1,44 Millionen Dateien veröffentlicht: Die Folgen des Hackerangriffs auf Berlin könnten gravierend seinDie Hackergruppe Rhysida veröffentlichte Unterlagen aus der Verwaltung des deutschen Bundeslands Berlin. Experten warnen vor langfristigen Folgen für Bürger und kritische InfrastrukturArmin Arbeiter, Berlin07.09.2026, 07.00 Uhr3 LeseminutenVon ärztlichen Attesten bis hin zu Informationen über kritische Infrastruktur. Hacker der Gruppe Rhysida erbeuteten Daten im Umfang von 5,8 Terabyte.Illustration Pauline Martinet / NZZ1,44 Millionen Dateien mit einem Umfang von 5,8 Terabyte – das entspricht etwa 2900 Stunden HD-Videomaterial – raubten Hacker der Gruppe Rhysida zwischen 7. und 12. August aus der Landesverwaltung der deutschen Hauptstadt Berlin. Am Freitag veröffentlichten sie diese im Darknet.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Rhysida habe laut dem Berliner Senat ein Lösegeld von 30 Bitcoin – umgerechnet rund 2 Millionen Euro – gefordert. Der Senat zahlte das Lösegeld nicht. Damit befinden sich Informationen über besonders schützenswerte Einrichtungen wie Heizkraftwerke, Tanklager, Notstromanlagen und Umspannwerke in der Öffentlichkeit.Daten über kritische InfrastrukturAuch geheime Informationen über Gefängnisse, Wasserwerke und Rüstungsunternehmen sowie Daten der Bundeswehr und der Berliner Innenverwaltung, die die Verteidigung betreffen, haben die Hacker dort veröffentlicht. Einmal veröffentlicht, lassen sich diese kaum mehr zurückholen. Sie könnten inzwischen von Dritten kopiert und dauerhaft gespeichert worden sein.Wie häufig dies bereits geschehen ist, ist unbekannt. Zusätzlich zu den Informationen über die Infrastruktur gelangten E-Mail-Adressen, Passkopien und ähnlich persönliche Informationen von Berliner Bürgern ins Darknet. Laut dem «Tagesspiegel» handelt es sich etwa um Reha-Unterlagen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und andere Atteste.Die Informationen könnten sowohl ausländische Dienste, Saboteure, Erpresser wie auch Kriminelle nutzen: vom Anschlag auf kritische Infrastruktur bis hin zu Betrug mit den erbeuteten Daten von Einzelpersonen. Das Ausmass des Schadens ist bereits jetzt beträchtlich – wie gross dieser ist, ist noch unklar.Kritik von IT-ExpertenBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) kündigte an, dass Betroffene informiert würden. Zwei Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wird wieder einmal Kritik an Wegners Krisenmanagement laut. Anfang Jahr war Wegner nach einem mutmasslich von Linksextremisten herbeigeführten Stromausfall Tennis spielen gegangen. Das sollte ihn eine abermalige Kandidatur bei der Wahl kosten.Auch jetzt werfen ihm Kritiker schlechtes Krisenmanagement vor. Der IT-Experte Manuel Atug erhebt etwa schwere Vorwürfe: Das Land Berlin habe grobfahrlässig gehandelt und vorsätzlich die Geheimschutzvorgaben nicht eingehalten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Für die Speicherung und Verarbeitung geheimer Verschlusssache-Unterlagen gebe es sehr strenge und genaue Vorschriften sowie mehrere Sicherheitsstufen. Offenbar seien diese nicht korrekt angewandt worden.Atug sagte, er sei zweimal als Sachverständiger in den Berliner Innenausschuss geladen worden, 2023 und 2025. Damals habe er die Zuständigen auf eklatante Sicherheitslücken hingewiesen. Er habe davor gewarnt, dass eine Vernachlässigung der Sicherheit schwere Konsequenzen haben werde. Genau das sei jetzt eingetreten, sagte der Experte.Hackergruppe seit 2023 bekanntDie Hackergruppe Rhysida ist seit 2023 bekannt und verübte noch im selben Jahr Angriffe auf die chilenische Armee und die British Library. Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik geht davon aus, dass die Tat «ausschliesslich finanziell» motiviert gewesen ist.Ein Sprecher der deutschen Regierung sagte, man verfolge die Informationen und Ermittlungen zum Datenabfluss genau. Datensysteme des Bundes seien «nach derzeitigem Kenntnisstand» nicht betroffen.Passend zum Artikel