Am 11. September 2026, fünfundzwanzig Jahre nach den Anschlägen, lässt sich das Archiv der Empörung gut vermessen. Auf Videoplattformen zirkulieren weiterhin Clips über Stahltemperaturen, Staubwolken und die Einsturzsymmetrie von World Trade Center 7. Gleichzeitig liegen Dokumente vor, die sehr viel mehr über Macht, Krieg und Täuschung verraten.
Da ist etwa ein selbst getipptes, „strikt persönlich – vertraulich“ überschriebenes Papier des deutschen Verteidigungsministers Rudolf Scharping vom 8. Oktober 2001, in dem er Kanzler Gerhard Schröder empfiehlt, den USA aktiv „KSK für mögliche Zugriffsoperationen“ anzubieten. Über dieses Dokument diskutiert kaum jemand. Über Stahlträger diskutieren Millionen.
Die Pointe der Verschwörungsmythen zu 9/11
Das ist die eigentliche Pointe der 9/11-Verschwörungsszene: Sie verspricht, das Verborgene zu enthüllen – und bindet ihre Energie an das eine Thema, bei dem die Beweislage gut, die Untersuchungen umfangreich und die Erkenntnisgewinne gering sind. Während sie nach Sprengladungen sucht, bleiben die dokumentierten Skandale der Folgejahre politisch unbearbeitet.
Eine Szene, die mit dem Netz erwachsen wurde










