Die Schweiz ist teuer – auch wegen staatlich verordneten Preisen. Doch der Bundesrat sieht darin kein ProblemKein anderer Staat in Europa nimmt derart viel Einfluss auf die Preise wie die Schweiz. Wie das die Kaufkraft der Konsumenten genau beeinflusst, ist jedoch unklar.10.09.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenBei der Briefpost führt das bestehende Monopol zu höheren Preisen als nötig.Benjamin Manser / CH MediaDie Schweiz ist eine Hochpreisinsel. Mit ein Grund dafür ist der hohe Anteil von administrierten Preisen. Ob beim Verschicken eines Briefes, bei den Stromkosten oder beim Arztbesuch – überall redet der Staat bei den Preisen mit.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Verglichen mit dem europäischen Ausland ist der Einfluss des Staates bei den Preisen in der Schweiz sogar deutlich grösser als in der Europäischen Union (EU). Das betrifft vor allem die teilweise administrierten Preise. Ihr Anteil liegt hierzulande bei rund 20 Prozent der Konsumausgaben.In der EU sind es durchschnittlich 8 Prozent. Bei den vollständig administrierten Preisen liegen die Schweiz und die EU dagegen etwa gleichauf. Hier liegt der Anteil in beiden Fällen unter 10 Prozent.Der Unterschied ist hauptsächlich auf die Gesundheitskosten zurückzuführen. Diese werden in der Schweiz zu einem grossen Teil direkt von den Konsumenten bezahlt, während sie in der EU hauptsächlich steuerfinanziert sind.Unklare Auswirkungen auf die KaufkraftOb ein Preis frei oder staatlich festgesetzt ist, lässt sich oftmals nur schwer beurteilen. Administrierte Preise gibt es nicht nur bei Staatsbetrieben. Regulierungen oder behördliche Genehmigungen beeinflussen die Höhe eines Tickets im öffentlichen Verkehr, den Mietzins, aber auch die Preise für Obst und Gemüse.Dementsprechend unklar ist, welche Auswirkungen die staatliche Preispolitik auf den Wettbewerb und die Kaufkraft der Konsumenten hat. Der FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt hat den Bundesrat daher dazu aufgefordert, ein Inventar aller direkt und indirekt administrierten Preise zu erstellen und dieses regelmässig zu aktualisieren.Aus Kosten-Nutzen-Überlegungen will die Regierung dies allerdings nicht. Sie sieht aber in gewissen Bereichen durchaus Ineffizienzen und weniger Wettbewerb. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht hervor.Bei Briefen und Strompreisen gibt es starke EinschränkungenDie grössten Einschränkungen für den Wettbewerb erkennt die Regierung bei den Strompreisen und der Briefpost. Auf das Verschicken von Briefen hat die Post nach wie vor ein Monopol. Das führt zu höheren Preisen, wie es heisst.Bei den Strompreisen ist es ähnlich: Regionale Monopole blockieren den Markteintritt für neue Anbieter. Zudem können Haushalte ihren Stromanbieter nicht wechseln.Im Mietwohnungsmarkt spielt der Wettbewerb ebenfalls nur eingeschränkt. Hier setzt der Staat die Preise nicht direkt fest. Trotzdem wird der Mietzins durch eine Vielzahl unterschiedlicher Regulierungen beeinflusst.Der Bundesrat nennt neben dem Referenzzinssatz etwa noch teure Projekte zur Verdichtung und die zahlreichen Einsprachen als Faktoren, die das Angebot an Mietwohnungen verknappen und damit zu steigenden Preisen führen.Änderungen am Preisgefüge haben weitreichende FolgenStaatlich festgesetzte Preise sind nicht per se schlecht. Vor allem dort, wo der Markt versagt, etwa im Umweltbereich, sind sie durchaus von Nutzen. Bei den Strompreisen sorgen sie laut der Analyse des Bundesrates zumindest kurz- bis mittelfristig für stabile Preise.Der Bericht zählt noch weitere Bereiche auf, die durch administrierte Preise beeinflusst werden, wie etwa Medikamentenpreise oder den Import von Obst und Gemüse. Quantifiziert werden die Einflüsse allerdings nicht. Das Interesse, hier mehr Transparenz zu schaffen, scheint bei der Regierung gering zu sein.Bezogen auf die Kaufkraft der Konsumenten schreibt der Bundesrat in dem Bericht: «Massnahmen zur Öffnung eines Marktes können den Wettbewerb stärken, den Preisdruck erhöhen und damit die Kaufkraft der Bevölkerung verbessern.» Trotzdem sieht er keinen konkreten Handlungsbedarf.Bei den einzelnen Bereichen wie der Post, dem Mietwohnungsmarkt und den Arzneimitteln verweist er auf die laufende Weiterentwicklung bestehender Regulierungen, man wolle den Ergebnissen nicht vorgreifen. Wird am Preisgefüge etwas geändert, hat das unter Umständen jedoch weitreichende Folgen.Bei der Briefpost etwa könnte eine Öffnung des Marktes durchaus zu sinkenden Preisen beitragen. Fallen allerdings die Gewinne aus dem Briefmonopol bei der Post weg, hätte diese gemäss der Analyse damit weniger Möglichkeiten, andere Dienstleistungen quer zu subventionieren. Damit könnten laut dem Bundesrat wiederum die Preise für Pakete steigen.Passend zum Artikel
Schweizer Preispolitik: Kein Handlungsbedarf trotz hohen Preisen
Kein anderer Staat in Europa nimmt derart viel Einfluss auf die Preise wie die Schweiz. Wie das die Kaufkraft der Konsumenten genau beeinflusst, ist jedoch unklar.








