Paranoia und IntrigenJohn le Carré: „Marionetten“. Roman. Ullstein, Berlin, 2008. 368 Seiten, 20 Euro.Foto: UllsteinWer könnte den Krieg gegen den Terror besser in einem Spionageroman erklären als der Großmeister John le Carré? In „Marionetten“ verschlägt es den muslimischen Tschetschenen Issa Karpow kurz nach den Anschlägen des 11. September nach Hamburg. Also in jene Stadt, in der die Attentäter vor ihrer Gräueltat lebten und sich vorbereiteten. Karpow gerät dann in die Melange aus Paranoia, Geheimdienstintrigen und Hatz, die den Krieg gegen den Terror zu so einem Fiasko werden ließ. Das Chaos wirkt dabei wie ein Strudel, der einen als Leser immer tiefer in diese Zeit zieht, die mit einem Vierteljahrhundert schon länger her ist, als sich das anfühlt. Anton Corbijn hat den Roman dann mit dem Originaltitel „A Most Wanted Man“ in die Kinos gebracht. Film und Buch sind große Würfe, die einem noch mal nahebringen, dass der Islam kein guter Ersatz für die Feindbilder des Kalten Krieges ist. Andrian Kreye