Kaum steht der Verdacht auf einen russischen Ursprung des Drohnenzwischenfalls am Leipziger Flughafen im Raum, wird in Berlin wieder jenes Ritual aufgeführt, das sich seit Jahren wiederholt. Politiker von CDU, SPD und Grünen fordern die Schließung des Russischen Hauses an der Friedrichstraße, das Auswärtige Amt weicht aus – und am Ende bleibt doch alles beim Alten?

Ukraine-Ultras werfen der Berliner Politik seit Tagen mit zunehmender Vehemenz vor, man sei zu zurückhaltend im Umgang mit dem russischen Kulturzentrum mitten in der Hauptstadt. Für andere wiederum ist es ein Akt der diplomatischen Vernunft, die Finger von dem Gebäude zu lassen.

Bemerkenswert ist jedenfalls, wie schnell aus einem ungeklärten Vorfall wie jenem in Leipzig eine politische Gewissheit wird. Noch ist offen, wer hinter dem mutmaßlichen Anschlagsplan am Flughafen steckt – selbst Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, wahrlich kein Freund russlandaffiner Zurückhaltung, mahnte zur Vorsicht und verlangte Beweise, bevor Konsequenzen gezogen würden.

Das hindert Politiker wie den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach, den Grünen-Innenexperten Konstantin von Notz oder den CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter freilich nicht daran, das Russische Haus bereits jetzt als Kollateralschaden einer noch gar nicht bewiesenen Tat ins Visier zu nehmen. Es ist ein altbekanntes Muster. Ein diffuser Verdacht genügt, um ein jahrzehntealtes kulturelles Arrangement infrage zu stellen, das mit dem eigentlichen Vorfall in keinerlei Verbindung steht.