen Produkte in einem Krieg zum Einsatz kommen, der wegen schwerster Vorwürfe von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht Gegenstand internationaler Verfahren ist“.SPD spricht von politischer DrohungPähle sagte, dies sei keine missverständliche Formulierung, sondern eine politische Drohung. Hier zeige sich die hässliche Fratze einer Politik, deren Sprache und Vorstellungen erneut an totalitäre Vorbilder erinnerten. Auch im Bundestag lösten die Äußerungen des AfD-Politikers Empörung aus. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, nannte die Aussagen Siegmunds „zutiefst schockierend“. „Sie macht überdeutlich, dass die AfD ihre Agenda auch am Rechtsstaat vorbei und mit Waffengewalt gegen Menschen durchsetzen möchte, die nicht in ihr völkisches Weltbild passen“, fügte sie hinzu. Und sie zeige, dass die AfD eben nicht einfach eine weitere politische Kraft im parlamentarischen Ringen sei. Haben Aussagen Einfluss auf Verbotsverfahren? „Die Summe solcher Aussagen zeichnen das Horrorbild eines Willkürstaats, den ich weder uns noch unseren Kindern hinterlassen möchte“, sagte Mihalic. Noch nicht absehbar ist, inwiefern die Aussage Siegmunds womöglich in dem laufenden Rechtsstreit zwischen der AfD und dem Bundesamt für Verfassungsschutz eine Rolle spielen könnte. Im Eilverfahren war das Gericht zu dem Ergebnis gekommen, dass es in den vom Bundesamt für die Einstufung der Partei als gesichert rechtsextremistische Bestrebung vorgelegten Belegen an Nachweisen für ein „aggressiv kämpferisches Verhalten“ fehle.© dpa-infocom, dpa:260911-930-668947/3

Hier finden Sie Informationen zu dem Thema „Rüstungsindustrie“. Lesen Sie jetzt „BSW bietet Linken Gespräche gegen Rüstungsansiedlungen an“.

Magdeburg (dpa) - Das BSW in Sachsen-Anhalt bietet der Linken Gespräche über ein gemeinsames Vorgehen gegen die Ansiedlung eines israelischen Rüstungsunternehmens im Land an.…