Fit auf Instagram, schwach an der RekrutierungStellungspflichtige in der Schweiz sind zunehmend weniger fit – trotz Sport-Boom. Woran liegt das?09.09.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDie körperliche Fitness von Wehrpflichtigen nimmt ab. Zwar nur leicht, aber kontinuierlich.Gaetan Bally / KeystoneGym-Bros und Muscle-Mommys sind omnipräsent in den sozialen Netzwerken und den Schweizer Städten. Junge Männer und Frauen, stets im Sport-Outfit und mit einer halboffenen Trainingstasche in der Hand – als ob sie sagen wollten, dass zwischen dem letzten Protein-Shake und der nächsten Trainingseinheit keine Zeit für eine Pause bleibe.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auch Markus Lampert hat in den vergangenen Jahren einen Sport-Boom in der Schweiz beobachtet. Der Zürcher Soziologe war ETH-Dozent und ist Co-Autor der repräsentativen Studie «Sport Schweiz», gewissermassen der Kartografierung des schweizerischen Sportverhaltens. «Heute treiben fast alle Sport, wobei Gesundheit und Wohlbefinden im Fokus stehen», sagte Lampert jüngst in der NZZ.Und trotzdem ist die körperliche Fitness von jungen Schweizer Stellungspflichtigen in den letzten 19 Jahren zurückgegangen. Leicht nur, aber kontinuierlich. Das zeigt eine Langzeitstudie des Bundesamtes für Sport (Baspo).Die Studie stützt sich auf die Resultate der Fitnesstests der Armee von rund 700 000 Stellungspflichtigen sowie auf Daten zum Body-Mass-Index und zur subjektiven Wahrnehmung der eigenen Fitness. Sie wurde von der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen in Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee und der Universität Zürich durchgeführt.Und genau darauf führen die Forscher den Widerspruch zurück – zumindest zum Teil.Die Selbstüberschätzung der Gym-BrosDie Fakten zeigen ein deutliches Bild: Seit 2006 hat die durchschnittliche Punktzahl der männlichen Stellungspflichtigen bei den Fitnesstests der Armee abgenommen, von einst 74,2 auf mittlerweile 70,4 Punkte. Objektiv hat sich die Fitness also verringert.Subjektiv jedoch, schreiben die Forscher, schätzten sich junge Männer seither deutlich häufiger als «trainiert» ein. Der Anteil stieg im gleichen Zeitraum von 40 auf 56 Prozent. Nur 4 Prozent bezeichneten sich heute als «untrainiert» – 2006 war der Anteil noch doppelt so hoch.Einerseits wirke also der Faktor «Selbstüberschätzung», der längst nicht nur die Gym-Bros betreffe, sondern «Menschen bei Selbstbefragungen generell», schreibt das Baspo. Dazu komme, dass die heute beliebten sportlichen Aktivitäten nicht spezifisch genug seien, um die «konditionellen und koordinativen Basisfähigkeiten» des Fitnesstests der Armee zu bewältigen, etwa Rumpfkraft, Ausdauer oder Gleichgewicht.Eine Ausnahme bilden übrigens die Frauen. Ihre Fitness hat sich im Untersuchungszeitraum von 45,4 auf 49,9 Punkte erhöht. 64 Prozent der Frauen stufen sich heute als «trainiert» ein, 2006 waren es noch 50 Prozent. Diese Ergebnisse, so das Baspo, seien jedoch «mit Vorsicht zu interpretieren».«Sportlich motivierte Gruppe» von FrauenWährend grundsätzlich alle jungen Schweizer stellungspflichtig sind, ist der Militärdienst für Frauen nach wie vor freiwillig. Bei denjenigen, die sich der Rekrutierung stellten und dadurch den Fitnesstest der Armee durchliefen, handle es sich um eine «tendenziell sportlich motivierte Gruppe» und eben nicht um einen Querschnitt der jungen Erwachsenen in der Schweiz.Andererseits habe der Fitnessrückgang auch strukturelle Gründe – bei der Armee selbst: Im Rahmen der Weiterentwicklung der Armee sei das Durchschnittsalter bei der Rekrutierung deutlich angestiegen. Und jüngere Stellungspflichtige schnitten beim Fitnesstest schlicht systematisch besser als ältere ab.Zu der Frage, weshalb die Fitness der jungen Schweizerinnen und Schweizer abnimmt, haben die Studienautoren noch eine andere Hypothese: die Spätfolgen der Bewegungseinschränkungen während der Pandemie. Ein weiterer, realer Leistungsabbau «dürfte» darauf zurückzuführen sein.Der Sport, sagte Lampert jüngst, sei über die Jahre vielfältiger geworden und erfasse heute mehr Menschen, die sich dafür begeistern könnten. «Das betrifft vor allem auch ältere Menschen, insbesondere ältere Frauen», sagte er.Aber eben weniger die Schweizer Stellungspflichtigen.Passend zum Artikel
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