Wenn Markus Söder Entwarnung gibt, ist das in der Regel alles andere als beruhigend. Wenn der CSU-Vorsitzende also einen Kanzlersturz durch seine Partei ausschließt, dann ist das weder eine Garantie noch besonders solidarisch. Je mehr aber aus der CDU anschwellendes Geraune zu vernehmen ist, desto stärker hebt sich jede klare öffentliche Aussage ab.Um zu erkennen, dass die Lage alles andere als einfach ist, dafür braucht man keine Fachleute. Nicht ganz so einfach ist es freilich, einen Weg zu weisen, der Besserung verspricht. Gerade wer hundert Gründe dafür (er)findet, dass Friedrich Merz an allem schuld sei, ist in der Pflicht, nicht nur eine Alternative zu benennen, sondern auch die Folgen des ganzen Szenarios sorgsam zu bedenken.Es geht nicht um einen ElternbeiratEs geht ja nun nicht um einen vorzeitigen Wechsel des Elternbeirats oder im Schützenverein, so wichtig auch das für manche Betroffene sein mag. Hier geht noch nicht einmal im Kern um eine Partei und ihren Vorsitzenden. Sondern um den Regierungschef einer der größten Volkswirtschaften der Erde und der zentralen europäischen Macht in Zeiten äußerer wie innerer Bedrohungen.Ohnehin stößt hier der alte Kanzlerwahlverein an seine Grenzen: Wer keine eigene Kanzlermehrheit hat, kann den Kanzler nicht „austauschen“. Die Union könnte ihn drängen, die Vertrauensfrage zu stellen und so versuchen, Neuwahlen zu erreichen. Oder sie müsste sich darum bemühen, dass der Bundestag gleich einen anderen Kandidaten wählt.Einmal abgesehen von der Kleinigkeit, ob das die Union nicht zerreißen würde: Wer eigentlich führte das Land dann aus der Krise? Wo ist der Ministerpräsident, der sein Bundesland nicht nur verwaltet, sondern in Sachen Migration, Integration, Bildung, Infrastruktur und Digitalisierung runderneuert hätte?Der muss wohl noch geboren werden. Und wenn ohnehin keiner wirklich will, noch nicht einmal hervortreten, geschweige denn einen Neubeginn organisieren kann oder will, hat sich das Ganze ohnehin erledigt.Deshalb muss man nicht den Kopf in den Sand stecken. Es wäre schon ein Gewinn, wenn sich die meisten darauf einigen könnten, nicht faktisch für den politischen Gegner zu arbeiten, sondern konstruktiv für die Koalition, auf die man sich geeinigt hat, für die Regierung – und vor allem für das Land.