Die AfD triumphiert in Sachsen-Anhalt. Für Bundeskanzler Merz ist es ein MenetekelDie AfD hat bei der Wahl in Sachsen-Anhalt ihr bestes Ergebnis aller Zeiten erzielt, die CDU stürzt ab. Der Stimmanteil der Christlichdemokraten hat sich halbiert. Genau das hatte Kanzler Merz einst in Bezug auf die AfD versprochen.07.09.2026, 03.58 Uhr4 LeseminutenWahlparty der AfD in Sachsen-Anhalt.Sebastian Gollnow / DPADie Parlamentswahl im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt hat ein Beben im politischen System Deutschlands ausgelöst. Die rechtspopulistische AfD hat den Christlichdemokraten, die seit 24 Jahren die stärkste Partei in dem Bundesland waren, eine herbe Niederlage zugefügt. Diese wird die gesamte deutsche Politik in den kommenden Wochen beschäftigen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Die derzeit noch mitregierende FDP verfehlte den Einzug in den Landtag klar.Durch ihren Erdrutschsieg hat die AfD unter umgekehrten Vorzeichen das erreicht, was Bundeskanzler Friedrich Merz vor Jahren als Ziel seiner Politik ausgegeben hatte: Er wolle «die AfD halbieren», hatte er schon bei seiner Bewerbung um das Amt des CDU-Parteivorsitzenden im Jahr 2018 bekundet. Auf Landesebene ist nun genau das Gegenteil eingetreten: Die AfD hat ihren Stimmenanteil gegenüber der letzten Wahl mehr als verdoppelt.An seinen Worten dürfte Merz gemessen werden: Der Druck auf den ohnehin schwer angeschlagenen Bundeskanzler dürfte jetzt noch einmal zunehmen. Seit längerem wird in der Partei über eine Ablösung des bislang unglücklich agierenden Regierungschefs diskutiert.AfD verpasst absolute MehrheitUlrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD und möglicher nächster Ministerpräsident in Magdeburg, hatte in seinem Wahlkampf das Ziel ausgegeben, eine absolute Mehrheit der Sitze im Landesparlament zu erreichen, um ohne Koalitionspartner eine Regierung bilden zu können. Dieses Ziel verfehlte er jedoch knapp.Im ARD-Fernsehen sagte Siegmund am Sonntagabend, er strebe eine «politische Kehrtwende» an. Als Demokrat strecke er allen Parteien die Hand aus, die eine solche Kehrtwende ebenfalls anstrebten. Er sehe die AfD «natürlich in staatspolitischer Verantwortung» – um regieren zu können, wolle er aber keine programmatischen Kompromisse machen. Der Auftrag zur Bildung einer Regierung liegt üblicherweise zunächst bei der stärksten Partei.Der Co-Bundesvorsitzende der Partei, Tino Chrupalla, brachte am Wahlabend im Sender ZDF auch eine Minderheitsregierung der AfD ins Spiel. Damit eine solche gebildet werden kann, bedürfte es – je nach endgültigem Wahlergebnis – womöglich nur einer Stimme bei der Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten von ausserhalb der AfD-Fraktion.Am Wahltag sagte Siegmund gegenüber der «Zeit», er wolle die Entwicklungen in der CDU «genau beobachten», falls seine Partei die absolute Mehrheit der Mandate verfehle. Er könne sich vorstellen, dass einzelne Abgeordnete eine AfD-geführte Regierung unterstützten.Die Christlichdemokraten haben jedoch eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten bislang stets ausgeschlossen. Ob sich jedoch alle Abgeordneten einer von den Wählern schwer abgestraften CDU daran gebunden fühlen werden, ist offen.Ein denkbarer Mehrheitsbeschaffer für eine mit einer Minderheit der Sitze regierende AfD wäre auch das BSW, sofern diesem nach Auszählung sämtlicher Stimmen definitiv der Einzug in den Landtag gelingt. Die BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig hatte vor der Wahl gesagt, dass man eine 40-Prozent-Partei nicht einfach ausschliessen könne. Eine punktuelle Zusammenarbeit sei denkbar.Minderheitsregierung mit CDU-Ministerpräsident?Laut den Hochrechnungen ist auch eine Minderheitsregierung der Christlichdemokraten in einer Koalition mit den Grünen und der SPD unter Duldung durch die Linkspartei denkbar. Dies würde die Christlichdemokraten jedoch vor eine Zerreissprobe stellen, da sie sich nicht nur von der AfD, sondern auch von der Linkspartei abgrenzen, die in der Nachfolge der DDR-Regierungspartei SED steht. Zudem dürfte es für eine halbierte CDU überhaupt schwer werden, einen Anspruch auf die Regierung zu begründen.Das verbindende Element könnte allenfalls der Wille sein, die AfD von der Macht fernzuhalten, die inhaltlichen Gemeinsamkeiten wären gering. Die bislang regierende Koalition aus CDU, SPD und FDP hatte jedoch im Wahlkampf bereits geschlossen das Ziel ausgegeben, eine AfD-Regierungsbeteiligung zu verhindern.Die AfD befürwortet in Sachsen-Anhalt wie auf Bundesebene eine restriktive Migrationspolitik. In ihrem vor der Landtagswahl veröffentlichten «Regierungsprogramm» kündigt die Partei an, «alle rechtlich bestehenden Möglichkeiten zu nutzen», um die Zuwanderung in Sozialsysteme zu unterbinden. Ferner kündigte sie an, sie wolle Familien stärker fördern, etwa durch ein «Baby-Begrüssungsgeld in Höhe von 2000 Euro für die ersten beiden Kinder und von 4000 Euro für jedes weitere Kind» – allerdings nur für deutsche Staatsangehörige.Passend zum Artikel
Die AfD triumphiert in Sachsen-Anhalt
Die AfD hat bei der Wahl in Sachsen-Anhalt ihr bestes Ergebnis aller Zeiten erzielt, die CDU stürzt ab. Der Stimmanteil der Christlichdemokraten hat sich halbiert. Genau das hatte Kanzler Merz einst in Bezug auf die AfD versprochen.













