Das Timing hätte kaum besser sein können. Im Frühsommer hatte Jan Philipp Reemtsma den Verdacht geäußert, die Verwendung des Faschismusbegriffs in aktuellen Debattenbeiträgen sei wenig überzeugend und wohl eher gemeinschaftsstiftenden Motiven linker Intellektueller geschuldet. Kurz darauf erinnerten Stephan Lessenich und Sven Reichardt in einem Gastbeitrag für diese Zeitung an Schlüsseltexte der Faschismusforschung und warben dafür, den Rückgriff auf solche Arbeiten als den Versuch zu begreifen, demokratiegefährdende Entwicklungen besser zu verstehen und Fragen der folgenden Art zu untersuchen: „Wann, wie und warum schlägt das individuelle Unbehagen an den herrschenden Verhältnissen in kollektive Wut und Empörung um, das passive Hinnehmen unbefriedigender Lebensumstände in offensive Menschenfeindlichkeit und aggressive Verachtung für als minderwertig qualifizierte Personengruppen?“