PfadnavigationHomePolitikDeutschlandNach Sachsen-Anhalt-Wahl„Dieses Wahlergebnis löst große Erschütterungen aus“, sagt Merz und kündigt Konsequenzen anStand: 07.09.2026Lesedauer: 6 MinutenKanzler Merz hat Konsequenzen nach der Niederlage seiner Partei bei der Wahl in Sachsen-Anhalt angekündigt. „Wir sind alle zutiefst schockiert“, sagte Merz auf einer Pressekonferenz in Berlin.Die CDU steht nach der Wahlpleite in Sachsen-Anhalt unter Schock. Friedrich Merz bezeichnet sie als die schwerste Niederlage der CDU seit Jahrzehnten. SPD-Chefin Bärbel Bas nutzt ihre Pressekonferenz indes für Kritik am Bundeskanzler.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenCDU-Chef und Kanzler Friedrich Merz hat Konsequenzen nach der Niederlage seiner Partei bei der Wahl in Sachsen-Anhalt angekündigt. „Wir sind alle zutiefst schockiert“, sagte Merz in Berlin. „Wir haben es in dieser Form so nicht erwartet.“Gleichwohl gestand er ein: „Wir haben es zu akzeptieren, das sind die Regeln unserer Demokratie. Aber mit dem gestrigen Tag hat sich nicht nur in Sachsen-Anhalt etwas verändert, sondern in ganz Deutschland.“<< Alles zur Sachsen-Anhalt-Wahl lesen Sie in unserem Liveticker >>Und weiter: „Wenn fast 60 Prozent der Wähler politische Parteien wählen, die die demokratischen Institutionen unseres Landes infrage stellen, dann ist das ein Wahlergebnis, mit dem wir nicht zur Tagesordnung übergehen könnten. Das macht etwas mit uns. Auch mit mir persönlich. Das ist die schwerste Wahlniederlage, die die CDU seit Jahrzehnten eingefahren hat. Das wird Konsequenzen haben müssen.“Lesen Sie auchMerz bekräftigte aber die Notwendigkeit grundlegender Reformen in Deutschland. Es gehe „um nicht weniger als die Zukunft unseres Landes und die Chancen unserer Kinder und Enkelkinder“. Dies „dürfen wir nicht verspielen“, betonte der CDU‑Vorsitzende. „Deswegen ist meine Entschlossenheit, den Reformkurs fortzusetzen, ungebrochen.“ Die Reformen müssten dabei aber den Menschen besser erklärt werden.Merz kündigt Gespräche mit SPD-Spitze anDer CDU-Vorsitzende sagte in Berlin, er werde versuchen, in den nächsten Tagen mit der Parteiführung der SPD darüber zu sprechen. „Wir müssen reden über die Frage, wie wir in der Bundesregierung jetzt den eingeschlagenen Reformkurs fortsetzen.“Die AfD hatte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag deutlich vor der regierenden CDU gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst. Die Partei konnte ihr Ergebnis auf 43,8 Prozent der Stimmen mehr als verdoppeln. Die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze kamen nur noch auf 17,2 Prozent. Ihr Wert wurde damit im Vergleich zur Wahl 2021 mehr als halbiert.Er stelle sich natürlich die Frage, so Merz weiter, „wie es so weit kommen konnte. Ich suche die Gründe auch hier in Deutschland. Ich suche sie auch bei mir. Was ist da an Angst vorhanden in der Bevölkerung, die wir möglicherweise unterschätzt haben?“ Er sprach dabei vom Rechtspopulismus und „zum Teil extremen Rechtspopulismus“. Es gebe eine Sehnsucht nach Disruption. Allerdings, sagte Merz, müsse auch die AfD inhaltliche Kompromisse finden. „Vielleicht müssen wir auch das nochmal stärker betonen.“Merz mahnt die AfD: „Das Grundgesetz gilt auch in Sachsen-Anhalt“Angesichts einer möglichen AfD-geführten Regierung in Magdeburg sagte Merz, er wolle „allen Menschen in unserem Land versichern: Unsere Institutionen sind wehrhaft und stabil.“ Das Grundgesetz schütze und garantiere diese Ordnung, und „die von mir geführte Bundesregierung wird dafür sorgen, dass das Grundgesetz durchgesetzt wird“. Diese Botschaft geht auch „an unsere Freunde in Europa und in der ganzen Welt. Wir wissen, dass Deutschland aufgrund seiner Geschichte eine besondere Verantwortung trägt.“Der Kanzler mahnte die AfD, sich bei der Übernahme einer Regierung an das Grundgesetz zu halten. „Wenn dort Grenzen überschritten werden, werden wir aus Sicht der Bundesregierung alles tun, um das zu korrigieren“, sagte Merz. „Das Grundgesetz gilt auch in Sachsen-Anhalt, auch nach einer Wahl eines AfD-Ministerpräsidenten.“ Der Kanzler verwies auf die im Grundgesetz verankerte Pflicht zur Bundestreue: „Auch ein Land wie Sachsen-Anhalt ist verpflichtet, sich in den wesentlichen Teilen der Politik, die der Bund bestimmt, bundestreu zu verhalten.“ Dies betreffe beispielsweise „die gesamte Einwanderungs- und Ausländerpolitik“, sagte Merz. „In der Durchführung mag es da sicher Spielräume geben“, sagte er. „Aber in den Grundzügen wird diese Politik in Berlin entschieden und nicht in Magdeburg.“CDU-Spitzenkandidat Schulze gestand auf der Pressekonferenz ein: „Wir haben als CDU keinen Regierungsauftrag mehr. Wir sind Opposition“, sagte er nach den Gremiensitzungen. Die „Entscheidungen und Geschicke, wie es in Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren weitergeht“, lägen jetzt „im Landtag bei den Abgeordneten, die gewählt sind“.„Es wird mit Sicherheit niemanden aus der CDU-Fraktion geben, der – Sie haben es gerade Überläufer genannt oder was auch immer – da in Frage kommt“, sagte Schulze mit Blick auf mögliche Abweichler auf eine Reporterfrage. „Und glauben Sie mir, das BSW von Frau Wagenknecht wird dafür sorgen, dass die AfD hier den Ministerpräsidenten stellt.“Lesen Sie auchSiegmund sieht „ganz klaren Regierungsauftrag“Der Spitzenkandidat der AfD, Ulrich Siegmund, hatte das Wahlergebnis zuvor bereits als „ganz klaren Regierungsauftrag“ für seine Partei bezeichnet. „Er könnte deutlicher kaum sein.“ Sich selbst bezeichnete der AfD-Politiker als „vielleicht nächsten Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt“. Um im neu gewählten Landtag eine Regierungsmehrheit zu bekommen, werde er Gespräche führen mit „einzelnen Fraktionen oder einzelnen Abgeordneten, die mit uns gemeinsam diese historische Aufgabe stemmen wollen“. Dafür wolle er „jedem Akteur im Landtag von Sachsen-Anhalt selbstverständlich erstmal die Hand reichen“, sagte Siegmund. Die AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sicherten Siegmund ihre Unterstützung bei der Regierungsbildung zu. Weidel sprach von einem „Traumergebnis“ in Sachsen-Anhalt, Chrupalla von einem „absolut historischen Ergebnis“.Die AfD-Chefin wertete das Ergebnis der Landtagswahl als schwere Schlappe für die CDU-geführte Bundesregierung. „Kein Kanzler zuvor war so unbeliebt wie Friedrich Merz, der eine große Belastung für eine gedeihliche Entwicklung in Deutschland geworden ist“, sagte Weidel. „Die CDU/CSU wird nie mehr wieder eine Bundestagswahl gewinnen können“, fügte sie hinzu. Ihr erklärtes Ziel sei es, den Abstand zwischen AfD und Union auf Bundesebene „in kürzester Zeit auszubauen und auf mindestens 40 Prozent anwachsen zu lassen für die nächste Bundestagswahl“.Auch die SPD trat nach ihrer Gremiensitzung vor die Presse. Parteichefin Bärbel Bas sagte: „Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt ist ein tiefer Einschnitt für das Land, für die Demokratie.“ Die AfD habe zwar keine absolute Mehrheit erreicht, aber das Ergebnis sei keine Entwarnung, sondern eine Warnung. „Als SPD jubeln wir nicht über unser Ergebnis, aber wir senden auch das Signal: Unser demokratisches Fundament ist stabiler, als die AfD es gerne hätte.“Sie warnte davor, Sozialreformen gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. „Wir dürfen die Sozialreformen nicht gegen die Menschen machen“, sagte Bas. Zwar seien Reformen notwendig, um die sozialen Sicherungssysteme zu erhalten und die Wirtschaft anzukurbeln. Gleichzeitig brauche es aber sichere Arbeitsplätze, gute Löhne und sinkende Preise. Das Wahlergebnis sei ein deutliches Signal an die Bundesregierung.Gleichzeitig warf sie Merz indirekt eine „schädliche Rhetorik“ vor. „Wenn Menschen hören, dass sie mehr und länger arbeiten sollen und dass es grundsätzlich härter wird, dann schafft das Verunsicherung und auch Misstrauen. Diese Rhetorik hilft auch nicht. Im Gegenteil: Sie ist schädlich.“ Die Menschen bräuchten stattdessen Verlässlichkeit bei Rente, Gesundheit und Pflege.Die Linke rechnet mit einem AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei enorm groß, sagte die Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern in Berlin. Parteichefin Ines Schwerdtner ergänzte, es bleibe das Ziel, die AfD von der Macht fernzuhalten und Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen.
Sachsen-Anhalt-Wahl: „Dieses Wahlergebnis löst große Erschütterungen aus“, sagt Merz und deutet Konsequenzen an - WELT
Die CDU steht nach der Wahlpleite in Sachsen-Anhalt unter Schock. Friedrich Merz bezeichnet sie als die schwerste Niederlage der CDU seit Jahrzehnten. SPD-Chefin Bärbel Bas nutzt ihre Pressekonferenz indes für Kritik am Bundeskanzler.










