Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD hat ihr Ergebnis in Sachsen-Anhalt im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren mehr als verdoppelt. Damals war sie auf 20,8 Prozent gekommen. Nun hat die Partei laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 43,8 Prozent der Stimmen geholt – es ist ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl. Die absolute Mehrheit der Mandate hat die AfD jedoch knapp verfehlt.„Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag“, sagte Parteichefin Alice Weidel im ZDF. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schloss eine Minderheitsregierung unter seiner Führung aus. „Wir möchten uns nicht verbiegen für irgendwelche Machtoptionen“, sagte er am Sonntagabend im ZDF.CDU stürzt ab – BSW knapp über der FünfprozenthürdeDie bislang regierende CDU kommt zwar auf Platz zwei, fährt aber ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt ein. Im Vergleich zur Wahl 2021 haben die Wähler ihr Ergebnis halbiert. Sie kommt nur noch auf 17,2 Prozent der Stimmen. Ministerpräsident und Spitzenkandidat Sven Schulze gratulierte der AfD am Sonntagabend. „Der Wahlsieger, die AfD, ist jetzt stärkste Kraft im Landtag von Sachsen-Anhalt, und wir werden auch als CDU mit diesem Ergebnis umgehen müssen“, sagte er auf der Wahlparty seiner Partei in Magdeburg.Die bisherige Landesregierung aus CDU, SPD und FDP kommt nicht mehr in die Nähe einer Mehrheit. Während die SPD ihr Ergebnis von vor fünf Jahren leicht verbessern konnte, verpasste die FDP hat den Einzug in den Landtag deutlich. Ihre Landesvorsitzende Lydia Hüskens kündigte noch am Abend ihren Rücktritt an.Im Landtag vertreten sein werden dagegen Linke und Grüne – wobei die Grünen mit 8,9 Prozent der Stimmen deutlich besser abgeschnitten haben, als etliche Umfragen hatten erwarten lassen. „Viele hatten Bündnis 90/Die Grünen als gesamtdeutsche Partei abgeschrieben. Und aller Voraussicht nach wird das heute das beste Wahlergebnis in der Geschichte von Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt sein“, sagte der Grünen-Parteichef Felix Banaszak im ZDF.Für eine absolute Mehrheit braucht es im Landtag 42 Abgeordnete. Die Parteien, die eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen (CDU, SPD, Grüne, Linke), haben im neuen Landtag zusammengenommen ebenso 39 Mandate wie die AfD. Dazu kommen fünf BSW-Abgeordnete.Wie schon vor der Wahl warb das BSW auch am Sonntagabend für einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“, der mit wechselnden Mehrheiten unter Einbindung der AfD regiert. „Ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit für unser Modell an diesem Wahlabend deutlich gestiegen ist“, sagte BSW-Chefin Amira Mohamed Ali am Sonntagabend in der ARD.Klingbeil stellt Reformkurs infrageDas Wahlergebnis dürfte auch Auswirkungen auf die schwarz-rote Koalition haben. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann betonte jedoch in der ARD, es werde keine Diskussionen über den Parteichef und Kanzler Friedrich Merz geben. Das habe überhaupt nicht zur Debatte gestanden.Ähnlich äußerte sich der Fraktionsvorsitzende der Union, Thorsten Frei (CDU). „Es ist, glaube ich, in dieser Situation ganz wichtig, dass wir insgesamt stabil sind und stabil bleiben“, sagte er in der ARD. Man werde sich nun mit der Frage auseinandersetzen müssen, warum die CDU nicht die Zustimmung bekomme, die sie sich wünsche. Das gelte „im Grunde genommen für die ganze Bundesregierung“.Auch der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil sieht in dem Ergebnis ein „Signal an Berlin“. „Das ist ein Grund, nachzudenken über den Reformkurs der Bundesregierung“, sagte er im ZDF.In Sachsen-Anhalt waren knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent – und damit deutlich höher als 2021. Damals lag sie bei 60,3 Prozent.Die erste Sitzung des neuen Landtags muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden. Das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss, aber Fristen für mögliche weitere Wahlgänge, sollten der erste und weitere scheitern.
Wahl Sachsen-Anhalt 2026: AfD siegt haushoch, verfehlt aber die absolute Mehrheit
Die AfD hat in Sachsen-Anhalt ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl eingefahren. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze ist abgestürzt.










