Nach dem Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen im August stand für die Bundesregierung der mutmaßliche Drahtzieher schnell fest: Russland.Was folgte, waren diplomatische Verstimmungen, gegenseitige Beschuldigungen und die angekündigte Schließung des Russischen Hauses in Berlin sowie aller Goethe-Institute in Russland. Während die Position der Bundesregierung von allen Medien aufgegriffen wurde, ist über den russischen Standpunkt bislang wenig bekannt. Nun äußerte sich Sergej Netschajew, Russlands Botschafter in Berlin, in einem ausführlichen Gespräch mit Podcaster Ben Berndt zu dem Vorfall und legte dabei die russische Sichtweise dar. Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung hat Teile des Gesprächs vorab exklusiv erhalten.

Die Vorwürfe, wonach Russland für den Zwischenfall am Leipziger Flughafen verantwortlich ist, weist Netschajew als unbegründet zurück. „Wir betrachten das als geziehlte Provokation“, sagte er. Gleichzeitig wirft er der deutschen Regierung eine unverhältnismäßige Reaktion vor.

Nach Auffassung der Bundesregierung wurde der Vorfall hingegen von einem russischen Geheimdienst orchestriert. Das würden polizeiliche Ermittlungen, Ermittlungen des Generalbundesanwalts sowie Erkenntnisse eigener und befreundeter Geheimdienste nahelegen, erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Die Bauweise der Drohne, einzelne Bauteile und der verwendete Sprengstoff seien aus anderen russischen Hybridoperationen und aus dem Krieg gegen die Ukraine bekannt, hieß es.