Liebe Leserin, lieber Leser,in den vergangenen Wochen habe ich viel über den Begriff „Lame Duck" nachgedacht. Es ist nämlich so: Ich bin seit einigen Wochen eine beim Handelsblatt.In der Theorie fand ich das eine ziemlich gute Vorstellung. Keiner hat mehr Erwartungen an einen, die vom Arbeitgeber bezahlte Urban-Sports-Mitgliedschaft läuft weiter, und genug Geld für Urlaub ist auch da. Ich sah mich schon Töpfern lernen, einen literarischen Salon gründen, solche Sachen. Faktisch lief es ein bisschen anders. Aber erst mal: Wie wird man eigentlich zur „Lame Duck“?Als todsichere Methode galt unter Frauen lange eine Schwangerschaft. Schon die bloße Andeutung möglicher Fortpflanzung löste bei vielen Vorgesetzten den Reflex aus, keine wichtigen Projekte mehr zu vergeben. Meine Beobachtung: Das ist gekippt. Chefs haben mittlerweile verstanden, dass Mütter in Teilzeit die fleißigsten und billigsten Vollzeitkräfte sind.Variante zwei: etwas tun, das nicht schlimm genug ist, um rausgeworfen zu werden, aber schlimm genug, um keine Verantwortung mehr zu bekommen. In Slack schreiben, das neue Strategiepapier „klingt wie von ChatGPT, aber schlechter“ – in den Channel #vorstand-allgemein. Nachteil: Es muss mindestens einmal richtig peinlich werden. Die Selbstachtung leidet – aber da ist eben die Urban-Sports-Mitgliedschaft, und der Arbeitsmarkt ist derzeit zäh.Ich habe Variante drei gewählt. Ich habe einen neuen Job angenommen.Zum 1. August wechsle ich als Chefredakteurin zum „Tagesspiegel Background“. Falls Sie das jetzt googlen: Ja, wir bleiben verbunden – über die Dieter von Holtzbrinck Holding und perspektivisch Holtzbrinck Media. Ein interner Wechsel also. Was das für meine Lame-Duck-Phase bedeutete? Dass sie nicht so komfortabel war wie erhofft. Ich habe zwar pflichtbewusst gequakt, wenn mir jemand vor meinem Wechsel noch eine Aufgabe aufdrücken wollte. Aber die Antwort kam prompt: „Du wechselst doch nur im Haus, das kannst du doch noch eben machen.“ Hab ich dann auch immer.Der Teich „Handelsblatt“ ist nämlich, ganz unironisch, einer der schönsten, in denen ich je geschwommen bin. Gutes Wasser, nette Nachbarn, nur ab und zu ein eitler Schwan, der einen erschreckt. Insofern nehme ich die Lame-Duck-Diagnose zurück: Ich ziehe einfach ans andere Ufer.Was in dieser Zeit übrigens nie nach „Lame Duck“ aussah: dieser Newsletter. Anderthalb Jahre lang durfte ich Ihnen samstags erzählen, was mich beschäftigt – manchmal journalistisch, manchmal eher dadaistisch. Sie haben geantwortet, widersprochen, mitgedacht, mich ein paarmal freundlich korrigiert. Das ist das Gegenteil von „Lame Duck“. Und der Grund, warum ich diesen Text jetzt zum fünften Mal umschreibe.Ab jetzt übernimmt an dieser Stelle neben Claudia Panster, die Sie ja bereits kennen, Julia Beil, unsere neue stellvertretende Ressortleiterin. Seien Sie zu ihr genauso nett wie zu mir.Danke, dass Sie mitgeschwommen sind.Ihre Charlotte MorréHead of DigitalNationalgardisten auf der National Mall in Washington: Die USA sind gespalten wie selten in ihrer Geschichte. Foto: REUTERSTrumps Angriff auf Amerikas IdealeDie USA feiern am Wochenende den 250. Jahrestag ihrer Gründung. Die Gründerväter hatten einst in der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 drei Grundsätze formuliert, die die Nation erfüllen und die für alle Bürger gelten sollten: „das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“. Was ist davon unter Donald Trump geblieben?Biontech: Wie viel bleibt vom alten Glanz? Foto: Boris Roessler/dpa, PR [M]Ist das einstige deutsche Wirtschafts-Wunderkind zu retten?Kaum ein Biotech-Unternehmen galt bis vor Kurzem als attraktiver als Biontech. Spätestens seit der Pandemie war aus dem Impfstoffhersteller ein globaler Name geworden, für viele war Biontech das Gegenbeispiel zur deutschen Standortklage. Doch nun steckt der Konzern in der tiefsten Krise seiner vergleichsweise kurzen Geschichte. Helena Smolak und Annika Keilen haben mit Unternehmensinsidern und Investoren gesprochen – und erfahren, welcher Einschnitt als Nächstes droht.Headhunter Thorborg: „Allzu viele Unternehmen werden durch schlechte Entscheider gefährdet.“ Foto: Katrin Binner„80 Prozent der oberen Etagen bestehen aus Narzissten“Er ist seit vier Jahrzehnten einer der einflussreichsten Headhunter der deutschen Wirtschaft: Heiner Thorborg. Er brachte Vorstände und Aufsichtsräte in Dax-Konzerne, zu traditionsreichen Familienunternehmen und in andere elitäre Gremien. Im Interview mit Tanja Kewes kritisiert der 81-Jährige Dax-Chefs, die eigene Branche und gibt Einblicke in die „geheimen Regeln“ der Mächtigen.Entertainer Peter Wackel: Mit Karaoke angefangen, füllt er heute Deutschlands größte Konzerthalle. Foto: Getty Images, PR, tsbooking, brckmnn [M]Wie verdient man Millionen mit Après-Ski, Karneval und Ballermann?Peter Wackels Songs heißen „Inselfieber“, „Joana, du geile Sau“ oder „Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“. Doch es wäre zu einfach, Wackel als schlüpfrigen Barden abzustempeln, der über Jahrzehnte mit Sauf- und Partyliedern Kasse gemacht hat. Um seine eigene Marke herum hat er ein Business mit mehr als 30 Mitarbeitern aufgebaut. Christian Wermke hat den Sänger mehrfach begleitet, um hinter das Geschäftsmodell zu schauen.Christine Lagarde: Vorkämpferin für ein digitales Bargeld. Foto: Imago, AFP, Dpa, [M]Der digitale Euro erfindet Bargeld neuNoel Schnieders: Er hat schon mit 15 Jahren für Geld Pommes frittiert. Foto: PRSo jung, aber schon so viel Frittenfett hinter den OhrenNoel Schnieders hat in einem Alter einen Imbisswagen eröffnet, in dem andere noch nicht mal wissen, was sie werden wollen. Mit 16 briet er die ersten Würstchen in „Nöl’s Imbiss“. Warum macht sich jemand in diesem Alter selbstständig – und auch noch in einer Branche, die es wegen der Inflation besonders schwer hat? Sebastian Dalkowski kennt die Antwort.Organisationssoziologin Muster: „Wer einen Arbeitsvertrag unterschreibt, sollte bereit sein, gute Arbeit zu machen.“ Foto: Getty Images, Yannik Willing-Holtz [M]Der Chef war’s!Wenn etwas schiefgeht in einem Unternehmen, sind die Schuldigen oft schnell ausgemacht: die Führungskräfte. Die Organisationsexpertin Judith Muster kennt diesen Reflex. Im Interview mit Franziska Telser erklärt sie, warum er unfair gegenüber den meisten Chefinnen und Chefs ist – und an welcher Stelle stattdessen oft der Fehler liegt.LGs kühlender Bilderrahmen Artcool: Geräte, die Emotionen auslösen. Foto: LG ElectronicsKlimaanlagen als DesignobjektNach der Hitze des vergangenen Wochenendes entspann sich diese Woche beim Handelsblatt eine Diskussion über Klimaanlagen. Unter anderem stellten meine Kollegen und ich uns die Frage, ob es eigentlich in der Natur der Sache liegt, dass die Geräte stets hässlich sein müssen. Thorsten Firlus ist dem nachgegangen.Ulf Sommer: Analysiert für das Handelsblatt Aktien- und Bilanzkennzahlen. Foto: HBDie zwei Probleme der T-Aktie und ihre neuen ChancenDie Aktien der Deutschen Telekom sind in der abgelaufenen Woche auf weniger als 24 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit 2024 gefallen. Seit dem Hoch im Frühjahr vergangenen Jahres hat die Aktie ein Drittel ihres Werts verloren. Für die jüngste Kursschwäche gibt es zwei Gründe. Warum Analysten dennoch einhellig zum Kauf raten, erklärt Ulf Sommer in seiner Kolumne.Kolumnist, Elon-Musk-Büste: Musks Vermögen sei volatil, schreibt Felix Oldenburg. Deutschland habe das gegenteilige Problem. 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