Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt fordern erste Stimmen in der CDU offen einen Kanzlertausch. Klingt verlockend, würde viele Probleme aber nicht lösen.

Vor ein paar Wochen landete ein 50 Jahre altes Video bei der CDU. Ein Mann, gespielt von Loriot, will ein Bild an der Salonwand gerade rücken. Dadurch rutscht ein zweites aus dem Rahmen, ein drittes fällt, das Unheil nimmt seinen Lauf. In weniger als drei Minuten von der Ordnung zum Chaos, das ist die Geschichte von Loriots Sketchklassiker „Das Bild hängt schief“.

Das Video ging in CDU-Chatgruppen viral, der Bezug zu Friedrich Merz war sofort allen klar. „Er kann es nicht“, war in diesen Tagen häufig aus der CDU zu hören, auch halb öffentlich. Der Kanzler hatte gerade eine Personalrochade verstolpert, der erhoffte Aufbruch verpuffte, Teile der CDU fielen über Merz her. Am Ende war seine Autorität angeschlagen, und die Partei stand schlechter da als zuvor. Das ist acht Wochen her.

Seit Sonntag hat sich die Lage der CDU noch dramatisch verschärft. Oder besser: Die dramatische Lage der CDU ist so sichtbar wie nie. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind die Christ­de­mo­kra­t:in­nen auf 17,2 Prozent abgestürzt, von den bislang 40 Sitzen im Magdeburger Landtag sind nur 15 übrig. Gemeinsam mit den Grünen, der Linken und der SPD hat die CDU genauso viele Abgeordnete wie die AfD; die alte Parteienordnung ist verrutscht. Die Rechtsextremisten könnten bald die Macht in Sachsen-Anhalt übernehmen. Es ist eine Zäsur.