Das Russische Haus soll bald Geschichte sein. Diesen Eindruck vermittelte Außenminister Johann Wadephul am Dienstag, als er Russland für den Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig am 4. August verantwortlich machte. Die Bundesregierung verkündete Strafmaßnahmen: Das letzte Generalkonsulat in Bonn soll geschlossen, die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige verschärft und der Druck auf die sogenannte Schattenflotte erhöht werden. Und: „Der Vertrag über das Russische Haus in Berlin wird gekündigt“, erklärte Wadephul.Was dabei auffiel, war weniger die Härte der Maßnahmen als ihre Schnelligkeit. Fast zehn Monate brauchte die Bundesregierung, um Russland im Dezember 2025 offiziell für die Desinformationskampagne vor der Bundestagswahl verantwortlich zu machen. Den Hackerangriff auf den Bundestag 2015 schrieb sie Russland erst fünf Jahre später zu. Die jetzige Reaktionsgeschwindigkeit ist ein deutlicher Fortschritt, die Härte scheint dagegen eher symbolisch.Vielleicht etwas zu voreilige FreudeDenn das Haus als solches wird gar nicht geschlossen. Was zum 7. Juni 2027 endet, ist lediglich das 2012 in Kraft getretene deutsch-russische Abkommen über die Kultur- und Informationszentren – das Russische Haus und die Goethe-Institute in Russland, deren Arbeit ohnehin weitgehend auf Sprachkurse zusammengeschrumpft ist und die nun im Gegenzug auch geschlossen werden. Das Abkommen läuft jeweils fünf Jahre und verlängert sich automatisch, wenn es nicht spätestens sechs Monate vor Ablauf gekündigt wird. Die Kündigung muss also bis zum 6. Dezember erfolgen. Der vorherige Termin war der 6. Dezember 2021 – noch vor Beginn der russischen Vollinvasion.
Russisches Haus vor dem Aus: Ende eines Kulturabkommens
In Berlin soll das Russische Haus geschlossen werden. Indem die Bundesregierung eine fristgerechte Kündigung als harte Strafmaßnahme präsentiert, liefert sie der russischen Propaganda leider eine Steilvorlage.













