Demo von AfD-Anhängern in Rostock: Gegenrealität erzeugt

Eine aus der Propaganda- und Desinformationsforschung mittlerweile sattsam bekannte Grundregel ist: Wenn jemand erst mal herausgekippt ist aus dem gesellschaftlichen Grundkonsens, kann man ihn kaum noch zurückholen.Das wissen auch alle, die einmal mit einem Verschwörungsgläubigen diskutiert haben, egal ob Impfgegner, Klimawandelleugner oder Anhänger der Idee vom »Bevölkerungsaustausch« (die Überlappungen sind groß). Studien haben wieder und wieder gezeigt, dass es sogar gegenteilige Effekte haben kann, wenn man solche Leute mit Fakten überzeugen möchte: Sie ziehen sich dann noch weiter in ihre jeweiligen Echokammern zurück und suchen dort nach Bestätigung. Soziale Medien helfen dabei und verstärken den Effekt.

»Wir existieren in einer Welt voller Einflüsse, aber wir sind überwiegend immun dagegen, weil wir uns selbst fortgebildet haben« – so zitiert die Kommunikationswissenschaftlerin Magdalena Wojcieszak in einer Studie schon im Jahr 2010 einen anonymen Teilnehmer an einem US-Forum für Neonazis. Diese Art von Aussagen findet man für bestimmte, radikalisierte Gruppen seither wieder und wieder .

Auch vielen Wählerinnen und Wählern der AfD in Sachsen-Anhalt geht es nicht primär um Realität, nicht um echte Bedrohungen, Nachteile oder Herabsetzungen. Es geht um Realitätskonstruktion.