PfadnavigationHomePolitikDeutschlandAfD-Umfragewerte„Aus meiner Sicht halluzinieren die etablierten Parteien über die Problematik“Stand: 05.09.2026Lesedauer: 2 MinutenVor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt plant die AfD eine große Abschlussveranstaltung mit der Bundesspitze, die CDU verzichtet darauf. „Den Kanzler wollte Sven Schulze ja auch in der Vergangenheit nicht so gerne in Sachsen-Anhalt haben“, berichtet WELT-Reporter Gerrit Seebald.Wer die AfD durch eine schärfere Migrationspolitik schwächen will, erreicht laut Studien genau das Gegenteil, sagt Soziologe Oliver Nachtwey. Vor allem für die SPD sieht er nur noch eine Option.GoogleKlicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.Jetzt aktivierenDer Soziologe Oliver Nachtwey warnt davor, die hohen Umfragewerte der AfD vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als ostdeutsches Sonderphänomen zu betrachten. „Die AfD ist schon längst ein gesamtdeutsches Phänomen“, sagte der Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel dem „Münchner Merkur“. Hohe Zustimmungswerte erreiche die Partei inzwischen auch in mehreren westdeutschen Bundesländern. Strukturschwache Regionen im Westen könnten nach seiner Einschätzung ähnliche Entwicklungen erleben wie Teile Ostdeutschlands.Als Ursache für den Erfolg der AfD sieht Nachtwey vor allem soziale Unsicherheit und Abstiegsängste. Studien zeigten, „dass es gar nicht unbedingt ein objektiv erfahrener Abstieg sein muss, der die Menschen zur AfD treibt, sondern die Sorge vor dem künftigen Abstieg“. Diese Unsicherheit werde häufig auf Migration projiziert. Zugleich beobachte er „ein verstärktes Nullsummendenken“. Viele Menschen nähmen die Welt als Nullsummenspiel wahr: „Der Aufstieg der anderen wird als eigener Verlust empfunden.“Vor diesem Hintergrund kritisierte Nachtwey („Zerstörungslust“) den Umgang der etablierten Parteien mit der AfD scharf. „Aus meiner Sicht halluzinieren die etablierten Parteien über die Problematik“, sagte er. Gemeint sei die Vorstellung, die AfD lasse sich durch eine härtere Migrationspolitik schwächen. „Sie glauben, wenn sie die Migration ebenfalls hart bekämpfen oder rhetorisch attackieren, würden sie der AfD das Wasser abgraben“, sagte Nachtwey über Union und SPD. Politikwissenschaftliche Untersuchungen zeigten jedoch „sehr robust“ das Gegenteil: „Damit schwächt man die AfD nicht, man stärkt ihre Position.“ Dadurch werde die Partei legitimiert und es werde „den Menschen einfacher, sich zu ihr zu bekennen“. Nach dem Motto: „Seht her, das sagt die CDU doch jetzt auch.“Scharf widersprach der Soziologe auch Überlegungen in Teilen der Union, die AfD politisch spalten zu können. „Es gibt in Teilen der Union immer noch die Illusion, man könne die AfD spalten – den bürgerlichen vom rechtsextremen Teil trennen“, sagte Nachtwey. „Diesen Leuten möchte man raten, noch einmal die Geschichtsbücher über die Machtergreifung der Nationalsozialisten zu studieren.“ Damals habe es „im Bürgertum exakt dieselbe Illusion“ gegeben, „man könne diese Kräfte einhegen oder entzaubern“.Auch für die SPD sieht Nachtwey erheblichen Erneuerungsbedarf. „Ich glaube, die SPD hat gar keine andere Wahl, als einen Neuanfang in der Opposition zu suchen“, sagte er dem „Münchner Merkur“. Die Partei durchlebe derzeit den Wandel „von einer Volkspartei zu einer bedrohten Partei“. „Mehr programmatische Opposition zu wagen, würde der SPD definitiv guttun.“kami
AfD-Umfragewerte: „Aus meiner Sicht halluzinieren die etablierten Parteien über die Problematik“ - WELT
Wer die AfD durch eine schärfere Migrationspolitik schwächen will, erreicht laut Studien genau das Gegenteil, sagt Soziologe Oliver Nachtwey. Vor allem für die SPD sieht er nur noch eine Option.










