Ehre für den Kriegsverbrecher: Tausende gedenken in Serbien des verstorbenen Generals MladicDie EU-Erweiterungskommissarin hat einen geplanten Besuch in Belgrad wegen der Glorifizierung Mladics abgesagt. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic wies die Kritik scharf zurück, nahm aber selbst nicht an der Trauerfeier teil.07.09.2026, 17.17 Uhr3 LeseminutenEr wird gefeiert wie ein Held: Ratko Mladic. Tausende kamen zu seiner Beerdigung.Darko Vojinovic / APTausende haben sich am Montag vor der serbisch-orthodoxen Kirche St. Lukas in Belgrad eingefunden, um dem ehemaligen bosnisch-serbischen General Ratko Mladic die letzte Ehre zu erweisen. Der Menschenauflauf zeigte, wie der verurteilte Kriegsverbrecher von vielen serbischen und bosnisch-serbischen Nationalisten noch immer als Held gefeiert wird.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Schon am Morgen bildete sich eine lange Schlange vor der Kirche, in der Mladics Sarg aufgebahrt war und von sechs Uniformierten im Turnus bewacht wurde. Damit die Trauernden von ihm Abschied nehmen konnten, gab es kostenlose Busverbindungen von Bosnien und vielen Städten in Serbien nach Belgrad. Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Porfirije, leitete die Trauerfeier. Danach bildete sich von der Kirche zum Friedhof, wo Mladic schliesslich beigesetzt wurde, ein riesiger Trauerzug.Vucic fehltDer serbische Präsident Aleksandar Vucic blieb der Beisetzung fern. Als Grund für seine Abwesenheit gab er den Staatsbesuch des usbekischen Präsidenten an. Laut Medienberichten nahmen an seiner Stelle mehrere Minister teil, unter ihnen etwa der Verteidigungs- und der Justizminister. Aus der Republika Srpska, der serbisch dominierten Teilrepublik Bosniens, reisten Präsident Sinisa Karan und sein mächtiger Vorgänger Milorad Dodik an.Um Mladic die letzte Ehre zu erweisen, standen die Menschen vor der Kirche Schlange, in der der Kriegsverbrecher aufgebahrt war.Marko Drobnjakovic / APMladic war vor zehn Tagen nach langer Krankheit in einem Gefängnisspital in Den Haag gestorben. Dort verbüsste er nach der Verurteilung des Haager Kriegsverbrechertribunals 2017 eine lebenslange Haftstrafe für die Kriegsverbrechen, die er im Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 begangen hatte. Das Gericht sprach ihn unter anderem wegen des Massakers von Srebrenica, der Geiselnahme von Blauhelmtruppen und der Belagerung Sarajevos schuldig.Mladics Leichnam war am Donnerstag mit einem Regierungsflugzeug von Den Haag nach Serbien übergeführt worden. Mit an Bord waren Mladics Sohn sowie der serbische Justizminister. Am Flughafen in Belgrad nahmen serbische Soldaten den Sarg, der in eine Nationalflagge gehüllt war, in Empfang und legten ihn in ein Fahrzeug. Dieses brachte den Leichnam in einer Wagenkolonne zur Obduktion ins Militärspital.Laut Medienberichten wurde der Konvoi mit Transparenten begrüsst, die Anhänger entlang der Autobahn aufgehängt hatten. Darauf stand: «Danke, General» oder «Helden sterben nie». Bereits am Samstag fand im Haus der serbischen Armee in Belgrad eine Gedenkfeier für Mladic statt. Um die 300 Personen waren anwesend. Unter ihnen auch der serbische Justizminister sowie der Präsident der Republika Srpska.Ein riesiger Trauerzug zog sich von der Kirche zum Friedhof.Srdjan Stevanovic / GettyVerstimmung in BrüsselDer Umgang Belgrads mit dem verstorbenen Kriegsverbrecher hat für Verstimmung in Brüssel gesorgt. Die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte aus Protest ihren geplanten Besuch in der serbischen Hauptstadt ab. Ursprünglich hatte sie diese Woche hinreisen wollen. «Die Rückführung seiner sterblichen Überreste nach Belgrad erinnert Europa an die dunkelsten Kapitel unserer jüngeren Geschichte. Die Verherrlichung seines Todes ist unvereinbar mit den Werten, auf denen der Weg in die EU beruht», schrieb die slowenische Politikerin auf der Plattform X.Serbien ist zwar seit 2012 offizieller Beitrittskandidat der EU. Die Verhandlungen liegen jedoch seit Jahren auf Eis – nicht zuletzt wegen der mangelnden Rechtsstaatlichkeit in dem Land. Der Weg in die EU erfordere die Aufarbeitung der Vergangenheit, echte Versöhnung und den Respekt vor den Opfern von Kriegsverbrechen, schrieb Kos weiter auf X. «Die Werte, auf denen unsere gemeinsame Zukunft beruht, sind nicht verhandelbar.»Vucic reagierte denkbar undiplomatisch auf die Begründung von Kos’ Absage. «Die Erklärung war wie üblich extrem kurz und dumm», meinte der Präsident. Immer wenn etwas Schlechtes über Serbien gesagt werde, liege sie an dessen Ursprung. Nachdem sein Justizminister vergangene Woche ein Staatsbegräbnis angedeutet hatte, wiegelte Vucic umgehend ab: Nicht der Staat, sondern Mladics Familie sei für dessen Bestattung zuständig. Er wollte damit offenbar vermeiden, dass ihn Brüssel für die Feierlichkeiten verantwortlich macht. Wie die scharfe Kritik von Kos und weiteren EU-Vertretern zeigte, gelang ihm das jedoch nicht.Passend zum Artikel