Liebe Leserin, lieber Leser,ein probates Mittel, der Wirklichkeit für einen Augenblick zu entrinnen, ist das Theater. Ganz gleich, ob Tragödie oder Komödie: Wenn der Schnürmeister den Vorhang hebt, öffnen sich die Köpfe des Publikums für neue Erfahrungswelten. Das Drama nimmt seinen Lauf – Ausgang offen.Gerade bietet sich für uns ein politisches Schauspiel sondergleichen, für das wir noch nicht einmal auf einem Theaterstuhl Platz nehmen müssen. Oder erinnern Sie die Ereignisse in Magdeburg und Berlin gerade nicht an schlechtes Theater? Ich erwischte mich diese Woche einige Male bei dem Gedanken, dass der Schnürmeister den Vorhang da im falschen Moment gehoben hat. Das können die Darsteller doch nicht wirklich so vorführen wollen.Vorhang auf in Sachsen-Anhalt – und schon stehen da zumeist populistische Möchtegern-Helden auf der Bühne und versprechen dem Publikum Heil und Wohl von geradezu phantasmagorischer Ausprägung. Mit geschliffenen Parolen und verfänglicher Semantik durchsetzen sie den Geist der Schaulustigen. Will ich das wirklich sehen?Vorhang auf in Berlin – da haben die Darsteller sich wohl noch nicht ganz sortiert. Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass der Schnürmeister vom politischen Gegner korrumpiert wurde. Gibt er doch den Blick auf die Spielfläche stets im ungünstigsten Moment frei. Mal stehen die falschen Protagonisten auf der Bühne, mal sind sie nicht textsicher, selten handeln sie so wie im Skript vorgesehen. Ja, mitunter drängt sich der Eindruck auf, es gebe gar kein Skript. Wo ist die Regie?Schnell kommt einem der Begriff der Laienschauspieltruppe in den Kopf. Auch solche Aufführungen können durchaus unterhaltsam sein, in diesem Fall jedoch ist das Sujet zu wichtig, als dass ein unprofessioneller Umgang damit zur Freude gereichen sollte.Wie sieht er aus, der nächste Akt? Die Hoffnung bleibt, dass es nicht der letzte sein wird – und wir doch noch auf ein Happy End hinsteuern.Ihnen wünsche ich jedenfalls ein Wochenende, an dem sich der Vorhang im richtigen Moment hebt.IhreClaudia PansterRessortleiterin Wochenende & ReportWeidel, Merz, Bas: Demokratische Strukturen werden nonchalant aufs Spiel gesetzt. Foto: Dpa, Imago, brckmnn [M]„Weniger klare Kante und mehr Kompromisse“Reformen, die eine Expertenkommission erarbeitet und die die Regierung als Gesamtkunstwerk präsentiert. Ein Kanzler, der klare Kante verspricht und dann Kompromisse schließen muss. Eine Opposition, die das Verhandeln grundsätzlich verweigert. Ökonom Nils Goldschmidt beschreibt in seinem neuen Buch, wie all das zusammenhängt. Sven Prange hat mit ihm gesprochen.Ökonom Stefan Kolev: Die Jugend im Land halten. 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Handelsblatt-Wochenende: Ein Laienschauspiel mit offenem Ausgang
Außerdem: Die Metamorphose einer Marke, ein Besuch bei jungen Aussteigern in China und ein Milliardär, der sich im Basketball verzockt hat. Das sind unsere Leseempfehlungen zum Wochenende.






